Mittwoch, 25. Februar 2015


Bei chronischen Darmentzündungen
spielen auch Viren eine Rolle
(Foto: OpenClips - pixabay.com)
Bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa spielen sowohl Bakterien als auch Viren eine Rolle.


Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa werden häufig mit einer abnehmenden Vielfalt von Darmbakterien in Verbindung gebracht. Eine neue Studie zeigt jetzt auch eine Verbindung zu einer größeren Vielfalt von Viren bei diesen Erkrankungen.
Wissenschaftler der Washington-Universität in St. Louis stellten fest, dass Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen eine größere Vielfalt von Viren im Darm haben als gesunde Erwachsene. Das deutet an, dass neben den Darmbakterien auch Viren bei diesen Erkrankungen eine Rolle spielen. Die Studie wurde im Fachjournal »Cell« veröffentlicht.

Virom erhält mehr Aufmerksamkeit
Für Wissenschaftler wird die Rolle des Mikrobioms - die Gesamtheit aller Bakterien auf und in unserem Körper sowie ihre Gene - bei Krankheiten immer wichtiger. Veränderungen im Mikrobiom werden beispielsweise mit Fettleibigkeit, Diabetes, metabolischem Syndrom und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen in Verbindung gebracht. Die neue Studie zeigt zum ersten Mal auch eine Verbindung zwischen Krankheiten und Veränderungen des Viroms: die Viren im menschlichen Körper und ihre Gene.

Laut den Wissenschaftlern weisen die Forschungsergebnisse dieser Studie darauf hin, dass Viren eine noch nicht entdeckte Rolle spielen bei Adipositas, Diabetes und den beiden meist vorkommenden chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Daher sollten Wissenschaftler das Virom genauso sorgfältig untersuchen wie das Mikrobiom, meint Hauptautor der Studie, Pathologe und Immunologe Professor Herbert W. Virgin.

Virom: Noch ist vieles unbekannt
»Das ist erst die Spitze des Eisbergs«, sagt er. »Ein Großteil der viralen DNA, die wir in diesen Patienten identifiziert haben, ist uns völlig unbekannt. Sie stammt von neu identifizierten Viren, von denen wir wenig wissen. Wir haben noch eine Menge Grundlagenforschung zu betreiben, um das genetische Material dieser Viren zu entschlüsseln und zu lernen, wie sie mit dem Darm und Darmbakterien zusammenarbeiten. Erst dann können wir bestimmen, ob Veränderungen des Viroms diese Erkrankungen verursachen oder eine Folge der Erkrankungen sind.«

Zusammen mit seinen Kollegen untersuchte Virgin drei Gruppen von Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. In jeder Gruppe verglichen sie die virale DNA aus Stuhlproben mit denen von gesunden Personen aus derselben Umgebung. Bei den Patienten fanden die Wissenschaftler eine deutlich größere Vielfalt, vor allem in Form von Bakteriophagen. Dabei handelt es sich um Viren, die Bakterien infizieren und sich in das bakterielle Genmaterial integrieren können. Veränderungen im Darm, die Bakterien vernichten bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen können Bakteriophagen in den sterbenden Bakterien freisetzen. Oder neue, für den Darm noch unbekannte Bakteriophagen, die durch Lebensmittel in den Körper gelangen, können eine Reaktion im Verdauungssystem oder Mikrobiom auslösen, die die Krankheit verursachen. Es kann aber auch eine Kombination dieser Mechanismen zum Ausbruch der Erkrankung beitragen. Virgin glaubt, dass mehr Einsicht in sowohl das Mikrobiom als auch das Virom schließlich zu einem besseren Verständnis und besseren Therapiemöglichkeiten für chronisch entzündliche Darmerkrankungen führen kann.

Erforschung von menschlichen, bakteriellen und viralen Genen nötig
»Wir wissen, dass Mutationen in den menschlichen Genen das Risiko für chronisch entzündliche Darmerkrankungen beeinflussen und Wissenschaftler erforschen außerdem, wie die Gene der Bakterien dieses Risiko beeinflussen«, erklärt Virgin. »Unsere Ergebnisse zeigen, dass die mögliche Wirkung des Viroms auf den Darm ebenso Gegenstand der Forschungen sein muss.«


Quelle: Jason M. Norman, Scott A. Handley, Megan T. Baldridge, Lindsay Droit, Catherine Y. Liu, Brian C. Keller, Amal Kambal, Cynthia L. Monaco, Guoyan Zhao, Phillip Fleshner, Thaddeus S. Stappenbeck, Dermot P.B. McGovern, Ali Keshavarzian, Ece A. Mutlu, Jenny Sauk, Dirk Gevers, Ramnik J. Xavier, David Wang, Miles Parkes, Herbert W. Virgin. Disease-Specific Alterations in the Enteric Virome in Inflammatory Bowel Disease. Cell, 2015; DOI: 10.1016/j.cell.2015.01.002

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