Sonntag, 6. Juni 2021

Verrät Ihr Kaffeekonsum den Gesundheitszustand?



Kaffee soll ja mal gesund sein und dann wieder nicht. Aber unser Körper weiß durchaus selbst, wie viel Kaffee gut für ihn ist, fanden Forscher nun heraus.

 

Es gab bereits eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen und Beiträgen zum Thema Kaffee und Gesundheit. Einmal wird der schwarze Seelentröster in den Himmel gelobt, während die folgende Studie ihn beinahe verteufelt. Diese wechselhafte Beziehung ist kein Zufall, wie eine - ja, tatsächlich - neue Studie zeigt. Diese Studie kehrte den Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Gesundheit komplett um.

Was verrät der Kaffeekonsum über die Herzgesundheit?

Sagt die Anzahl der täglich getrunkenen Tassen Kaffee etwas über den Zustand des Herzens aus? Eine australische Studie, die die Kaffeegewohnheiten von fast 400.000 Menschen untersuchte, deutet an, dass diese Gewohnheit tatsächlich in großem Umfang von der kardiovaskulären Gesundheit bestimmt wird.

Das Forscherteam stützte sich dabei auf Daten aus der UK Biobank, einer großen epidemiologischen Datenbank. Die Patienten gaben selbst ihren täglichen Kaffeekonsum an, außerdem wurden der Blutdruck und die Herzfrequenz gemessen und dokumentiert. Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen konnten die Forscher aus Krankenhausdiagnosen, Hausarztberichten und/oder eigenen Berichten ableiten.

Genetisch bedingt

Nach der Analyse stellten die Wissenschaftler fest, dass Menschen mit hohem Blutdruck (Hypertonie), mit Angina Pectoris oder Herzrhythmusstörungen deutlich weniger Kaffee tranken als Menschen ohne diese Erkrankungen. Sie gehörten eher zu den gelegentlichen Kaffeetrinkern. Außerdem schien die Gruppe mit einer solchen Herzerkrankung auch viel häufiger die koffeinfreie Alternative zu wählen.

Menschen mit einem genetisch bedingten höheren Blutdruck neigten auch dazu, weniger koffeinhaltigen Kaffee zu trinken. Der gleiche geringe Kaffeekonsum wurde bei Personen beobachtet, die einen genetisch bedingten höheren Ruhepuls hatten.

Nervosität und Herzklopfen

Die Neigung, Kaffee zu meiden - der bekanntlich Nervosität und Herzklopfen verursacht - ist laut den Forschern auch genetisch bedingt. Wenn der Körper Ihnen sagt, dass Sie die zusätzliche Tasse Kaffee besser nicht trinken sollten, gibt es wahrscheinlich einen Grund dafür. Man trinkt Kaffee als Muntermacher, wenn man müde ist, weil man gerne Kaffee trinkt oder weil er Teil der täglichen Routine ist. Aber was die Forscher vorher nicht wussten, ist, dass Menschen anscheinend unbewusst ein sicheres Maß an Koffein selbst regulieren, basierend darauf, wie hoch ihr Blutdruck ist. Die Forscher vermuten, dass dies auf einen schützenden genetischen Mechanismus zurückzuführen ist. Das bedeutet, dass jemand, der regelmäßig Kaffee trinkt, genetisch toleranter gegenüber Koffein sein kann als jemand, der sehr wenig Kaffee trinkt.

Aus früheren Studien war bereits bekannt, dass diejenigen, die sich nicht wohlfühlen, weniger Kaffee trinken. Diese Art von Phänomen, bei dem die Krankheit das Verhalten bestimmt, nennt man umgekehrte Kausalität.

Selbstregulierung

Diese Ergebnisse haben zwei wichtige neue Konsequenzen, meinen die Forscher. Sie zeigen, dass unser Körper unser Verhalten auf eine Art und Weise regulieren kann, die uns vielleicht nicht bewusst ist. Wenn sich also etwas für uns nicht richtig anfühlt, kann es einen Grund dafür geben.

Weiterhin zeigen die Ergebnisse, dass unser Gesundheitszustand teilweise reguliert, wie viel Kaffee wie trinken. Das ist wichtig, denn wenn Krankheiten unser Verhalten steuern, kann das zu irreführenden Zusammenhängen in Beobachtungsstudien führen. So kann ein falscher Eindruck von gesundheitliche Vorteilen des Kaffees entstehen, wenn in der Gruppe der Menschen, die keinen oder wenig Kaffee trinken, mehr Menschen sind, die sich unwohl fühlen oder Herzprobleme haben.

Auf diese Weise hilft die Studie, zu erklären, warum die Forschung zu den gesundheitlichen Auswirkungen des Kaffeekonsums oft so widersprüchlich war. Die Studie unterstreicht auch die Unsicherheit, die diesen gesundheitlichen Vorteilen von Kaffee zugrunde liegt, aber gleichzeitig vermittelt sie auch etwas Positives. Unser Körper hat offenbar eine eigene Fähigkeit, unseren Kaffeekonsum so zu regulieren, dass er uns hilft, negative Auswirkungen zu vermeiden. Hören Sie also auf Ihren Körper!

Weder Nutzen noch Schaden

Diese australische Studie wurde begonnen, um zu untersuchen, ob Symptome von Herzkrankheiten den Kaffeekonsum von Menschen beeinflussen. Letztendlich zeigte sich, dass Menschen mit Bluthochdruck, Angina Pectoris, Herzrhythmusstörungen und einer schlechten Gesundheit koffeinfreien Kaffee trinken oder gar keinen Kaffee. Aber hat so eine Tasse schwarzes Gold nun einen nützlichen oder schädlichen Effekt auf unsere Gesundheit? Weder noch. Aus den vorliegenden Studien zum Kaffeekonsum konnte man bisher weder einen Schaden noch einen Nutzen ableiten, lautet die Schlussfolgerung. Darum werden die Forschungen fortgesetzt.

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