Samstag, 11. Juli 2015


Werden Rheuma-Medikamente nicht richtig auf-
bewahrt, wirken sie nicht optimal
(Foto: Bonoz - pixabay.com)

Nur jeder vierzehnte Rheumatiker bewahrt seine Arzneimittel richtig auf. Das kann die Wirkung beeinträchtigen.


Gerade einmal jeder vierzehnte Rheuma-Patient lagert seine teuren Medikamente zu Hause bei der richtigen Temperatur. Das stellten Wissenschaftler der Universitätsklinik Utrecht und der Sint Maartenskliniek Nimwegen in aktuellen Untersuchungen fest.
Für die Herstellung, die Lagerung und den Transport der Arzneimittel gelten strenge Richtlinien. Aber wenn die Medikamente die Apotheke einmal verlassen haben, ist nicht bekannt, wie Patienten in der Praxis damit umgehen. Die Art, wie sie ihre Medikamente aufbewahren, kann die Wirkung durchaus beeinflussen.

Oft zu kalt gelagert
Um Einblick in die Aufbewahrungsweise zu Hause zu bekommen, befestigten die Wissenschaftler einen Chip an den Medikamentenverpackungen des Arzneimittels TNF-alpha-Hemmer von 255 Rheuma-Patienten. TNF-alpha-Hemmer gehören zu den sogenannten Biologika. Diese monoklonalen Antikörper hemmen den körpereigenen Botenstoff TNF-alpha und reduzieren Entzündungsprozesse. Der Chip registrierte konstant die Temperatur. Nur 17 Patienten gelang es, die Medikamente zu Hause entsprechend der Hersteller-Empfehlung zu lagern: zwischen zwei und acht Grad Celsius. Gut ein Viertel der Verpackungen hatte mindestens zwei Stunden hintereinander eine Temperatur unter dem Gefrierpunkt, obwohl der Hersteller deutlich angibt, dass TNF-alpha-Hemmer nicht eingefroren werden dürfen.

Teure Biologika
Die Untersuchung passt in eine größere Studie, die eine bessere Anwendung von Arzneimitteln wie diese Biologika untersucht. Die Kosten für diese Art von Rheuma-Medikamenten sind nämlich hoch: Jährlich kosten solche TNF-alpha-Hemmer etwa 14.000 Euro pro Patient. Die entzündungshemmenden Eiweiße werden Patienten verordnet, die an Krankheiten wie rheumatoider Arthritis, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und chronischen Hautentzündungen wie Schuppenflechte (Psoriasis) leiden.

Kälte verändert die Struktur der Arzneimittel
Bei einer zu niedrigen Temperatur kann sich die Struktur der Eiweiße verändern, mit möglichen Folgen für die Wirkung und Sicherheit des Arzneimittels. Weitere Untersuchungen müssen zeigen, ob Patienten, die das falsch gelagerte Medikamente anwenden, auch weniger Wirkung erfahren. Die Vorbereitungen für eine solche Studie sind in vollem Gange.

Kühlschrank mit großen Temperaturschwankungen
»Patienten frieren ihre Medikamente im Allgemeinen nicht absichtlich ein«, sagt Niels Vlieland, der Doktorand, der die Studie durchgeführt hat. »Oft zeigt ein Kühlschrank zu Hause große Temperaturschwankungen. Oder die Verpackung liegt zu nah an der vereisten Rückwand des Kühlschranks.« Apothekerin Helga Gardarsdottir (UMC Utrecht) ergänzt: »Die Apotheke gibt Patienten immer Anweisungen für die Aufbewahrung mit. Aber weil die Verpackung sehr groß ist, kann es schwierig sein, sie aufzubewahren.«

Mehr Beratung für Patienten
Die Wissenschaftler suchen nun das Gespräch mit Patientenvereinigungen und Branchenorganisationen, um eine bessere Begleitung für Patienten zu organisieren. Als Reaktion auf ihre Forschungsergebnisse raten die Wissenschaftler bereits dazu, die Medikamente nicht an der Rückwand oder im obersten oder untersten Fach des Kühlschranks aufzubewahren.

Quelle: Presseinformation UMC Utrecht vom 16.06.2015: »Dure reumageneesmiddelen lang niet altijd goed bewaard« (Teure Rheuma-Medikamente werden zu Hause nicht immer richtig aufbewahrt).

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