Montag, 20. Januar 2014


Dauerhaft viel Salz belastet das Herz
(Foto: sahneraum / pixabay.com)

Menschen, die dauerhaft viel Salz essen, erhöhen doch ihr Herzinfarktrisiko, wie neue Studien herausgefunden haben.


Die Diskussion, ob zu viel oder zu wenig Salz im Essen schlecht ist für die Gesundheit wird schon seit vielen Jahren von Experten ausgiebig geführt. Es gab Studien, die ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko anzeigten, andere Studien konnten keine echte Gefahr nachweisen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt Erwachsenen, nicht mehr als 5 Gramm Salz (ca. ein Teelöffel) täglich zu sich zu nehmen. Fakt ist allerdings, dass die meisten Europäer etwa 8 bis 11 Gramm Salz pro Tag konsumieren. Dabei landet das meiste Salz aus verarbeiteten Lebensmitteln und Fertigprodukten der Nahrungsmittelindustrie auf unseren Tellern.

Erstmals Verbindung zwischen Salzkonsum und Herzinfarktrisiko

Mediziner der Universität Groningen haben in Zusammenarbeit mit dem »Top Institute Food and Nutrition« nun erstmals einen Zusammenhang zwischen höherem Salzkonsum, Überlastung des Herzens und erhöhtem Herzinfarktrisiko dokumentiert. Die Studienergebnisse basieren auf der Langzeitstudie PREVEND der Universität Groningen und wurden im Fachjournal »Circulation« veröffentlicht.

75 Prozent Salz aus Fertigprodukten

»Diese Studie ist wieder ein Puzzlestückchen, das beweist, dass zu viel Salz schlecht ist für die Gesundheit«, sagt Michel Joosten von der Universität Groningen. »Wenn wir weniger Salz verwenden, können wir vielleicht das Gesundheitsrisiko senken, vor allem bei der Gruppe Personen, die das höchste Risiko haben.« Laut Joosten ist die Studie ein weiteres Plädoyer für weniger Salz in Lebensmitteln. »Im Durchschnitt nehmen wir 75 Prozent der Tagesration Salz aus Nahrungsmitteln und Getränken, die wir kaufen. Jedes Gramm Salz, das wir täglich mehr aufnehmen als gut für uns ist, bedeutet eine Steigerung des Gesundheitsrisikos.«

Höhere Belastung des Herzens messbar

»Wir haben in unserer Studie nach unmittelbaren Effekten auf das Herz gesucht. Wenn der Blutdruck oder das Blutvolumen steigt, führt das zu einer höheren Belastung des Herzens. Die Herzmuskelzellen produzieren dann Stoffe, die das Gleichgewicht wieder herstellen. Einer dieser Stoffe wurde im Blut gemessen und schien den Zusammenhang anzudeuten zwischen Salzkonsum und Risiko für einen Herzinfarkt.« Die Wissenschaftler stellten fest, dass bei einer leicht bis stark erhöhten Konzentration an NT-proBNP im Blut, deutlich ein Zusammenhang zwischen Salzkonsum und Herzinfarktrisiko bestand. Der Marker NT-proBNP gilt als guter Vorhersagefaktor für eine Herzschwäche.

24-Stunden-Urin optimal für die Auswertung

Bis jetzt war die Verbindung zwischen Salzaufnahme und Herzinfarktrisiko nicht so eindeutig. Dass dies nun doch dokumentiert werden konnte, kam durch die Anwendung des »Goldstandards für die Salzaufnahme«. »Dabei messen wir die Menge Salz im 24-Stunden-Urin. Anhand der langfristigen Bevölkerungsstudien PREVEND und LifeLines bitten wir die Teilnehmer, 24 Stunden Urin zu sammeln sowie Ernährungsfragebögen auszufüllen. Fast alle vorherigen epidemiologischen Studien mussten Daten benutzen von Fragebögen und kleineren Urinproben, die eigentlich ungeeignet sind für eine genaue Messung der Salzaufnahme.«

PREVEND-Studie

PREVEND ist eine Langzeitstudie zur Vorhersage von Nieren-, Herz- und Gefäßerkrankungen. Die Studie untersucht eine große Gruppe von mehr als 8.500 Teilnehmern über inzwischen mehr als 15 Jahre. Für die PREVEND-Studie haben alle Teilnehmer mehrere Male für zwei Tage ihren gesamten Urin gesammelt. Es zeigte sich, dass sie eine ziemlich konstante Menge Salz im Urin haben. Das gibt Hinweise auf den Salzkonsum und den Lebensstil der PREVEND-Teilnehmer.


Quelle: Michel M. Joosten; Ron T. Gansevoort; Kenneth J. Mukamal; Hiddo J. Lambers Heerspink; Johanna M. Geleijnse; Edith J. M. Feskens; Gerjan Navis; Stephan J. L. Bakker; for the PREVEND Study Group: Sodium Excretion and Risk of Developing Coronary Heart Disease. Circulation. 2014;CIRCULATIONAHA.113.004290 published online before print January 14 2014, doi:10.1161/CIRCULATIONAHA.113.004290

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