Mittwoch, 4. März 2015


Aspirin zur Blutverdünnung abends einnehmen
(Foto: Bayer HealthCare Deutschland (Aspirin®))
Acetylsalicylsäure, besser bekannt als Aspirin, kann zur Blutverdünnung am besten abends eingenommen werden.


Wer täglich niedrig dosiertes Aspirin einnimmt, um Herz- und Gefäßkrankheiten vorzubeugen, sollte das am besten abends tun. Aspirin hat dann eine bessere Wirkung, ohne dass mehr Nebenwirkungen auftreten. Das ist die wichtigste Schlussfolgerung aus der Doktorarbeit von Tobias Bonten an der Universität Leiden. Er promovierte mit seiner Dissertation »Time for Aspirin« am 13.11.2014.

Millionen von Aspirin-Tabletten werden täglich eingenommen, nicht um Schmerzen zu bekämpfen, sondern um Herz- und Gefäßkrankheiten fernzuhalten. Bekannt ist, dass die meisten Herzinfarkte morgens auftreten. »Wir dachten deshalb, dass Aspirin vielleicht besser wirkt, wenn man es abends einnimmt«, erzählt Tobias Bonten.

Risiko für Blutgerinnsel kleiner
Tobias Bonten überprüfte die Hypothese, in dem er 300 Patienten, die täglich Aspirin schluckten, in zwei Gruppen einteilte. Die erste Gruppe nahm das Aspirin morgens, die zweite Gruppe abends. Später wurde die Einnahme bei den Gruppen vertauscht. Bonten: »Wir stellten fest, dass bei einer abendlichen Einnahme von Aspirin, das Blut morgens dünner ist. Die Blutplättchen sind dann weniger aktiv und das Risiko für Blutgerinnsel ist geringer.«
Bei Menschen mit einem durchschnittlichen Tag-Nacht-Rhythmus werden die Blutplättchen sehr früh morgens - noch während des Schlafens - schon aktiv. Wenn man dann zum Frühstück um 9 Uhr ein Aspirin einnimmt, ist es eigentlich bereits zu spät, um den täglichen Aktivitätshöhepunkt der Blutplättchen - und somit das Risiko für Blutgerinnsel - zu senken.

Weniger Herzinfarkte?
Etwa 70 Prozent der täglichen Aspirin-Anwender schluckt die Tablette momentan morgens. Das sollten sie besser abends vor dem Schlafengehen tun. »Manche Menschen denken, dass die abendliche Einnahme von Aspirin bei einem leeren Magen nicht gut tut, doch wir konnten keinen Unterschied hinsichtlich der Nebenwirkungen zwischen den Test-Gruppen feststellen. Meine Oma benutzt auch täglich Aspirin und nimmt die Tablette nun auf meinen Rat hin, abends ein.« Bonten betont allerdings, dass er nur die Aktivität der Blutplättchen untersucht hat. »Ob die abendliche Einnahme von Aspirin tatsächlich die Anzahl von Herzinfarkten reduziert, habe ich nicht untersucht. Das ist der nächste Schritt.«

Wirkung auf den Blutdruck
Tobias Bonten untersuchte auch, ob der Zeitpunkt der Aspirin-Einnahme den Blutdruck beeinflusst. »Man weiß, dass der Blutdruck bei gesunden jungen Menschen sinkt, wenn sie abends statt morgens Aspirin einnehmen. Leider scheint das bei Patienten mit vorgeschädigtem Gefäßsystem nicht der Fall zu sein. Aspirin ist möglicherweise imstande den Blutdruck zu senken, in dem es die Gefäße erweitert. Aber bei Menschen, die bereits an Herz- und Gefäßerkrankungen leiden, sind die Blutgefäße häufig verkalkt und dadurch wahrscheinlich nicht mehr flexibel genug, um auf den Blutdruck senkenden Effekt des Aspirins zu reagieren.«

Bonten präsentierte einen Teil seiner Forschungen schon im vergangenen Jahr auf einem Kongress der »American Heart Association« und war kurzzeitig weltweit in den Nachrichten. »Die Nachricht über den Einnahmezeitpunkt von Aspirin wurde von der amerikanischen Presse aufgegriffen und anschließend durch viele andere Medien. »Ich habe sogar der BBC und der New York Times ein Interview gegeben«, berichtet Tobias Bonten, der gerade in der Ausbildung zum Hausarzt steckt.

Aspirin hat Vor- und Nachteile
Täglich Aspirin zu schlucken, ist nicht generell zu empfehlen, denn der Wirkstoff Acetylsalicylsäure hat auch Nebenwirkungen. Nur bei Menschen, die bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatten, überwiegen deutlich die Vorteile der Aspirin-Therapie. Die wichtigsten Nebenwirkungen von Aspirin sind Magenreizungen und (Gehirn-)Blutungen. Nehmen Sie deshalb Aspirin nicht über längere Zeit ohne ärztlichen Rat ein.

Quelle: Bonten, T.N.: Time for Aspirin: blood pressure and reactivity. 2014, Doctoral thesis, Leiden University, ISBN: 9789461694775, Handle: http://hdl.handle.net/1887/29692

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