Sonntag, 15. Dezember 2013


Kakao unterstützt körpereigene Entzündungshemmer
(Foto: jhusemannde / pixabay.com)

Kakao kann die Wirkung des körpereigenen Entzündungshemmers Cortisol wiederherstellen. Cortisol wirkt bei vielen chronischen Entzündungen nicht mehr richtig.


Kakao trinken wir meist nur ab und zu und Kakao ist daher in unseren Breitengraden auch eher ein Genuss- als ein Lebensmittel. Bei dem in Panama lebenden Volksstamm Kuna sind fast sechs Tassen Kakao an der Tagesordnung. 40 Tassen wöchentlich kommen bei ihnen mit Leichtigkeit zusammen. Und der Kakao scheint bei den Kuna unsere typischen Zivilisationskrankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes und Krebs zu verhindern. Nur zehn Prozent der Bevölkerung bekommen solche Gesundheitsstörungen. Auch Alterserkrankungen wie Demenz kommen nur selten vor, obwohl viele von ihnen ein sehr hohes Alter erreichen.

Kakao lässt Cortisol wieder besser wirken

Der Stoff Epicatechin, der in größeren Mengen in Kakao vorkommt, kann die natürliche Wirkung des körpereigenen Entzündungshemmers Cortisol wiederherstellen. Das fand Erik Ruijters vom medizinischen Zentrum der Universität Maastricht heraus. Bei vielen chronisch-entzündlichen Erkrankungen ist die Funktion des Cortisols beeinträchtigt. Die Kakaokomponente könnte darüber hinaus eine positive Wirkung auf die Gabe von Medikamenten haben, die beispielsweise bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung COPD (engl. Chronic Obstructive Pulmonary Disease) gegeben werden. Diese Gruppe von Krankheiten ist durch chronisch entzündete Atemwege mit zunehmender Schädigung des Lungengewebes gekennzeichnet.

Cortisol-Spiegel sinkt durch viele freie Radikale

Unser Körper kann sich auf natürliche Weise selbst gegen Entzündungen schützen: durch körpereigene Entzündungshemmer (Glukokortikoide) wie Cortisol. Cortisol - ein Hormon der Nebennierenrinde - ist als Anti-Stress-Hormon bekannt. Cortisol reguliert die Immunabwehr, regelt zusammen mit dem Bauchspeicheldrüsen-Hormon Insulin den Blutzucker, ist an der Kontraktion unserer Blutgefäße beteiligt und lässt dadurch den Blutdruck steigen.

Unter anderem bei COPD, rheumatoider Arthritis und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen ist die Wirkung des Cortisols stark reduziert. Die Forschungen haben ergeben, dass die Abnahme des Cortisolspiegels durch die Anhäufung von schädlichen Sauerstoffmolekülen - freien Radikalen - entsteht. Kakao ist reich an sogenannten Flavonoiden, die als Antioxidantien bekannt sind und die schädliche Wirkung der freien Radikalen begrenzen. Epicatechin im Kakao - auch ein Flavonoid - scheint dazu auch in der Lage zu sein. Ruijters zeigt mit seinen Forschungen zum ersten Mal, wie ein Flavonoid auf diese Weise die natürliche Funktion von Cortisol wiederherstellen kann und daher entzündungshemmend wirkt.

Epicatechin senkt freie Radikale auf Normalwerte

Ruijters beobachtete in den Zellen des Immunsystems, dass Epicatechin wie ein Antioxidans wirkt. Das bedeutet, dass die Kakaokomponente die Menge schädlicher freier Radikaler verringert. Die Menge an freien Radikalen sinkt sogar auf normale Werte ab. Als Folge davon schien in denselben Zellen auch die Wirkung des Entzündungshemmers Cortisol wiederhergestellt zu werden. Auch das Cortisol kehrte zu normalen Werten, wie man sie in gesunden Zellen findet, zurück und Entzündungen werden gebremst. Die Erkenntnis, dass Epicatechin die Wirkung von Cortisol wieder herstellen kann, hat eventuell auch positive Auswirkungen für Medikamente auf der Basis von Glukokortikoiden.

Medikamente plus Flavonoide wirkungsvoller

Viele Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen bekommen oft Medikamente mit dem Wirkstoff Cortisol, sogenannte Corticosteroide. Allerdings erweisen sie sich in der Praxis nicht immer als genauso wirkungsvoll. Laut Ruijter könnte das Epicatechin hier eine Lösung sein: »In der Theorie kann ein auf Epicatechin basierendes Mittel - und andere Flavonoide - die Wirkung von Arzneimitteln reparieren. Es ist zukünftig also nicht undenkbar, dass beides gleichzeitig verordnet wird. Es ist sogar möglich, dass alleine die Verabreichung von Flavonoiden ausreicht, um eine Entzündungsreaktion zu hemmen.« Die Studie wurde in der wissenschaftlichen Zeitschrift »Pharmacological Research« veröffentlicht.

Quelle: Erik J.B. Ruijters, Guido R.M.M. Haenen, Antje R. Weseler, Aalt Bast: The cocoa flavanol (−)-epicatechin protects the cortisol response, Pharmacological Research, Volume 79, January 2014, Pages 28-33, ISSN 1043-6618, DOI: 10.1016/j.phrs.2013.11.004

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