Freitag, 13. Mai 2016

Vitamin C-reiches Obst und Gemüse bremst den grauen Star
(Foto: jarmoluk - pixabay.com)

Nahrungsmittel mit viel Vitamin C können das Risiko für das Fortschreiten des grauen Stars, medizinisch Katarakt, um ein Drittel senken.

Die meisten Tiere und Pflanzen sind in der Lage Vitamin C selbst im Körper herzustellen. Nur wenige Arten wie Meerschweinchen, Fledermäuse, Sperlinge und große Primaten müssen Vitamin C mit der Nahrung aufnehmen. Auch der Mensch ist auf eine tägliche Zufuhr von Vitamin C angewiesen. Es schützt unsere Zellen vor freien Radikalen, regt das Immunsystem an, fördert die Bildung von Kollagen, verbessert die Eisenaufnahme und damit die Blutbildung und hilft bei der Entgiftung. Britische Wissenschaftler haben nun in einer Studie mit Zwillingen herausgefunden, dass Vitamin C auch für die Augen wichtig ist und den Fortschritt eines grauen Stars um ein Drittel senken kann. Damit zeigt die Studie erstmals, dass Ernährung und Lebensweise eine größere Rolle bei der Entwicklung und Schwere eines Katarakts spielen könnten als die genetische Veranlagung.

Katarakt immer noch Hauptgrund für Erblindung weltweit
Der graue Star oder Katarakt tritt bei den meisten Menschen auf mit dem natürlichen Alterungsprozess und trübt die Augenlinse ein, so dass man wie durch Milchglas sieht. Bei manchen Menschen verläuft dieser Prozess schwerer und verursacht verschwommene Sicht und Blendempfindlichkeit, die nicht durch eine Brille oder Kontaktlinsen zu korrigieren sind. Unbehandelt führt die Eintrübung der Augenlinse schließlich zum Verlust der Sehfähigkeit. Trotz der modernen Katarakt-Chirurgie bleibt der graue Star der Hauptgrund für Erblindung weltweit. Forscher vom King’s College in London untersuchten, ob Nährstoffe aus der Nahrung oder als Nahrungsergänzung das Fortschreiten des Katarakts verhindern können. Sie versuchten außerdem herauszufinden, wie stark Umgebungsfaktoren wie die Ernährung, im Vergleich zur genetischen Veranlagung eine Rolle spielen.

Viel Vitamin C verzögert die Eintrübung der Linse
Das Wissenschaftsteam analysierte dazu Daten von 324 weiblichen Zwillingspaaren aus Großbritannien. Die Teilnehmerinnen beantworteten Fragen, um die Zufuhr von Vitamin C und anderen Nährstoffen, einschließlich Vitamin A, B, D, E sowie Kupfer, Mangan und Zink festzustellen. Um den Fortschritt des Katarakts zu messen, wurde digitale Bildgebung verwendet und die Lichtdurchlässigkeit der Augenlinse im Alter von etwa 60 Jahren getestet. Während eines Zeitraums von zehn Jahren fanden Folgeuntersuchungen statt, um den Fortschritt des grauen Stars zu dokumentieren.
Während der ersten Basismessung wurde eine Vitamin C-reiche Ernährung mit einem 20 Prozent geringeren Katarakt-Risiko verbunden. Nach zehn Jahren hatten Frauen, die viel Vitamin C zu sich genommen hatten, ein 33 Prozent geringeres Risiko für das Fortschreiten des Katarakts und eine klarere Augenlinse.
Genetische Faktoren waren zu 35 Prozent am Fortschritt eines Katarakts beteiligt. Umgebungsfaktoren wie die Ernährung dagegen zu 65 Prozent. Diese Ergebnisse zeigen zum ersten Mal, dass genetische Faktoren vielleicht weniger wichtig sind beim Fortschreiten eines Katarakts, als bisher angenommen.

Vitamin C schützt vor Oxidation im Auge
Wie Vitamin C das Forschreiten eines Katarakts verhindert, könnte mit der starken antioxidativen Wirkung zu tun haben. Die Flüssigkeit im Auge enthält normalerweise viel Vitamin C, was vor Oxidation schützt und der Eintrübung der Augenlinse entgegen wirkt. Denn die Oxidation sorgt dafür, dass wasserlösliche Eiweißstoffe verklumpen und nicht mehr richtig abtransportiert werden können. Mehr Vitamin C in der Ernährung könnte den Vitamin C-Gehalt in der Flüssigkeit um die Augenlinse erhöhen und so extra Schutz liefern. Die Wissenschaftler betonen, dass die Ergebnisse sich nur auf Vitamin C aus der Nahrung und nicht aus Nahrungsergänzungsmitteln beziehen.
»Die wichtigste Entdeckung war, dass die Vitamin C-Zufuhr aus der Nahrung den Fortschritt eines Katarakts zu bremsen scheint«, sagt Studienautor Dr. Christopher Hammond, Professor für Augenheilkunde am King’s College in London. »Obwohl wir das Altern und die Entwicklung eines Katarakts nicht vollständig verhindern können, ist es vielleicht möglich den Beginn zu verzögern und eine starke Verschlechterung zu bremsen, in dem man viel Vitamin C mit der Nahrung aufnimmt. Das gilt vor allem auch bei hinzukommenden Risikofaktoren wie Diabetes und Rauchen. Beides beschleunigt die Eintrübung der Augenlinse.«

Wichtige Vitamin C-Quellen
Die besten Vitamin C-Lieferanten sind unter anderem Hagebutte, Paprika, Brokkoli, Fenchel und Grünkohl, aber natürlich auch Sauerkraut und die bekannten Zitrusfrüchte Mandarinen, Orangen und Zitronen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Erwachsene eine tägliche Zufuhr von 95 bis 110 Milligramm Vitamin C, je nach Alter oder Geschlecht. Für Raucher wird eine erhöhtes Zufuhr von 135 Milligramm für Frauen und 155 Milligramm für Männer empfohlen.


Quelle: Yonova-Doing, et al. Genetic and Dietary Factors Influencing the Progression of Nuclear Cataract. Ophthalmology 2016, doi: 10.1016/j.ophtha.2016.01.036

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