Montag, 1. Juni 2015


Heidelbeeren senken den Blutdruck
(Foto: Hans - pixabay.com)
Heidelbeeren oder Blaubeeren schmecken nicht nur köstlich, sondern senkten in einer achtwöchigen Studie auch den Blutdruck.


In Deutschland leidet fast jeder dritte Erwachsene an Bluthochdruck, medizinisch Hypertonie. Etwa 20 Millionen Bundesbürger zwischen 18 und 79 Jahren sind vom sogenannten »stillen Killer« betroffen, obwohl immer noch einer von fünf Betroffenen gar nichts von seiner Erkrankung weiß. Mehr als 140.000 Menschen sterben jährlich in Deutschland an den Folgen von zu hohem Blutdruck. Als normale Blutdruckwerte für gesunde Erwachsene gelten heute Werte von bis zu 140/90 mmHg und ab einem Alter von 80 Jahren sogar 150-160/90 mmHg. Dabei bezeichnet man den oberen Wert als systolischen Blutdruck, den unteren Wert als diastolischen Blutdruck.

Nach der Menopause leiden viele Frauen an Bluthochdruck
In einer Studie fanden Forscher der Florida State University heraus, dass der tägliche Verzehr von Heidelbeeren bereits nach acht Wochen den Blutdruck bedeutend senken kann. Obwohl die Häufigkeit eines Bluthochdrucks bei Männern und Frauen mit dem Alter in Verbindung steht, tritt ein überhöhter Blutdruck wesentlich häufiger bei Frauen nach der Menopause auf. In diesem Alter sind deutlich mehr Frauen als Männer von einem zu hohen systolischen Blutdruckwert betroffen. Experten vermuten, dass eine sich verschlechternde Funktion der Blutgefäße eine wichtige Rolle für den ansteigenden Blutdruck nach der Menopause spielt. Hinzu kommt, dass die Gefäße weniger elastisch werden, was zu hohem Blutdruck und Beeinträchtigung der Herzkranzarterien führen kann.

Erste Maßnahme: Ernährungsumstellung und Anpassung der Lebensweise
»Die empfohlen Maßnahmen zur Kontrolle eines leicht bis mäßig erhöhten Blutdrucks sind weniger medikamentös, sondern betreffen eher Änderungen der Lebensweise einschließlich der Ernährung. Es gibt ausreichend wissenschaftliche Beweise, die belegen, dass so in vielen Fällen ein Bluthochdruck verhindert oder behandelt werden kann«, kommentiert Studienleiterin Sarah A. Johnson von der Florida State University. »Angesichts der Häufigkeit von Bluthochdruck in den USA sind vorbeugende Strategien wie eine Ernährungsumstellung mit dem Ziel einen Bluthochdruck und daraus resultierende Komplikationen zu verbessern, durchaus gerechtfertigt.«

Eine Tasse frische Heidelbeeren täglich
48 Frauen nach der Menopause, die alle Einschlusskriterien erfüllten, nahmen an einer achtwöchigen Studie teil. Alle Frauen hatten einen leicht bis mäßig erhöhten Blutdruck. Die Forscher stellten während dieser Zeit fest, dass der tägliche Verzehr von 22 Gramm gefriergetrocknetem Heidelbeerpulver, entsprechend einer Tasse frischer Heidelbeeren, den Blutdruck und die Verhärtung der Arterien verbessern. Die Forscher glauben, dass eine vermehrte Freisetzung von Stickstoffmonoxid eine Erweiterung der Blutgefäße bewirkt. Zum Ende der Studie war der durchschnittliche systolische Blutdruckwert in der Heidelbeergruppe um 7 mmHg (5,1 Prozent) gesunken und der durchschnittliche diastolische Wert um 5 mmHg (6,3 Prozent). In einer Kontrollgruppe waren keine Blutdruckveränderungen festzustellen. Auch die gemessenen Stickstoffmonoxidwerte waren in der Heidelbeergruppe deutlich höher. Die Forscher dokumentierten hier einen Anstieg um 68,5 Prozent, aber keinerlei Änderungen in der Placebogruppe. Auch bei der Kontrolle der Elastizität der zentralen und peripheren Arterien zeigten sich in der Heidelbeergruppe nach acht Wochen deutlich bessere Werte. Die Steifheit in den Arterien hatte sich um 6,5 Prozent reduziert und die Elastizität der Gefäße damit deutlich verbessert.

Heidelbeeren beugen Bluthochdruck vor
»Nach unserem Wissen, ist dies die erste Studie, die die Wirkung von Heidelbeeren auf die Arterienfunktion bewertet, ebenso wie die untersuchte Bevölkerungsgruppe«, sagen die Mitautoren der Studie Bahram H. Arjmandi und Margaret A. Sitton, Experten für Ernährungswissenschaften und Sport. »Diese Studienergebnisse deuten an, dass Heidelbeeren der Entwicklung eines »ausgewachsenen« Bluthochdrucks vorbeugen können.« Bereits frühere Studien mit Heidelbeeren haben positive Wirkungen auf kardiovaskuläre Risikofaktoren wie den Blutdruck gezeigt. Diese Studien basierten allerdings auf Verzehrmengen von 50 Gramm bis 250 Gramm Heidelbeerpulver. Im Falle von 250 Gramm würde diese Menge mehr als 11 Tassen frischer Heidelbeeren entsprechen, was als regelmäßige Verzehrmenge nicht realistisch ist. Zukünftige Studien wollen andere Dosierungen, längere Studienzeiträume und andere Bevölkerungsgruppen untersuchen.

Heidelbeeren als funktionelles Lebensmittel
Unter allen Obstsorten sind Heidelbeeren eine der reichhaltigsten Quellen für sekundäre Pflanzenstoffe. Phenolverbindungen, einschließlich Flavonoide, Phenolsäuren und Stilbene, sind bekannt für ihre biologische Aktivität und starke antioxidative Eigenschaften. Heidelbeeren gehören im Hinblick auf die Gefäßgesundheit zu den vielversprechenden »functional Foods«, funktionelle Lebensmittel, die über den Nahrungsaspekt hinaus einen echten gesundheitlichen Vorteil bieten. »Die Veränderungen des Blutdrucks in dieser Studie sind von signifikanter klinischer Bedeutung, denn sie demonstrieren, dass der Blutdruck schon durch das Hinzufügen eines einzigen Lebensmittels positiv beeinflusst werden kann«, schlussfolgert Dr. Johnson. Sie interessiert sich besonders dafür, wie funktionelle Lebensmittel negative gesundheitliche Folgen verhindern oder umkehren können, vor allem bei Frauen nach der Menopause.

Heidelbeeren mildern negative Folgen der Wechseljahre
»Herz- und Gefäßkrankheiten sind in Amerika und Europa die Haupttodesursache«, sagt Johnson. »Und Frauen haben nach den Wechseljahren und der damit verbundenen Hormonumstellung ein umso größeres Risiko für diese Gesundheitsprobleme. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass durch das Hinzufügen eines einzelnen Lebensmittels - Heidelbeeren - zum täglichen Speiseplan, die negativen kardiovaskulären Effekte aufgrund der Menopause gemildert werden können.«

Heidelbeere: Frucht des Jahres 2015
Die Heidelbeere oder Blaubeere ist Frucht des Jahres 2015. Die kleine blaue Vitaminbombe enthält neben reichlich Vitamin C, E und Carotin, viele Gerbstoffe und wichtige Mineralien wie Kalzium, Eisen und Kalium. Für die antioxidativen Eigenschaften und die entzündungshemmende Wirkung sind die Pflanzenfarbstoffe - Anthocyane - verantwortlich. Die leicht säuerlichen Früchte fördern zudem eine gute Verdauung und stärken das Immunsystem. Zwischen Juli und September können Verbraucher frische Heidelbeeren aus regionalem Anbau erhalten.

Quelle: Sarah A. Johnson, Arturo Figueroa, Negin Navaei, Alexei Wong, Roy Kalfon, Lauren T. Ormsbee, Rafaela G. Feresin, Marcus L. Elam, Shirin Hooshmand, Mark E. Payton, Bahram H. Arjmandi. Daily Blueberry Consumption Improves Blood Pressure and Arterial Stiffness in Postmenopausal Women with Pre- and Stage 1-Hypertension: A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Clinical Trial. Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics, 2015; DOI: 10.1016/j.jand.2014.11.001

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