Sonntag, 14. Februar 2021

Heilpflanzen bei Angststörungen



Angststörungen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Etwa 15 Prozent der Bevölkerung leiden darunter. Wie können Heilpflanzen und Naturheilverfahren helfen?

 

Eine Angststörung liegt vor, wenn Sie regelmäßig unter verschiedenen Angstmerkmalen leiden, die Probleme im täglichen Leben oder bei der Arbeit verursachen. Frauen sind häufiger von Angststörungen betroffen als Männer. Dabei geht es um ernste Beschwerden, die die Lebensqualität deutlich einschränken. Gibt es Heilpflanzen und natürliche Therapien, die die Symptome lindern?

Das limbische System steuert Emotionen

Nervenbotenstoffe, auch Neurotransmitter genannt, wie Serotonin, Dopamin, Noradrenalin, Glutamat und Gamma-Aminobuttersäure (GABA), übertragen einen Angstimpuls von einer Gehirnzelle zur anderen. Drei Hirnareale sind daran beteiligt: die Amygdala, der Hippocampus und der präfrontale Kortex. Sie gehören zum limbischen System, steuern emotionales Verhalten und bilden den „Angst-Schaltkreis“ im Gehirn.

In der Amygdala findet die Verarbeitung emotionaler Informationen statt. Wenn Sie Gefahr oder Angst erleben, verarbeitet das Gehirn die Informationen darüber zuerst an diesem Ort. Dann gibt der Hippocampus ihm eine Bedeutung. Wenn Sie Angst haben, gerät die Verbindung zwischen dem Hypothalamus, der Hypophyse (Hirnanhangdrüse) und der Nebennierenrinde durcheinander. Besonders jetzt, während der COVID-19-Pandemie leide viele Menschen unter Angstzuständen.

Welche Heilpflanzen regulieren das Ungleichgewicht?

Cannabidiol (CBD)

Studien zeigen, dass Cannabidiol (CBD) eine anxiolytische (angstlösende) Wirkung hat: CBD reduziert Angst, Unruhe und Nervosität. Auch bei akuter Angst, zum Beispiel vor Vorträgen in der Öffentlichkeit, vermindert CBD Stress, Angst und Unruhe. CBD wirkt auf eine Reihe von Rezeptoren, ähnlich wie die pharmakologischen Anxiolytika (angstdämpfende Medikamente). Im Gegensatz zu diesen Medikamenten verursacht CBD allerdings keine Benommenheit. Außerdem entsteht auch bei längerer Anwendung keine Abhängigkeit. Studien zeigen, dass die Aktivität in der Amygdala nach der Einnahme von CBD abnimmt. Die Amygdala ist ein mandelförmiger Kern im Gehirn, der am Erleben, Verarbeiten und Kontrollieren verschiedener Gefühle, einschließlich Angst, beteiligt ist.

Auch in anderen Hirnregionen nimmt die Aktivität nach der Einnahme von CBD ab, darunter im Hippocampus, der für Prozesse wie Lernen und Gedächtnis wichtig ist. Der Hippocampus spielt eine Rolle bei der Verknüpfung von Angsterinnerungen mit dem Ort, an dem sie passiert sind, und der Hippocampus kann die Amygdala aufgrund einer Erinnerung aktivieren (1, 2).

CBD kann auch mit dem sogenannten 5HT1A-Rezeptor (Serotonin-Rezeptor im Gehirn) zusammenwirken. Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Serotonin-Übertragung zwischen Nervenzellen und Angstzuständen. Der 5HT1A-Rezeptor ist daran beteiligt.

Safran

Safran wird seit der Antike gegen Krankheiten eingesetzt. Im Iran ist Safran nicht nur ein traditionelles Heilmittel bei Erkältung, Heiserkeit, Entzündungen und Asthma, sondern auch bei innerer Unruhe, Depressionen und Wahnzuständen. Ein qualitativ gutes Safranpräparat enthält Safranextrakt mit einer garantiert hohen Konzentration an Crocin, Crocetin, Picrocrocin und Safranal. Zum Beispiel ein Safranextrakt, der auf mindestens 3,5 Prozent dieser bioaktiven Verbindungen (Lepticrosalide) und mindestens 2 Prozent Safranal standardisiert ist.

Verschiedene Bestandteile des Safrans (Crocin, Crocetin, Safranal) regulieren die Stressreaktion (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse), regen die GABAerge Neurotransmission an und hemmen die Wiederaufnahme von Monoamin-Neurotransmittern (Dopamin, Noradrenalin, Serotonin) im Gehirn. Studien haben gezeigt, dass Safran (insbesondere Safranal) beruhigende und angsthemmende Wirkungen hat (3, 4).

Ashwaganda (Schlafbeere)

Ashwaganda, eine Heilpflanze aus der indischen Heilkunde Ayurveda, die auch Schlafbeere, Indischer Ginseng oder Winterkirsche genannt wird, hat starke stress- und angstreduzierende Effekte durch die Regulierung des Stresssystems (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenachse und Sympatho-adrenales System), die Unterstützung der Nebennierenfunktion und die Hemmung von oxidativem Stress. Ashwaganda wirkt der stressbedingten Absenkung des Serotoninspiegels entgegen und erhöht den Cortisol- und Glutamatspiegel.

Stressabbau und Angstreduktion (Anxiolyse) sind auch das Ergebnis der Stimulation der GABAergen Neurotransmission. In mehreren Studien am Menschen, die Teilnehmer mit chronischem Stress einschlossen, führte die Einnahme von Ashwaganda-Extrakt zu einer Senkung der Cortisolwerte (ein wichtiger Stressmarker) und der CRP-Werte (C-reaktives Protein, ein Entzündungsmarker).

Ashwaganda verringerte die Angstzustände und senkte Herzfrequenz und Blutdruck. Ashwaganda reduzierte zudem Konzentrationsprobleme und Vergesslichkeit.

L-Theanin

L-Theanin ist eine wasserlösliche, glutaminähnliche Aminosäure, die dem grünen Tee seinen charakteristischen Geschmack verleiht. Theanin wird nach der Einnahme schnell aufgenommen und entfaltet in der Regel innerhalb von 30 Minuten eine entspannende und beruhigende Wirkung, ohne Benommenheit oder Müdigkeit zu verursachen.

Die Entspannung wird von einem Anstieg der Alphawellen im Gehirn begleitet. Vor dem Schlafen eingenommen, kann Theanin die Schlafqualität verbessern. Theanin beeinflusst verschiedene Neurotransmittersysteme im Gehirn (GABA, Dopamin, Serotonin, Glutamat). Außerdem schützt Theanin die Nervenzellen.

Ginkgo biloba

Ginkgo-Extrakt wirkt stressabbauend. Ginkgo-Extrakt kann Angstzustände nicht nur bei Senioren mit kognitiven Einschränkungen lindern, sondern auch bei Erwachsenen (35 - 60 Jahre), die an einer Angststörung leiden. Ginkgo-Extrakt (240 oder 480 mg/Tag für 4 Wochen) war deutlich wirksamer als ein Placebo bei 107 Erwachsenen mit generalisierter Angststörung oder Anpassungsstörung mit Angst. Die hohe Dosis des Ginkgo-Extraktes war erheblich wirksamer als die niedrige Dosis (5).

Baldrian

Baldrian ist eine Pflanze, die in großen Teilen Europas und Asiens vorkommt. Bereits im antiken Griechenland wurde Baldrian als Heilpflanze verwendet. Die Baldrianwurzel enthält GABA, Valerensäure (und andere Mono-und Sesquiterpene), Valepotriate (Iridoide), Alkaloide und Lignane. GABA hat eine beruhigende (sedierende) und entspannende Wirkung. Valerensäure verstärkt die Aktivität von GABA; Valepotriate haben ebenfalls eine beruhigende Wirkung. Diese Komponenten fördern eine gute Schlafqualität (auch bei Menschen ohne Schlafprobleme) und erleichtern das Einschlafen und Durchschlafen, ohne Benommenheit und Konzentrationsprobleme am Morgen nach der Einnahme. Valerensäure, GABA und Valepotriate wirken zusätzlich angsthemmend und Valerensäure und Valepotriate fördern die Muskelentspannung (spasmolytische Aktivität).

Baldrian wird vor allem gegen (chronische) Schlaflosigkeit eingesetzt, die mit Stress und Angstzuständen zusammenhängen kann. Es kann einige Wochen dauern, bis sich die Wirkung von Baldrian richtig bemerkbar macht (6).

Gemmotherapie: Die Kraft der jungen Knospen

Die ungefähr 45 Jahre alte Gemmotherapie ist eine Form der Phytotherapie und basiert auf der Zubereitung von embryonalem Pflanzengewebe, das sich in einem Stadium schneller Zellteilung und schnellen Wachstums befindet. Man nennt diese Therapieform daher auch Phyto-Embryotherapie.

Tilia tomentosa oder Silberlinde ist ein wirksames gemmotherapeutisches Heilmittel, das bei Angst eingesetzt wird. Diese Tinktur besitzt angstlösende und entspannende Funktionen, deren Wirksamkeit auch in den Muskeln wahrgenommen wird. Tilia tomentosa kann kombiniert werden mit einer anderen Gemmoart, nämlich Ficus carica, der Echten Feige. Ficus carica wirkt beruhigend, aber reguliert auch verschiedene Magen-Darmbeschwerden (Verdauungsstörungen, Übelkeit, Bauchschmerzen, veränderter Stuhlgang), die die Folge einer Angststörung sind.

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