Samstag, 27. Juli 2013


Billige Teesorten enhalten zu viel Fluorid
(Foto: hans/pixabay.com)

Können billige Teebeutel krankmachen? Eine Studie entdeckte zu viel Fluorid im Tee. Das ist risikoreich für Zähne, Knochen und Muskeln.


Britische Forscher haben in einer Studie den Gehalt an Fluoriden in No-Name-Teesorten und Marken-Tees in Großbritannien untersucht und festgestellt, dass die Werte deutlich zu hoch sind. Die untersuchten Teesorten enthielten zwischen 75 und 120 Prozent der empfohlenen Tagesmenge an Fluorid. Fluoride sind zwar essenziell für den Aufbau unserer Knochen und Zähne, allerdings kann eine Zufuhr von mehr als vier Milligramm täglich auf lange Sicht zu Schmerzen, Muskel- und Gelenkbeschwerden sowie Zahnerkrankungen führen. Ob die gemessenen Werte an Fluorid auch Produkte außerhalb von Großbritannien betreffen, muss noch geklärt werden. Experten fordern nun von Supermärkten und Herstellern, dass der Fluoridgehalt im Tee in die Nährstoffliste aufgenommen und auf den Verpackungen dokumentiert wird.

Mehr Fluorid als die empfohlenen Höchstmengen

Der Fluoridgehalt in 38 Teeprodukten wurde von einem Team von Wissenschaftlern der Universität von Derby untersucht. Die Forscher analysierten sowohl trockenen Tee als auch einen Teeaufguss mit einer Ziehzeit von zwei Minuten und verglichen die Fluorid-Spiegel, die jemand bei einem durchschnittlichen Konsum von vier Tassen oder einem Liter Tee hat. Die empfohlene Höchstmenge, die ein Erwachsener täglich aufnehmen sollte, liegt bei drei bis vier Milligramm. Die Forscher entdeckten allerdings in den preiswerten Teemischungen 75 bis 120 Prozent der empfohlenen Tageshöchstmenge. Durchschnittlich enthielt ein Liter billiger Supermarkt-Tee sechs Milligramm Fluorid.

Das Forschungsteam stellte auch erhebliche Unterschiede im Fluoridgehalt bei billigen Schwarzteemischungen der Supermärkte und bei Markenteesorten fest. Selbst zwischen den Teesorten (Grüntee, Assam, Ceylon, Oolong, Pu-Erh-Tee) gab es deutliche Unterschiede in der Fluoridkonzentration. Den höchsten Fluoridgehalt hatte billiger Schwarztee, gefolgt von Grüntee, Marken-Schwarztee und den Spezialtees Oolong und Pu-Ehr. Doch wie kommt das Fluorid in den Tee? Teepflanzen reichern sich während ihres Wachstums mit Fluorid an und die ältesten Blätter enthalten das meiste Fluorid. Gerade diese Teeblätter werden aber zu billigem und kräftigem Tee verarbeitet.

Zu viel Fluorid greift Zähne, Muskeln und Knochen an

Eine hohe Zufuhr von Fluoriden kann eine Reihe von Gesundheitsbeschwerden verursachen. Und Fluorid findet sich nicht nur in Tee, sondern auch in einigen Meeresfrüchten, in Zahnpasta, je nach Wohnort im Trinkwasser und in Lebensmittelprodukten, die mit fluoridiertem Wasser hergestellt wurden.
Als Folge kann die weniger gefährliche, aber unschöne Zahnfluorose auftreten, die weiße und braune Verfärbungen auf der Zahnschmelzoberfläche verursacht und den Zahn weniger widerstandsfähig gegen Karies macht. Das verleiht den Zähnen ein unschönes fleckiges Aussehen und macht jedes strahlende Lächeln zunichte. Es ist darüber hinaus ein Zeichen, dass Fluorid bestimmte Enzyme im Körper geschädigt hat.

Gefährlicher ist dagegen die Knochenfluorose. Diese lähmende Krankheit macht sich durch Symptome wie Knochen- und Muskelschmerzen, Muskelschwäche und Verdauungsbeschwerden bemerkbar und führt schließlich zu Osteoporose, porösen Zähnen und Nierenproblemen. Menschen, die routinemäßig 10 bis 20 Milligramm Fluorid täglich über einen Zeitraum von 10 bis 20 Jahren aufgenommen haben oder 2,5 Milligramm täglich über mindestens 40 Jahre müssen solche Gesundheitsprobleme befürchten. Im schlimmsten Fall wird die Wirbelsäule durch übermäßige Kalkeinlagerungen völlig steif und unbeweglich.

Tee als Fluorid-Quelle berücksichtigen

Exzessive Fluoridzufuhr steht außerdem in Verbindung mit beschleunigtem Knochenabbau, der gefürchteten Osteoporose. Auch über eine vermehrte Nierensteinbildung und Knochenkrebs wurde in Trinkwasser-Regionen mit hohem Fluoridgehalt berichtet.
»Obwohl Fluorid als wichtiger Mikronährstoff für die menschliche Gesundheit angesehen wird, zur Vorbeugung gegen Karies und zur Förderung gesunder Knochen, kann eine übermäßige Zufuhr in der Ernährung nachteilige Auswirkungen haben«, sagen die Forscher. »Menschen trinken vielleicht große Mengen Tee zusätzlich zu anderen Fluorid-Quellen in der Ernährung, ohne sich möglicher Probleme bewusst zu sein. Tatsächlich sind in Großbritannien und Amerika Fälle von Knochenfluorose dokumentiert worden, bei Personen, die mehr als die übliche Menge an billigem Tee konsumierten.«

»Alle Teeprodukte sollten als mögliche Fluorid-Quelle in der Ernährung berücksichtigt werden und wir drängen Supermärkte und Teeproduzenten dazu, den Fluoridgehalt in die Zutatenliste aufzunehmen und auf den Verpackungen auszuweisen«, betonen die Wissenschaftler. Die Forschungsergebnisse wurden im Fachjournal »Food Research International« veröffentlicht.
In Deutschland wurde erst kürzlich vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vor Kräutertees gewarnt. In mehreren Tees waren größere Mengen von Pyrrolizidinalkaloiden (PA) gefunden worden. Diese Substanzen bilden Pflanzen zum Schutz vor Fressfeinden. Sie können jedoch beim Menschen leberschädigend und krebsfördernd wirken. Empfohlen wird deshalb nicht ausschließlich Tee zu trinken oder sich auf eine Teesorte zu beschränken.


Quelle: Laura Chan, Aradhana Mehra, Sohel Saikat, Paul Lynch, Human exposure assessment of fluoride from tea (Camellia sinensis L.): A UK based issue?, Food Research International, Volume 51, Issue 2, May 2013, Pages 564-570, ISSN 0963-9969, DOI: 10.1016/j.foodres.2013.01.025

Bundesinstitut für Risikobewertung: »Gehalte an Pyrrolizidinalkaloiden in Kräutertees und Tees sind zu hoch«, Pressemitteilung 18/2013 vom 15.06.2013

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