Montag, 14. Juni 2021

COVID-19: Ein leichter Verlauf schützt trotzdem lange


Viele COVID-19-Infizierte befürchten, dass sie bei einem milden Verlauf weniger lange immun sind. Eine neue Studie teilt beruhigende Ergebnisse mit.

 

Sogar elf Monate nach der Infektion scheint der Körper immer noch Antikörper gegen das Coronavirus zu produzieren. Das berichten amerikanische Forscher im Fachmagazin „Nature“. Die Ergebnisse basieren auf einer kleinen Studie, an der 77 ehemalige Corona-Patienten teilnahmen.

Antikörper sinken in den ersten Monaten schnell

Die 77 Corona-Patienten hatten fast alle eine milde Infektion überstanden; nur sechs von ihnen waren im Krankenhaus stationär behandelt worden. Alle 77 Teilnehmer hatten einen Monat nach der Infektion eine Blutprobe abgegeben und im weiteren Verlauf noch einmal nach drei Monaten. Die Blutproben lieferten ein zunächst alarmierendes Bild, das man aus früheren Studien kannte. Denn die Antikörper im Blut schienen in den ersten Monaten nach der Infektion sehr schnell abzunehmen.

Antikörper nehmen ab, aber verschwinden nicht völlig

Zuvor wurden solche Daten allerdings angeführt, um zu dem Schluss zu kommen, dass eine leichte Corona-Infektion nur einen kurzfristigen Schutz gegen SARS-CoV-2 bietet. Doch das ist nicht gerechtfertigt, betonen die Forscher. Es ist normal, dass die Antikörper nach einer akuten Infektion wieder abnehmen. Aber sie verschwinden nicht völlig.

Wie funktioniert das genau?

Es wurde bereits gezeigt, dass bei anderen Virusinfektionen sich die Immunzellen, die Antikörper gegen das betreffende Virus produzieren, mit einer unglaublichen Geschwindigkeit vermehren. Und das führt zu enormen Mengen an Antikörpern im Blut. Aber sobald die Infektion verschwindet, sterben die meisten dieser Zellen ab und die Anzahl der Antikörper sinkt stark. Eine kleine Anzahl von Antikörper produzierenden Zellen - auch langlebige Plasmazellen genannt - wandern jedoch ins Knochenmark und geben von dort aus weiterhin kleine Mengen an Antikörpern in die Blutbahn ab, die bei der nächsten Begegnung mit dem Virus Schutz bieten. Und das passiert sogar nach einer leichten Corona-Infektion, deutet die neue Studie nun an. Die Forscher fanden elf Monate nachdem die Teilnehmer die ersten Symptome zeigten, noch Zellen im Körper, die Antikörper produzieren. Solange diese Menschen leben, bleiben auch diese Zellen am Leben und produzieren Antikörper. Das ist ein starker Beweis für eine dauerhafte Immunität, sind sich die Forscher sicher.

Antikörper im Knochenmark

Zu diesem Schluss kommen die Wissenschaftler, nachdem sie das Knochenmark von einigen der 77 ehemaligen Corona-Patienten untersucht haben. Sieben oder acht Monate nach der Infektion wurden in 15 der 19 Knochenmarksproben Zellen gefunden, die Antikörper gegen SARS-CoV-2 produzierten. Fünf der Patienten spendeten vier Monate später erneut Knochenmark. Und in allen Proben wurde diese Antikörper produzierenden Zellen gefunden. Die Forscher untersuchten auch das Knochenmark einer Kontrollgruppe, bestehend aus elf Personen, die nicht an COVID-19 erkrankt waren. Sie besaßen diese Antikörper produzierenden Zellen nicht. Menschen mit einer leichten Corona-Infektion überwinden das Virus in zwei bis drei Wochen. Sieben oder elf Monate nach der Infektion gibt es also kein Virus mehr, das eine aktive Immunantwort antreibt. Die Immunzellen teilen sich nicht mehr. Sie verbleiben ruhig im Knochenmark und geben Antikörper ab. Das tun sie von dem Moment an, in dem die Infektion verschwunden ist, und tun dies auch weiterhin auf unbestimmte Zeit.

Beruhigend

An sich ist das nicht überraschend, betonen die Forscher. Schließlich weiß man aus der Erforschung anderer Virusinfektionen, dass der Körper so arbeitet. Aber schon früh in der Pandemie wurde angedeutet, dass die Immunantwort auf SARS-CoV-2 nicht so dauerhaft ist wie die Immunantwort auf andere Virusinfektionen. Deshalb ist es beruhigend, dass es nun Beweise gibt, dass das Immunsystem tatsächlich doch wie erwartet funktioniert.

Zweite Infektion

Die Studie deutet daher stark darauf hin, dass selbst eine leichte Corona-Infektion zu einem langfristigen Schutz gegen COVID-19 führt. Das bedeutet auch, dass Fälle, in denen sich Menschen zum zweiten oder gar dritten Mal mit dem Coronavirus infizieren, wahrscheinlich - zumindest bei ehemaligen Coronapatienten, die nur leichte Symptome hatten - sehr selten sind.

Keine Symptome oder schwer krank?

Aber was ist mit Menschen, die sich das Coronavirus eingefangen haben, aber gar keine Symptome hatten? Und was ist mit Menschen, die doch sehr schwer erkrankt sind? das muss noch untersucht werden. Aufgrund ihrer Studie vermuten die Forscher, dass auch asymptomatische Corona-Infektionen zu einer langfristigen Immunität führen. Aber ob das auch für schwere Infektionen gilt, ist nicht klar. Es kann in beide Richtungen gehen, glauben die Forscher. Entzündungen spielen eine große Rolle bei schweren COVID-19-Infektionen, und zu viele Entzündungen können zu einer fehlerhaften Immunantwort führen. Auf der anderen Seite werden Menschen so schwer krank, weil sie viele Viruszellen im Körper haben, und das wiederum kann zu einer starken Immunreaktion führen. Man weiß es also nicht genau. Die Studie muss also wiederholt werden mit Patienten, die mittelschwere bis schwere Infektionen hatten, um zu verstehen, ob sie vor einer neuen Infektion geschützt sind.

Fördern Impfstoffe die gleichen Antikörper-Zellen?

Die Forscher wollen außerdem herausfinden, ob die verschiedenen Impfstoffe die gleichen langlebigen Antikörper produzierenden Immunzellen fördern können. Die Forscher gehen davon aus, dass die Impfung auch zur Bildung langlebiger Antikörper produzierender Zellen führt, aber man weiß nicht, wie effizient diese Zellen sind und inwieweit sie den Zellen ähneln, die als Reaktion auf eine tatsächliche Infektion produziert werden.

Auf der Grundlage dieser Forschung könnte man sich natürlich fragen, ob es für Menschen, die zuvor eine leichte Corona-Infektion hatten, überhaupt notwendig ist, geimpft zu werden. Die Forscher sind sicher, dass das nötig ist. Obwohl Personen, die sich von COVID-19 erholt haben, wahrscheinlich gegen eine erneute Infektion mit demselben Virusstamm geschützt sind, sind sie gegen andere Virusvarianten weniger gut geschützt, erklären die Forscher. Und genau da kann ein Impfstoff helfen. Selbst wenn es Eiweiße des ursprünglichen Virusstamms enthält, werden Antikörper und Immunzellen aktiviert, die sich gegen die unveränderten Teile der neuen Virusvariante richten können.


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