Sonntag, 8. April 2018


Sucralose und andere künstliche Süßstoffe sind nicht immer eine gesündere Alternative zu Zucker. Sucralose ist nicht nur schlecht für den Darm, sondern soll auch Krebs fördern.
Wenn Sie den künstlichen Süßstoff Sucralose (E955) in ihrer Ernährung verwenden, gehen Sie davon aus, dass das eine gesunde Alternative für Zucker darstellt. Doch das hat sich leider als Trugschluss herausgestellt. Forschungen des Ramazzini Instituts in Bologna haben eine Verbindung gefunden zwischen der beliebten Zuckeralternative und Krebs, genauer gesagt Leukämie.
Die Ergebnisse wurden erstmalig präsentiert bei einer Konferenz über Krebs 2012 in London und regten das Center for Science in the Public Interest (CSPI) dazu an, Sucralose von der Kategorie "sicher" in die Kategorie „vorsichtig" umzustufen“. Nun, da die Studie in einem Fachmagazin mit wissenschaftlicher Begutachtung veröffentlicht wurde, hat das CSPI Sucralose weiter herabgestuft von "vorsichtig" auf "vermeiden".
Sucralose wird in 4.500 Produkten verwendet
Wenn Sie sich die Warnung zu Herzen nehmen wollen und Sucralose aus der Ernährung verbannen möchten, sollten Sie sich allerdings bewusst sein, dass das Süßungsmittel in mehr als 4.500 Produkten verarbeitet wird. Sucralose ist klug im Markt platziert und vor allem bekannt durch den Slogan "hergestellt aus Zucker, schmeckt wie Zucker". Sucralose hat den Ruf erworben, auf die eine oder andere Weise sicherer zu sein als andere künstliche Süßungsmittel. Aus diesem Grund hat PepsiCo 2015 in ihrer Diät-Pepsi Aspartam durch Sucralose ersetzt.
In Amerika ist Sucralose in kürzester Zeit zu einem der meist verkauften Süßstoffe avanciert. Zwischen 2000 und 2004 schoß der Prozentsatz an Haushalten, die Produkte mit Sucralose verwendeten, von drei auf zwanzig Prozent hoch. 2012 erzielte der Verkauf von Sucralose 288 Millionen Dollar. Aber lassen Sie sich nicht täuschen. Sucralose ist weit entfernt von "natürlich", obwohl es technisch gesehen mit einem Zuckermolekül beginnt. In dem patentierten fünfstufigen Herstellungsprozess von Sucralose werden drei Chlor-Moleküle einem Sucrose- oder Zuckermolekül beigefügt.
Ein Sucrosemolekül ist ein Disaccharid oder Zweifachzucker, das zwei einzelne, verbundene Zuckerarten enthält: Glukose und Fruktose. Der chemische Prozess zur Herstellung von Sucralose verändert die chemische Zusammensetzung von Zucker so sehr, dass es auf die eine oder andere Weise in ein Fruktose-Galaktose-Molekül umgewandelt wird. Diese Art von Zuckermolekül kommt in der Natur nicht vor und darum kann der Körper es nicht richtig verarbeiten. Wegen dieser einzigartigen chemischen Zusammensetzung behaupten die Produzenten, dass Sucralose vom Körper nicht verdaut oder verarbeitet wird, und deshalb keine Kalorien liefert. Sucralose soll unverändert den Körper passieren. Tatsächlich haben Forschungen gezeigt, dass 15 Prozent der aufgenommenen Sucralose doch im Verdauungstrakt absorbiert und schließlich im Körper gespeichert wird.
In welchen Produkten findet man Sucralose?
Das künstliche Süßungsmittel wird in sehr vielen Produkten verarbeitet: Getränke, Süßwaren, Desserts, Marmeladen, Konserven mit süßsauer eingelegtem Obst und Gemüse, Soßen, Senf, Knabberzeug und alkoholische Getränken.
Sucralose kann die Darmbakterien schädigen
Wenn das Krebsrisiko nicht ausreichen sollte, um Sie auf Sucralose verzichten zu lassen, sollten Sie sich aber bewusst darüber sein, dass Sucralose Ihre Darmflora nachhaltig schädigen kann, was zahllose negative Folgen für die Gesundheit mit sich bringt.
Eine Tierstudie im Fachjournal "Journal of Toxicology and Environmental Health" kam zu dem Schluss, dass Sucralose die Anzahl der nützlichen Bakterien im Darm von Ratten um 50 Prozent senkte, während der pH-Wert zunahm. Der pH-Wert gibt Hinweise darauf, ob der Körper übersäuert ist. Krebs entsteht beispielsweise immer in einer sauren Umgebung.
Sucralose erhöht den Insulinspiegel
Forschungen zeigen, dass Sucralose die Insulin-Reaktion beeinflusst. Als Teilnehmer dieser Studie ein mit Sucralose gesüßtes Getränk bekamen, stieg ihr Insulinspiegel 20 Prozent stärker als beim Trinken von Wasser alleine. Der Blutzuckerspiegel erreichte ebenfalls höhere Spitzenwerte. "Der künstliche Süßstoff stand also in Verbindung mit einer stärkeren Insulin- und Glukosereaktion", merkten die Wissenschaftler an und fügten weiter hinzu: "Obwohl wir herausfanden, dass Sucralose Einfluss auf die Glukose- und Insulinantwort nach der Aufnahme von Glukose hat, kennen wir nicht den Mechanismus, der dafür verantwortlich ist. Wir haben in jedem Fall gezeigt, dass Sucralose eine Wirkung hat. Bei fettleibigen Menschen ohne Diabetes haben wir gezeigt, dass Sucralose mehr ist als nur etwas Süßes, das man in den Mund steckt ohne weitere Auswirkungen. Was das alles für den Alltag bedeutet, ist noch unbekannt, aber unsere Forschungsergebnisse bestätigen die Notwendigkeit von mehr Forschung. Ob diese akuten Auswirkungen von Sucralose die Art und Weise beeinflussen werden, wie unser Körper Zucker verarbeitet, ist etwas, das wir unbedingt wissen müssen."
Künstliche Süßstoffe verwirren den Stoffwechsel
Wenn man etwas Süßes isst, wird im Gehirn Dopamin freigesetzt und das Belohnungszentrum aktiviert. Das Hormon Leptin, das den Appetit reguliert, wird ebenfalls ausgeschüttet und Leptin informiert schließlich das Gehirn, dass man satt ist, wenn man eine bestimmte Menge an Kalorien aufgenommen hat. Wenn man aber etwas isst, dass süß schmeckt, aber keine Kalorien enthält - wie künstliche Süßungsmittel - wird durch den süßen Geschmack trotzdem das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert. Aber es gibt nichts, um das aufzuhalten, weil die Kalorien nie ankommen. Künstliche Süßungsmittel lassen eigentlich den Körper zu Unrecht glauben, dass er Zucker (Kalorien) bekommt, aber wenn der Zucker nicht kommt, gibt der Körper ständig weiter das Signal, dass er mehr braucht. Das resultiert schließlich in einem unwiderstehlichen Drang nach Kohlenhydraten.

Entgegen den Behauptungen der Industrie haben Forschungen in den vergangenen dreißig Jahren gezeigt, dass künstliche Süßstoffe den Appetit anregen, das Verlangen nach Kohlenhydraten steigern und verschiedene Stoffwechselstörungen verursachen, die Fettspeicherung und Gewichtszunahme fördern - oft zum großen Erstaunen der Wissenschaftler. Als Beispiel wurde 2010 eine Übersichtsstudie im Fachmagazin "Yale Journal of Biology and Medicine" veröffentlicht, in der der Zusammenhang zwischen dem gestiegenen Konsum von Süßstoffen in Nahrung und Getränken und einer entsprechenden Zunahme von Übergewicht verdeutlicht wurde. Mehr als 11.650 Kinder im Alter von 9 bis 14 Jahren waren Teil dieser Studie. Jede tägliche Portion Diätgetränk war mit einer Erhöhung des Body-Mass-Indexes (BMI) von 0,16 Kg/m² verbunden.
Gibt es sichere Süßstoffe?
Empfehlenswert ist es, jede Art von künstlichen Süßstoffen zu meiden, weil jeder Süßstoff ein eigenes Risiko besitzt. Aspartam (E951) ist vielleicht sogar der Gefährlichste von allen. Zumindest ist er einer der am meisten verwendeten Süßstoffe und lieferte die meisten Berichte über ungünstige Auswirkungen. Es gibt hunderte wissenschaftlicher Studien, die die schädlichen Effekte darlegen.
Zuckeralkohole sind eine andere Möglichkeit auf dem Markt. Sie können dadurch identifiziert werden, dass ihr Name immer mit "ol" endet, wie Xylit(ol), Sorbit(ol), Maltit(ol), Mannit(ol), Glycerol und Lactit(ol). Sie sind nicht genauso süß wie Zucker und enthalten weniger Kalorien, aber sie sind nicht kalorienfrei. Lassen Sie sich deshalb nicht verwirren durch das Etikett "zuckerfrei" auf Nahrungsmitteln, die diese Süßstoffe enthalten.
Ein Grund, warum Zuckeralkohole weniger Kalorien enthalten als Zucker ist, dass sie nicht vollständig vom Körper aufgenommen werden. Deshalb kann das Essen von Nahrungsmitteln mit Zuckeralkoholen zu Blähungen und Durchfall führen. Erwähnenswert ist auch, dass Malitol, ein allgemein verwendeter Zuckeralkohol, den Blutzuckerspiegel fast genauso stark ansteigen lässt wie eine stärkehaltige Kartoffel.
Xylitol (E967) hat im Vergleich keine starke Wirkung auf den Blutzuckerspiegel und kann unter diesem Gesichtspunkt eine Alternative sein. In Maßen verwendet können einige Zuckeralkohole die bessere Wahl sein als künstliche Süßstoffe wie Sucralose und Aspartam. Von den unterschiedlichen Zuckeralkoholen ist Xylitol einer der besten. In der reinen Form sind mögliche Nebenwirkungen minimal und es gibt sogar ein paar echte Vorteile wie die Bekämpfung von Karies. Alles in allem gilt Xylitol als einigermaßen sicher und ist ein potenziell bekömmlicher Süßstoff. Nebenbei bemerkt: Xylitol ist giftig für Hunde und einige andere Tiere, deshalb sollten Sie dafür sorgen, dass Haustiere damit nicht in Kontakt kommen.
Zwei der besten natürlichen Zuckerersatzstoffe stammen aus dem Pflanzenreich: Stevia und Luo Han Guo. Stevia, ein sehr süß schmeckendes Gewürz aus dem Blatt der südamerikanischen Steviapflanze wird als Zuckerersatz verkauft. Es gilt als vollkommen sicher in seiner natürlichen Form und kann für das Süßen von Getränken und Mahlzeiten verwendet werden.
Wie kommt man von den künstlichen Süßstoffen los?
Tipps, wie man das Verlangen nach Süßem bremsen kann:
  • Bewegung: Jeder der regelmäßig intensiv trainiert, weiß, dass ein ordentlicher Work-out die beste Medizin für den Heißhunger darstellt. Es ist immer wieder erstaunlich, wie der Appetit und der Hunger auf Süßes drastisch abnimmt nach einem intensiven Sporttraining.
  • Biologischer schwarzer Kaffee: Kaffee ist ein starker Opioid-Antagonist und enthält Stoffe wie Cafestol. Das ist im Überfluss zu finden im Kaffee, sowohl mit als ohne Koffein, und bindet sich an die Opioid-Rezeptoren. Es blockiert die Sucht nach anderer Nahrung, die Opioide freisetzt und kann das Suchtpotential anderer Substanzen wie Zucker stark verringern.
  • Ein saurer Geschmack wie von eingelegtem Gemüse hilft ebenfalls, das Verlangen nach Süßem zu senken. Das ist auf zwei Arten heilsam, weil fermentiertes Gemüse auch die Darmgesundheit fördert. Probieren Sie auch mal, Zitronen- oder Limonensaft Ihrem Mineralwasser beizumischen.


Quellen:
Eriksson Wiklund A-K, Adolfsson-Erici M, Liewenborg B, Gorokhova E. Sucralose Induces Biochemical Responses in Daphnia magna. Allodi S, ed. PLoS ONE. 2014;9(4):e92771. doi:10.1371/journal.pone.0092771.
Knut Erik Tollefsen, Luca Nizzetto, Duane B. Huggett. Presence, fate and effects of the intense sweetener sucralose in the aquatic environment. Sci Total Environ. 2012 Nov 1;438:510-6. doi: 10.1016/j.scitotenv.2012.08.060
Guzzo LSPerez ACRomero TRAzevedo AODuarte ID. Cafestol, a coffee-specific diterpene, induces peripheral antinociception mediated by endogenous opioid peptides. Clin Exp Pharmacol Physiol. 2012 May;39(5):412-6. doi: 10.1111/j.1440-1681.2012.05689.x

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