Samstag, 17. Februar 2018


Frauen nehmen während der Wechseljahre häufig an Gewicht zu. Welche Ursachen das hat und was man vorbeugend tun kann, lesen Sie nachfolgend.

Gewichtszunahme rund um die Menopause kommt häufig vor. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle, unter anderem Hormone, Älterwerden, Lebensweise und genetische Veranlagung. Die Art und Weise wie die Menopause erlebt wird, ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Dieser Artikel verdeutlicht, warum manche Frauen während der Wechseljahre an Gewicht zunehmen.
Der weibliche Lebenszyklus
Es gibt – abgesehen von der Pubertät – vier Phasen hormoneller Veränderungen, die im Leben einer Frau auftreten. Dazu gehören die Prämenopause, die Perimenopause, die Menopause und die Postmenopause.

PrämenopauseDas ist die Bezeichnung für den Zeitraum zwischen dem 40. Lebensjahr und dem Beginn der Perimenopause. Die Eierstöcke arbeiten langsamer und es kann zu Zyklusstörungen kommen wie unregelmäßige, starke oder lang anhaltende Blutungen. Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen und Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen sind häufig zu beobachten.

Perimenopause
Das bedeutet wörtlich „rundum die Menopause“. In dieser Phase schwankt der Östrogenspiegel und sinkt der Progesteronspiegel. Die Perimenopause beginnt durchschnittlich mit 47, dauert ungefähr vier Jahre und endet zwölf Monate nach der Menopause.

Symptome der Perimenopause sind unter anderem:

  • Hitzewallungen
  • Schlafstörungen
  • Veränderungen im Menstruationszyklus
  • Stimmungsschwankungen, Depressionen, Angst und Reizbarkeit
  • Erschöpfungszustände
  • Gelenkschmerzen
Menopause
Die Menopause ist offiziell der Zeitpunkt, an dem die Menstruation zwölf Monate lang ausgeblieben ist. Die Menopause tritt durchschnittlich im Alter von 51 Jahren auf (1). Bis zu diesem Moment ist eine Frau perimenopausal. Viele Frauen haben die schlimmsten Beschwerden während der Perimenopause, während andere feststellen, dass die Symptome in den ersten ein oder zwei Jahren nach der Menopause am heftigsten sind.

Postmenopause
Diese Phase beginnt direkt, nach dem eine Frau zwölf Monate keine Menstruation mehr hatte. Die hormonellen und körperlichen Veränderungen setzen sich auch nach der Menopause fort. Zusätzlich zu den Symptomen aus der Perimenopause können Beschwerden wie Austrocknung von Haut und Schleimhäuten, Harninkontinenz und Osteoporose auftreten.
Wie die hormonellen Veränderungen den Stoffwechsel beeinflussen
Während der Perimenopause sinkt der Progesteronspiegel langsam ab, während der Östrogenspiegel sehr stark von Tag zu Tag oder sogar innerhalb eines Tages schwankt. Zu Beginn der Perimenopause produzieren die Eierstöcke extrem große Mengen Östrogen. Ursache sind die gestörten Signale zwischen Eierstöcken, Hypothalamus und der Hirnanhangdrüse Hypophyse (2). Später in der Perimenopause, wenn der Menstruationszyklus unregelmäßiger wird, produzieren die Eierstöcke sehr wenig Östrogen. Während der Menopause nimmt das noch weiter ab. Stattdessen werden Östrogene hergestellt aus Androgenen wie Testosteron. Das findet in anderen Geweben wie Brust oder Gehirn statt. Die Menge an Östrogen im Blut ist tatsächlich sehr niedrig (3).
Manche Studien geben an, dass hohe Östrogenspiegel die Fettspeicherung fördern. Grund dafür ist, dass hohe Östrogenspiegel im Zusammenhang stehen mit Gewichtszunahme und mehr Körperfett während der fruchtbaren Jahre (4, 5). Von der Pubertät bis zur Perimenopause speichern Frauen Fett vor allem an Hüfte und Oberschenkeln. Und obwohl es schwierig sein kann, es dort loszuwerden, erhöht diese Art von Fett nicht das Risiko für Krankheiten. Nach der Menopause dagegen, sorgt der niedrige Östrogenspiegel dafür, dass Fett mehr am Bauch gespeichert wird, also im Bauchraum und rundum die Organe. Dieses Bauchfett kann allerdings durchaus für Gesundheitsprobleme wie Insulinresistenz, Typ-2-Diabetes und Herz- und Gefäßkrankheiten sorgen (6).
Gewichtsveränderungen während der Perimenopause
Nach Schätzungen nehmen Frauen durchschnittlich ein bis zwei Kilogramm während der Perimenopause zu (7). Manche Frauen nehmen aber auch deutlich mehr zu. Leider betrifft das häufig Frauen, die schon Übergewicht haben. Die Zunahme des Körpergewichts tritt jedoch auch als Folge des Älterwerdens auf, ganz abgesehen von den hormonellen Veränderungen. Als in einer Studie die Veränderungen bei Körpergewicht und Hormonen bei Frauen zwischen 42 und 50 Jahren drei Jahre lang untersucht wurden, gab es keinen Unterschied bei der durchschnittlichen Gewichtszunahme zwischen Frauen, die noch einen normalen Zyklus hatten und Frauen, die bereits die Menopause erreicht hatten (8). Eine große Bevölkerungsstudie in Amerika untersuchte Frauen mittleren Alters während der Perimenopause und stellte fest, dass die Frauen im Beobachtungszeitraum mehr Bauchfett speicherten und Muskelmasse verloren (9).
Ein weiterer Faktor, der eine Gewichtszunahme in der Perimenopause fördert, könnte der gesteigerte Appetit sein und eine höhere Kalorienaufnahme als Reaktion auf hormonelle Veränderungen. Aus einer anderen Studie ging hervor, dass der Spiegel der Hungerhormons Ghrelin bei perimenopausalen Frauen erheblich höher war als bei postmenopausalen Frauen (10). Auch die Funktion von Leptin und Neuropeptid Y (NPY) – Hormone, die Sättigung und Appetit regeln – kann durch den niedrigen Östrogenspiegel in den späten Phasen der Wechseljahre gestört werden (11, 12). Das kann dazu führen, dass Frauen mit einem niedrigen Östrogenspiegel in den späteren Phasen der Perimenopause dazu veranlasst werden, mehr zu essen und Fett zu speichern. Die Auswirkungen, die Progesteron während der Wechseljahre auf das Gewicht hat, wurden bis jetzt nicht sehr ausführlich untersucht. Einige Wissenschaftler glauben aber, dass das Risiko für Übergewicht durch die Kombination eines niedrigen Östrogen- und Progesteronspiegels noch erhöht werden kann (11).
Gewichtsveränderungen während und nach der Menopause
Die hormonellen Veränderungen und die Gewichtszunahme können sich fortsetzen, bis das Ende der Perimenopause erreicht wird und die Menopause beginnt. Einer der Vorhersagefaktoren einer Gewichtszunahme kann das Alter sein, in dem die Menopause eintritt. Bei einer Studie mit mehr als 1.900 Frauen hatten diejenigen, die vor dem 51. Lebensjahr die Menopause erreichten, weniger Körperfett aufgebaut (13). Darüber hinaus gibt es noch verschiedene andere Faktoren, die zu einer Gewichtszunahme nach der Menopause beitragen können. Postmenopausale Frauen sind im Allgemeinen weniger aktiv als in jüngeren Jahren, was zu einem geringeren Energieverbrauch und einem Verlust an Muskelmasse führt (14, 15). Menopausale Frauen haben auch häufiger nüchtern einen hohen Insulinspiegel und eine Insulinresistenz, was für eine Gewichtszunahme und ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten sorgt (11, 16).
Obwohl kontrovers diskutiert, hat sich eine Hormontherapie als effektiv erwiesen, wenn es um die Reduzierung des Bauchfettes und eine Verbesserung der Insulinempfindlichkeit während der Wechseljahre und nach der Menopause geht (17). Denken Sie aber daran, dass die Durchschnittswerte, die in den Studien festgestellt wurden, nicht für alle Frauen gelten. Es ist individuell unterschiedlich.
Wie beugt man einer Gewichtszunahme rundum die Menopause vor?
Hier einige Tipps, die einer Gewichtszunahme rundum den Zeitpunkt der Menopause vorbeugen:
  • Senken Sie die Kohlenhydratzufuhr: Essen Sie weniger Kohlenhydrate, um eine Zunahme des Bauchfettes zu vermeiden; gerade dieses Fett verursacht Stoffwechselprobleme (18, 19).
  • Fügen Sie Ballaststoffe hinzu: Essen Sie ballaststoffreiche Nahrungsmittel wie Leinsamen; das kann für eine bessere Insulinempfindlichkeit sorgen (20).
  • Krafttraining: Machen Sie Kraftsport für einen strafferen Körper, mehr Kraft und für den Erhalt und Aufbau der Muskulatur (21, 22).
  • Ruhe und Entspannung: Versuchen Sie, vor dem Zubettgehen sich zu entspannen, und sorgen Sie für ausreichend Schlaf, so dass sich Hormone und Esslust besser kontrollieren lassen (23).

Wenn Sie diese Tipps befolgen, ist es sogar möglich, während dieser Phase abzunehmen.
Das Fazit
Wechseljahre und Menopause stellen eine große Herausforderung dar, sowohl körperlich als auch emotional. Aber wenn Sie für eine nährstoffreiche Ernährung, ausreichend Bewegung, aber auch Ruhe sorgen, kann das einer Gewichtszunahme vorbeugen und das Risiko für Krankheiten senken. Und so schwierig es vielleicht auch ist: Versuchen Sie, die körperlichen Veränderungen, die nun einmal unvermeidlich mit dem Alter auftreten, zu akzeptieren.

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