Sonntag, 7. Juli 2013


Topinamburknollen

Eine in Vergessenheit geratene Pflanze ist ideal für Diabetiker und Abnehmwillige: Topinambur. Ihre Inhaltsstoffe reduzieren Gesundheitsprobleme.




Herkunft



Die Topinamburpflanze gehört zu der botanischen Familie der Korbblütler, sieht der Sonnenblume ähnlich und gehört zur selben Gattung. Sie stammt ursprünglich aus Nordamerika und wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts von französischen Seefahrern nach Frankreich gebracht. Die Franzosen benannten die kartoffelähnliche Pflanze nach einem indianischen Stamm, den Topinambour. Dieser Stamm nutzte die Pflanze als Viehfutter und Gemüse. Die Indianer schätzten die Knolle als Grundnahrungsmittel und wegen ihrer appetithemmenden Wirkung auf langen Wanderungen.

Heute wird Topinambur auf fast allen Kontinenten angebaut. Hauptanbaugebiete sind Nordamerika, Russland, Australien und Asien. In Europa wurde die süßlich schmeckende Topinamburknolle Mitte des 18. Jahrhunderts größtenteils von der Kartoffel verdrängt. Topinamburpflanzen werden nur noch mit geringer wirtschaftlicher Bedeutung in Südfrankreich und in den Niederlanden angebaut. In Deutschland gibt es noch kleine Anbaugebiete im niedersächsischen und badischen Raum.

Im ökologischen Anbau erlebt die Topinamburpflanze eine Renaissance, nicht zuletzt wegen ihrer günstigen Inhaltsstoffe und als Heilmittel bei heutigen Gesundheitsproblemen.



Aussehen und Lagerung


Topinambur blüht gelb

Die Topinamburpflanze (Helianthus tuberosus) blüht gelb von August bis zum ersten Frost. Sie bildet unterirdische Knollenfrüchte aus, die von Oktober bis Mai geerntet werden können und Ähnlichkeit mit Ingwer haben.

Die Schale ist dünn und variiert farblich je nach Sorte von gelb, braun, violett bis zu rötlich. Die Schale kann mitgegessen werden, wer allerdings zu Blähungen neigt, sollte die Knollen vor der Zubereitung besser schälen. Das Fruchtfleisch kann ebenfalls je nach Sorte weiß, cremefarben, gelb, bräunlich, rot oder violett sein. Wegen ihrer dünnen Schale trocknen Topinamburknollen schnell aus. Deshalb sollten sie nur bei Bedarf geerntet werden. Im Gemüsefach in ein feuchtes Tuch gewickelt sind sie maximal fünf Tage haltbar. In Plastiktüten schimmeln sie schnell. Wer die Möglichkeit hat sie in Sand einzugraben, kann sie bis zu zwei Monate an einem kühlen Ort lagern.

Topinambur schmeckt roh ähnlich wie Artischocken. Gekocht schmeckt die Diabetiker- oder Süßkartoffel leicht süßlich und nussartig. Die Süße lässt sich aber auch durch einen Schuss Zitronensaft gut neutralisieren.



Zubereitung



Topinambur kann zubereitet werden wie Kartoffeln. Man kann ihn kochen, als Suppe pürieren, braten und backen.

Für Salate lassen sich die Knollen roh raspeln, kochen oder als Chips braten. Sogar Süßspeisen sind möglich: Topinambur einfach roh raspeln und zu Obstsalat oder Soufflé hinzufügen. Falls Sie Topinambur roh verwenden wollen, sollten Sie ihn nach dem Schälen und Schneiden in kaltes Wasser mit etwas Zitronensaft legen, damit das Gemüse nicht grau wird.

Gewürze, die gut zu Topinambur passen, sind Muskat, Knoblauch, Zitronensaft, Kräuter und Meerrettich und als Vorbeugung gegen Blähungen auch Kümmel oder Fenchel. Mit Salz sollten Sie sparsam würzen.



Inhaltsstoffe



Topinambur ist äußerst kalorienarm. Die Knollen bestehen zu 80 Prozent aus Wasser und etwa 16 Prozent Kohlenhydraten.



Der Energiewert im Vergleich pro 100 Gramm:

Topinambur pro 100 g: 30 kcal / 126 KJ

Kartoffel pro 100 g: 85 kcal / 356 KJ



Die enthaltenen Kohlenhydrate bestehen vor allem aus dem Mehrfachzucker Inulin. Das Kohlenhydrat Inulin hat gegenüber der Kartoffelstärke den Vorteil, nach dem Verzehr nur zu einem geringen Blutzuckeranstieg zu führen. Die Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse wird also kaum erhöht. Topinambur ist deshalb sehr gut geeignet für Diabetiker und Übergewichtige, denn das Inulin belastet den Blutzuckerspiegel kaum und wirkt zusätzlich appetitzügelnd. Inulin wird inzwischen auch bei der Lebensmittelherstellung als Fettersatz eingesetzt.



Inulin wirkt weiterhin positiv auf die Darmgesundheit ein. Die guten Bakterienstämme Bifidus- und Lakto-Bakterien werden durch Inulin gefördert und durch eine gesunde Darmflora werden schädliche und sogar krebserregende Stoffe besser abgewehrt.

Topinambur ist auch reich an wichtigen Vitaminen der B-Gruppe, Vitamin C und D, Nikotinsäure und Biotin, Spurenelementen, besonders viel Kalium (400 -800 mg/100g) und versorgt den Körper mit etwa drei Prozent Eiweiß.

Durch die positive Wirkung auf die Darmflora kann aus Topinambur bis zu 20 Prozent mehr Kalzium aufgenommen werden.

Weitere Gemüsesorten, die das vorteilhafte Inulin in geringerer Menge enthalten, sind Chicorée, Artischocken, Spargel, Lauch, Löwenzahn und Knoblauch.



Heilpflanze mit positiven Eigenschaften



Unter dem lateinischen Namen Helianthus tuberosus ist Topinambur in der Liste E der Heilpflanzen aufgeführt. Die Volksmedizin kennt die Knolle als »Geschenk des Himmels«, nicht zuletzt wegen ihrer guten Verträglichkeit für Diabetiker.

Eine gesundheitsfördernde und preiswerte Heilpflanze, die folgende Eigenschaften vereint:

  • appetitzügelnd

  • gute Sättigung

  • kaum Insulinbedarf durch Fructose und Inulin

  • vorteilhaft für die Darmflora und damit auch für das Immunsystem

  • regulierend für Blutzucker, Cholesterin und Harnsäure

  • verbesserte Aufnahme von Magnesium, Kalzium und Eisen

  • reich an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen



Bezugsquellen



Topinambur wird auf Wochenmärkten, in Bioläden und ausgesuchten Supermärkten angeboten. Für Diätmaßnahmen gibt es Kapseln, Pulver, Tabletten oder Sirup zum Süßen von Speisen und Getränken in Apotheken, Drogerien und Reformhäusern. Weiterführende Informationen über Topinambur finden Sie auch auf www.topinambur.cc.


Quelle: Dehghan P, Pourghassem Gargari B, Asgharijafarabadi M: Effects of high performance inulin supplementation on glycemic status and lipid profile in women with type 2 diabetes: a randomized, placebo-controlled clinical trial. Health Promot Perspect. 2013 Jun 30;3(1):55-63. doi: 10.5681/hpp.2013.007

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