Dienstag, 19. September 2017


Wenn das Verlangen nach Süßem einsetzt, ist das Letzte, woran wir denken, unsere psychische Gesundheit. Wissenschaftler glauben jetzt, dass das ein Fehler ist.

Wir alle kennen das zur Genüge. Nach einem aufreibenden und anstrengenden Tag, kommt man schlecht gelaunt nach Hause und versucht zu entspannen. Man möchte den Stress hinter sich lassen, den Tag abhaken und sich selbst ein wenig belohnen für alle Mühen und Anstrengungen. Wenn man dann endlich die Füße hochlegen kann, schleicht er sich langsam, aber unwiderruflich an: Der Heißhunger auf Eiscreme, Gummibärchen, Schokolade und alles, was irgendwie süß ist. Doch inzwischen gibt es wissenschaftliche Beweise für eine Verbindung zwischen Zucker und psychischer Gesundheit und es sind nicht nur Süßigkeiten, die unsere tägliche Zuckerration in die Höhe treiben.
Zucker macht Männer depressiv
Erst kürzlich berichtete eine Studie darüber, dass Männer, die viel Zucker essen, ein deutlich höheres Risiko für Depressionen haben. Man könnte nun argumentieren, dass depressive Gefühle erst den Konsum von Zucker anregen und nicht andersherum. Aber besonders interessant an dieser Studie war, dass die Wissenschaftler ein mathematisches Modell verwendeten, um genau dieses Phänomen – genannt umgekehrte Kausalität – auszuschließen. Die Ergebnisse zeigten, dass der Zuckerkonsum vor der Depression stattfand und nicht eine Folge von depressiven Emotionen war.
Obwohl sich inzwischen zunehmend Studien mit den Auswirkungen von Ernährung auf die psychische Gesundheit befassen, ist es schwierig, die genauen Ursachen und Mechanismen zu erforschen, die beides verbindet. Was lässt sich beweisen? Und wie kann ein simples Molekül wie Zucker, einen solch verheerenden Schaden in unserem Gehirn anrichten?
Psyche und Ernährung stehen in Verbindung
Schon im Jahr 2002 galt Zucker bei einer Studie des gesamten Zuckerkonsums pro Person in sechs verschiedenen Ländern als Risikofaktor für ein vermehrtes Auftreten schwerer Depressionen. Seitdem haben etliche weitere Wissenschaftsteams die Auswirkungen von Ernährung auf die Psyche untersucht. Beispielsweise war der Konsum von stark verarbeiteten Nahrungsmitteln und Fast Food, einschließlich Hamburger, Pizza und Frittiertem, bei Jugendlichen und Erwachsenen mit einer höheren Rate von Depressionen verbunden. Dasselbe fand man auch bei amerikanischen Senioren, die sich sehr zuckerhaltig ernährten.
Zuckerhaltige Erfrischungsgetränke, besonders Limonaden, sind auf der Beliebtheitsskala enorm gestiegen und werden weltweit konsumiert. Eine chinesische Studie mit Erwachsenen, die traditionell ungesüßten Tee trinken, zeigte, dass diejenigen, die mehr Softdrinks zu sich nahmen, häufiger an Depressionen erkrankten. Obwohl diese Studien nicht durchgeführt wurden, um den biologischen Mechanismus von Zucker auf die psychische Gesundheit herauszufinden, tragen sie dennoch zur wissenschaftlichen Beweislage bei, dass ein Zusammenhang zwischen beiden besteht.
Die Wissenschaft vom Zucker
Zucker sind einfache Kohlenhydratmoleküle. Weil sie für die Funktion unserer Zellen und Organe lebenswichtig sind, besitzt unser Körper hoch entwickelte Mechanismen, um komplexe Kohlenhydrate in einfachen Zucker umzuwandeln. Deshalb braucht er nicht zur Ernährung hinzugefügt zu werden und die American Heart Association (AHA) erklärt in einem Statement, dass „unser Körper keinen Zucker braucht, um normal zu funktionieren.“
Wichtig ist, dass unser Körper nicht zwischen Zucker aus unterschiedlichen Quellen unterscheiden kann. Ob aus weißem Haushaltszucker, Honig, Melasse, Maissirup, Traubensaftkonzentrat, Obst oder Milch: Unser Körper geht mit dem Zucker immer gleich um. Die American Heart Association empfiehlt eine tägliche Höchstmenge von sechs Teelöffeln Zucker für Frauen und neun Teelöffeln für Männer. Zur Verdeutlichung: Eine Dose Cola enthält 8,25 Teelöffel Zucker, während eine kleine Banane etwa drei Teelöffel Zucker liefert. Es ist klar, dass ausgiebiger Zuckerkonsum schlecht für die Zähne ist und zu einer Gewichtszunahme führen kann, aber warum sollte Zucker schlecht sein für unsere Psyche?
Zucker und Nervenzellen
Nervenzellen sind sehr sensible Zellen und nicht gut vorbereitet auf hohe Zuckerwerte. Tatsächlich sind Diabetiker durch Nervenschäden gefährdet und Wissenschaftler beginnen gerade erst zu verstehen, wie ein hoher Blutzuckerspiegel das verursacht. Eine chinesische Studie an diabetischen Ratten zeigte, dass ein hoher Blutzuckerspiegel zu Entzündungen, Schädigungen und zum Absterben der Nervenzellen im Gehirn führt. Die Wissenschaftler zeigten weiterhin, dass Nervenzellen im Labor vermehrt Entzündungen entwickelten, wenn sie größeren Glukosemengen ausgesetzt wurden. Diese Ergebnisse brachten etwas mehr Klarheit in die biologischen Signalwege, die dabei eine Rolle spielen. Wichtig vor allem ist, dass es einen starken Zusammenhang zwischen Diabetes und der Alzheimererkrankung gibt, was die Behauptung unterstützt, dass Zuckertoxizität eine Rolle für die Gesundheit des Gehirns spielt.
Zucker beeinträchtigt die Gehirnleistung
Eine Überprüfung verschiedener Studien durch Prof. Dr. Margaret Morris, Pharmakologin an der University of New South Wales im australischen Sydney, ergab, dass ein hoher Zuckerkonsum bei Senioren mit leichten Einschränkungen der Gehirnleistung einhergeht. Auch bei Kindern beeinflusst viel Zucker die Gehirnfunktion negativ. Das Wissenschaftsteam um Prof. Dr. Morris zeigte darüber hinaus, dass Ratten schon fünf Tage nach dem Beginn einer zuckerreichen Ernährung, Probleme mit dem Wiedererkennen von Orten bekommen. Das wurde zusätzlich von großflächigen Entzündungen und oxidativem Stress im Gehirn der Tiere begleitet.
Doch wie können wir unser Gehirn davor bewahren, der süßen Versuchung zum Opfer zu fallen, solange Wissenschaftler noch nach den genauen Mechanismen suchen, wie Zucker die mentale Gesundheit beeinflusst?
Die Fallstricke von Zucker vermeiden
Zucker aus der Ernährung zu verbannen, ist leichter gesagt als getan. Wir werden täglich mit Werbung für Fertiggerichte, Leckereien und Süßigkeiten bombardiert. Aber auch anscheinend gesunde Nahrungsmittel können große Mengen an verstecktem Zucker enthalten. Solche Übeltäter umfassen Frühstückscerealien, Soßen, Ketchup, Pasta-Soßen, Milchshakes, Vollkornbrot und zahlreiche, als fettarm gekennzeichnete Produkte wie Fruchtjoghurt. Smoothies und Fruchtsäfte für Kinder standen schon letztes Jahr im Rampenlicht in einem Artikel des Fachmagazins „BMJ Open“. Die Autoren berichteten, dass bei mehr als 40 Prozent der begutachteten Produkte, eine Standardportion mindestens 19 Gramm Zucker enthielt, was der täglichen Gesamtmenge an freiem Zucker für ein Kind entspricht. Hohe Zuckermengen wurden außerdem in Nahrungsprodukten für Säuglinge und Kleinkinder festgestellt.
Mit Nährwertkennzeichnungen vertraut machen
Der beste Weg, um den Zuckerkonsum im Auge zu behalten, ist, sich mit den Lebensmittelkennzeichnungen vertraut zu machen. Während die Zutatenliste vielleicht keinen Zuckerzusatz ausweist, wird die Nährwerttabelle die Mengen an Kohlenhydraten und Zucker des Produkts offenbaren.
Gibt es Beweise, dass die Reduzierung von Zucker gesundheitliche Vorteile bringt? Nun, Studien haben angegeben, dass Menschen mit Depressionen von einer gesunden Ernährung profitieren. Besonders wichtig: Wer Nahrungsmittel wählt, die wenig raffinierte Zutaten wie Zucker enthalten, aber viele Omega-3-Fettsäuren, Vitamine und Mineralien kann die Symptome einer Depression lindern. Wissenschaftler glauben, dass die Kraft dieser Nahrung darin liegt, das Gehirn gesund zu erhalten. Wenn das nächste Mal schlechte Stimmung droht Ihren Tag zu verderben, denken Sie daran, wo Zucker überall im Verborgenen lauert und schauen Sie einfach auf andere leckere Dinge wie süßes Obst, dass Ihnen aus der Krise hilft. Denn nicht nur Zucker macht glücklich, sondern auch Obst und Gemüse. Und das nicht nur beim Blick auf die Waage.

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