Montag, 1. Juli 2019


Die Winterdepression ist vielen inzwischen ein Begriff. Aber eine saisonal abhängige Depression tritt auch im Sommer auf und sollte ernst genommen werden.

Die meisten Menschen kennen das Phänomen der Winterdepression. In der grauen Jahreszeit entstehen durch Mangel an Tageslicht depressive Beschwerden. Eine Sommerdepression ist viel weniger bekannt und tritt auch viel seltener auf, kann aber genauso schwerwiegend sein. Eine solche saisonale Depression ist oft vorübergehend, kann aber auch länger anhalten. Bis zu 800.000 Menschen leiden in Deutschland unter saisonal abhängigen Depressionen. Das betrifft etwa jede dritte Frau und jeden vierten Mann.
Beschwerden bei einer saisonalen Depression
Um von einer saisonalen Depression sprechen zu können, müssen die depressiven Beschwerden mindestens zwei aufeinander folgende Jahre in der gleichen Jahreszeit auftreten und mindestens vierzehn Tage andauern.
Die Hauptsymptome, die bei einer saisonalen Depression auftreten, sind:

  • Trübsinn
  • Niedergeschlagenheit
  • Verlust der Freude oder Interesse an (fast) allen Aktivitäten
  • Schlaflosigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Gewichtsverlust
  • Reizbarkeit
  • Erschöpfung
  • eine Tendenz, sich selbst zurückzuziehen.

Ursachen einer Sommerdepression
Eine Sommerdepression kann mehrere Ursachen haben.
  • Es kann mit der sich ändernden Lichtmenge zu den verschiedenen Jahreszeiten zu tun haben. Manche Menschen sind nicht genügend in der Lage, sich an die variierenden Lichtmengen der unterschiedlichen Jahreszeiten anzupassen. Weil es abends lange hell ist und morgens schon früh wieder die Sonne aufgeht, kann der Tag-Nacht-Rhythmus gestört werden. Durch den Überschuss an Licht wird weniger Melatonin produziert, ein Hormon, das ausgeschüttet wird, sobald es dunkel wird und dem Körper das Signal zum Schlafen gibt. Diese Verwirrung beeinflusst den Schlaf und die Stimmung. Eine trübsinnige Stimmung und viel oder gerade wenig Schlaf sind typische Beschwerden einer Depression.
  • Es funktioniert auch umgekehrt: Menschen, die an Sommertagen den ganzen Tag drinnen sitzen oder die Vorhänge geschlossen halten, um die Sonne auszusperren, können unter Lichtmangel leiden.
  • Sommerstress: Das Gegenteil von dem, wie es sein sollte
    Möglich ist auch, dass düstere Stimmung im Sommer mehr auffällt. Im Sommer fahren wir in den Urlaub und daher „sollten“ wir fröhlich sein. Das kann zu Stressgefühlen führen: Man will die perfekte Reise organisieren, der Urlaub muss toll sein, und man muss möglichst abenteuerliche Dinge erleben, um den Freunden davon zu erzählen. Wenn sich jemand trotz Sonnenschein mies fühlt, merkt er, dass der Trübsinn nicht unbedingt mit schlechtem Wetter zu tun hat. Das Signal dafür, dass etwas nicht stimmt, wird deutlicher.
  • Probleme mit dem eigenen Körperbild
    Für diejenigen, die sich nicht gut fühlen, kann der Sommer mit gebräunten Körpern, kurzen Röcken und fröhlich Eis schleckenden Menschen eine konfrontierende Jahreszeit sein. Besonders für Menschen mit einer körperdysmorphen Störung (engl. Body dysmorphic disorder, kurz BDD) kann der Sommer eine Qual sein. Wer diese Krankheit hat, leidet unter seiner vermeintlichen Hässlichkeit. Manchmal hat der Betroffene einen kleinen „Schönheitsfehler“, zum Beispiel übermäßige Behaarung, eine helle Haut, die schnell verbrennt oder Ähnliches. Aber die Art und Weise, wie derjenige darüber denkt und darunter leidet, ist unverhältnismäßig. Während andere den vermeintlichen Makel kaum oder gar nicht wahrnehmen, sind Betroffene auf ihre scheinbaren Unzulänglichkeiten fixiert und leiden erheblich darunter.
  • Ob die Sonne scheint oder nicht, ist in der Regel nicht der einzige Faktor, der bei der Entstehung einer Sommerdepression eine Rolle spielt. Es ist bekannt, dass Faktoren wie genetische Veranlagung, negatives Denken, Einsamkeit und eine schlechte Gesundheit das Risiko einer Depression erhöhen.
Tipps für den Umgang mit Sommerdepression
Melancholische Gefühle verschwinden manchmal von selbst. Aber wenn sie länger als zwei Wochen dauern, sollten Sie nicht länger abwarten. Es gibt viele Möglichkeiten, selbst etwas gegen depressive Gefühle zu tun. Es beginnt damit, zuzugeben, dass man mehr als nur traurig ist. Depressionen sind nichts, wofür man sich schämen müsste. Reden Sie mit Ihrem Partner, der Familie oder Freunden darüber. Besprechen Sie Ihre Gefühle eventuell mit Ihrem Hausarzt. Auch online findet man Hilfsangebote, zum Beispiel bei der Deutschen Depressionshilfe.

Oder Sie arbeiten aktiv daran, die depressiven Gefühle zu vertreiben.
  • Nehmen Sie Ihre trüben Gedanken ernst. Denken Sie nicht: „Es ist alles in Ordnung“.
  • Sorgen Sie in jedem Fall für Regelmäßigkeit in Ihrem Leben. Stehen Sie rechtzeitig auf, essen Sie dreimal am Tag und gehen Sie rechtzeitig schlafen.
  • Achten Sie darauf, dass Sie zu Beginn des Tages eine halbe Stunde Tageslicht bekommen. Das hilft, den Schlaf-Wach-Rhythmus aufrechtzuerhalten.
  • Machen Sie täglich einen Spaziergang oder fahren Sie mit dem Rad. Bewegung hilft gegen depressive Gefühle.
  • Treffen Sie weiterhin Menschen, auch wenn Ihnen nicht danach ist. Aber vermeiden Sie Situationen, in denen man Fröhlichkeit erwartet, wie zum Beispiel Partys und Feste.
  • Fragen Sie sich selbst, ob Sie irgendwelche Gründe für Ihre Traurigkeit sehen. Haben Sie einen geliebten Menschen verloren? Haben Sie etwas Schlimmes erlebt? Wenn ja, akzeptieren Sie Ihre Gefühle, denn in solchen Situationen sind Traurigkeit und melancholische Gefühle ganz normal.

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