Montag, 14. April 2014


Aspirin lässt Darmkrebspatienten länger leben
(Foto: Bayer HealthCare Deutschland (Aspirin®))

Patienten, die an fortgeschrittenem Darmkrebs leiden, können von einer täglichen Dosis Aspirin profitieren. Eine neue Studie zeigt, wie der positive Effekt entsteht.


Forscher der niederländischen Universität Leiden untersuchten zwischen 2002 und 2008 beinahe 1.000 Menschen, die wegen eines fortgeschrittenen Darmkrebses ohne Metastasen operiert wurden. Fast jeder fünfte Patient schluckte wegen zusätzlicher Herzerkrankungen täglich eine niedrige Dosis Aspirin. Diese Patienten hatten ein nur halb so großes Risiko innerhalb von vier bis zehn Jahren nach der Operation zu sterben im Vergleich zu den Patienten, die kein Aspirin einnahmen.

Doppelblind-Studie steht noch aus

»Was wir festgestellten haben, ist allerdings lediglich eine Verbindung, aber noch kein Beweis«, warnt einer der Forscher, Dr. Gerrit-Jan Liefers. »Es ist möglich, dass die Patienten, die Aspirin anwenden, sich auch in anderen Punkten von den Nicht-Anwendern unterscheiden und der Effekt also nicht durch das Aspirin zustande kommt. Darum werden wir nun zur Kontrolle eine Doppelblind-Studie durchführen.«

Aspirin wirkt auf Blutplättchen

Doch auch wenn die positive Wirkung von Aspirin auf Darmkrebs noch immer nicht unumstößlich bewiesen ist, häufen sich doch die Hinweise. »Dass Aspirin die Sterblichkeit bei operierten Darmkrebspatienten senkt, haben wir schon 2012 im British Journal of Cancer veröffentlicht«, so Liefers. »Neu ist jetzt, dass wir im JAMA internal Medicine einen möglichen Mechanismus beschreiben.«

Die Forscher nehmen an, dass Aspirin auf die Blutplättchen (Thrombozyten) wirkt. Metastasen haben so weniger Chancen. »Wir denken, dass normalerweise Tumorzellen, die ins Blut gelangen, von den Blutplättchen umringt und so gegen körpereigene Angriffe des Immunsystems geschützt werden. Aspirin verhindert diesen Mechanismus.«

Weniger Risiko auf Metastasen

Der Kontakt mit Blutplättchen soll entwischte Tumorzellen darüber hinaus aggressiver machen. Dadurch könnten die Tumorzellen eine größere Chance haben, sich irgendwo im Körper anzusiedeln und zu einem Tumor heranzuwachsen. Auch dieser Prozess wird durch das Aspirin durchkreuzt.

»Wir denken, dass Patienten, die Aspirin schlucken, dank dieser Wirkungen ein geringeres Risiko für Metastasen haben«, meint Liefers. Von den erfolgreich operierten Patienten mit Darmkrebs in Stadium II oder III sterben ungefähr die Hälfte später an Metastasen. Auch Patienten mit anderen Krebsarten sind möglicherweise durch denselben Effekt des Aspirins geschützt vor Metastasierung.

Unempfindlich für Aspirin

Die Wissenschaftler konnten allerdings beobachten, dass Aspirin nur schützt, wenn der Tumor bestimmte Merkmale aufweist. Tumoren, die nicht mehr über Merkmale der HLA-Klasse-I-Moleküle verfügen, sind unempfindlich gegenüber der Wirkung von Aspirin. »Das ist bei ungefähr einem Drittel der Patienten der Fall. Bei den übrigen zwei Dritteln der Tumore zeigt Aspirin sehr wohl eine Wirkung. Aber auch diese Tumoren können sich mit der Zeit verändern und unempfindlich werden. Im klinischen Versuch wollen wir diese Patienten nun weiter untersuchen, um zu sehen, wie lange die Wirkung von Aspirin anhält.«

Aspirin nur in Absprache mit dem Arzt

Die Wissenschaftler raten Patienten dazu, nicht selbst mit einer Aspirin-Therapie zu beginnen, sondern dies immer zuerst mit einem Arzt zu besprechen. Die tägliche Einnahme von Aspirin hat auch Nachteile wie ein erhöhtes Risiko auf Gehirnblutungen oder eine Makuladegeneration, bei der ein Teil der Netzhaut im Auge geschädigt wird.

Quelle: Reimers MS, Bastiaannet E, Langley RE, et al.: Expression of HLA Class I Antigen, Aspirin Use, and Survival After a Diagnosis of Colon Cancer. JAMA Intern Med. 2014;():. doi:10.1001/jamainternmed.2014.511

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