Freitag, 13. Juni 2014


Hypnose kann den Tiefschlaf verbessern
(Foto: Giuliamar / pixabay.com)

Schlafstörungen machen auf Dauer krank, sowohl körperlich wie auch psychisch. Eine Hypnosetherapie könnte zu verbessertem Tiefschlaf verhelfen.


Wer schlecht schläft und sich Nacht für Nacht mehr oder weniger schlaflos im Bett herumwälzt, fühlt sich tagsüber erschöpft und wenig leistungsfähig. Und Schlafstörungen, die lange unbehandelt bleiben, machen auf Dauer krank. Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Depressionen können die Folge sein. Eine neue Studie zeigt, dass chronischer Schlafmangel das Risiko für die Alzheimer-Erkrankung erhöht. Bereits nach einer Nacht Schlafentzug wird ein bestimmtes Eiweiß, dass sich bei der Alzheimer-Krankheit im Gehirn ansammelt, schlechter abgebaut.

Tiefschlaf repariert und regeneriert

Eine gute Schlafqualität ist die Basis für die körperliche und geistige Erholung. Vor allem der Tiefschlaf beeinflusst positiv unser Gedächtnis und unser Immunsystem. In den Tiefschlafphasen schüttet der Körper Wachstumshormone aus, die für eine Reparatur von Zellschäden sorgen und die Immunabwehr anregen. Nach körperlichen und seelischen Anstrengungen oder bei Krankheiten wünscht man sich häufig einfach eine gute und ausgedehnte Nachtruhe. Schlafmittel können zwar für kurze Zeit das Ein- und Durchschlafen verbessern, aber führen bei langfristiger Anwendung zu Abhängigkeit und Gewöhnung und stellen daher nur eine Notlösung dar.

Hypnose verbessert Schlafqualität

Doch Schlafforscher der Universitäten Zürich und Fribourg haben nun eine Studie im Fachjournal »Sleep« veröffentlicht, die beweist, dass Hypnose die Schlafqualität in erstaunlichem Umfang verbessern kann. »Das eröffnet neue und vielversprechende Möglichkeiten, den Schlaf auch ohne Arzneimittel zu verbessern«, sagt Biopsychologe Björn Rasch vom Psychologischen Institut der Universität Zürich, der die Studie im Rahmen des Projektes »Schlaf und Lernen« geleitet hat.

Hirnströme machen Schlafqualität deutlich

Mit Hypnose können Prozesse beeinflusst werden, die willentlich nur schwer steuerbar sind. Schlafstörungen lassen sich zwar gut mit einer Hypnotherapie behandeln, aber bisher war unbewiesen, ob der Schlaf sich objektiv messbar verändert durch eine Hypnose. Für eine solche Messung wird die elektrische Aktivität des Gehirns mit dem Elektroenzephalogramm (EEG) während des Schlafes gemessen. Charakteristisch für die elektrische Hirnaktivität während des Tiefschlafs, der für die Regeneration des Körpers besonders wichtig ist, sind sehr gleichmäßige und langsame Wellenbewegungen im EEG.

Die Studie: Tiefschlafhypnose oder neutraler Text

Für die Studie kamen 70 gesunde junge Frauen für einen Mittagsschlaf von 90 Minuten in ein Schlaflabor. Vor dem Einschlafen wurde ihnen entweder eine 13-minütige Tiefschlafhypnose vorgespielt, die von der Hypnotherapeutin Professor Angelika Schlarb von der Universität Bielefeld entwickelt wurde, oder ein neutral gesprochener Text. Vor der Untersuchung wurde die Hypnotisierbarkeit der Teilnehmerinnen anhand eines Standardverfahrens in mittelgut und weniger gut eingeteilt. Etwa die Hälfte der Bevölkerung ist mittelgut zu hypnotisieren, Frauen etwas besser als Männer.

Tiefschlafphase 80 Prozent verlängert

Die Schlafforscher Maren Cordi und Björn Rasch konnten mit ihren Forschungen beweisen, dass der Anteil der Tiefschlafphasen bei gut hypnotisierbaren Frauen nach dem Hören der Tiefschlafhypnose um 80 Prozent höher war. Und die Zeit, in der die Frauen wach lagen, verringerte sich um etwa ein Drittel. Die weniger gut hypnotisierbaren Frauen profitierten nicht so sehr von der Hypnose. Anhand von Kontrollen wurde auch nachgewiesen, dass die positive Wirkung der Hypnose nicht auf eine reine Erwartungshaltung der Teilnehmerinnen zurückzuführen war.

Hypnose ist nebenwirkungsfrei

»Unsere Ergebnisse sind vor allem für Patienten mit Schlafstörungen und für Senioren enorm wichtig, denn Hypnose ist im Gegensatz zu Schlafmitteln frei von Nebenwirkungen«, erklärt Psychologin Maren Cordi. Grundsätzlich können aber alle Personen, die hypnotisierbar sind, eine Verbesserung ihrer Schlafqualität erwarten.

Quellen: Maren Cordi, Angelika Schlarb, Björn Rasch: Deepening sleep by hypnotic suggestions. Sleep. 37(6). June 1, 2014. DOI: 10.5665/sleep.3778

Sharon Ooms, Sebastiaan Overeem, Kees Besse, Marcel Olde-Rikkert, Marcel M. Verbeek, Jurgen Claassen: A single night of sleep deprivation increases cerebrospinal fluid beta-amyloid 42 protein in healthy male volunteers. Alzheimer’s & Dementia: The Journal of the Alzheimer’s Association - July 2013 (Vol. 9, Issue 4, Supplement, Page P521, DOI: 10.1016/j.jalz.2013.04.247)

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