Montag, 26. Februar 2024

Düfte helfen bei Depressionen

Düfte lindern die Symptome bei Depressionen (Foto: pixabay.com)


Kaffee, Orangen oder Schuhcreme: Gerüche wecken stärkere Erinnerungen als Worte. Und das kann gegen Depressionen helfen.

 

Der Duft von Tannennadeln erinnert an die Sommerferien in der Kindheit, der leicht verbrannte Geruch von Marshmallows weckt Erinnerungen an Lagerfeuer mit Freunden, und wenn man das Meer riecht, denkt man plötzlich wieder an den romantischen Strandspaziergang vor einigen Jahren. Düfte können so effektiv Erinnerungen wachrufen, dass sie sogar gegen Depressionen helfen.

Das haben Wissenschaftler der US-Universität Pittsburgh herausgefunden. Ihre Studie zeigt, dass Düfte besser wirken als Worte, wenn man sich an ein bestimmtes Ereignis erinnern will. Die Forschenden argumentieren, dass dies bei der Behandlung depressiver Patienten genutzt werden könnte, um sie aus ihrem negativen Gedankenkreislauf herauszuholen und Denkmuster zu verändern.

Düfte besser als Worte

Die Wissenschaftlerin Kymberly Young kam zu diesem Schluss, indem sie drei Daten miteinander verknüpfte. Erstens fand sie heraus, dass die Stimulierung der Amygdala beim Abrufen von Erinnerungen hilft. Die Amygdala ist Teil des Gehirns und steuert nicht nur die Kampf-oder Flucht-Reaktion, sondern spielt auch eine Rolle bei der Aufmerksamkeit und der Konzentration auf wichtige Ereignisse. Sie wusste auch, dass es Menschen mit Depressionen schwerfällt, sich an bestimmte Ereignisse zu erinnern. Und schließlich war bekannt, dass Düfte bei gesunden Menschen Erinnerungen auslösen können, die sich sehr lebendig und echt anfühlen.

„Das funktioniert bei Gerüchen wahrscheinlich besser als bei Worten, weil der Riechkolben Signale direkt an die Amygdala sendet, den Teil des Gehirns, der starke Gefühle hervorruft“, erklärt Young. „Ich fand es überraschend, dass noch niemand zuvor untersucht hat, wie man mit Hilfe von Düften Erinnerungen bei depressiven Menschen hervorrufen kann.“

Von Erkältungssalbe bis Kaffeeduft

Also beschloss Young, selbst die Probe aufs Exempel zu machen und zu testen, ob die Stimulierung der Amygdala depressiven Menschen helfen könnte, besser auf ihre Erinnerungen zuzugreifen. Anstatt einen teuren Gehirnscanner zu benutzen, entschied sie sich für einen eher altmodischen Ansatz: Sie ließ die Versuchspersonen an undurchsichtigen Glasflaschen mit verschiedenen Düften riechen, von Orangen und Kaffee bis hin zu Schuhcreme und einer Erkältungssalbe. Dann mussten die Teilnehmer eine bestimmte Erinnerung abrufen. Das konnte eine angenehme oder unangenehme Erinnerung sein.

Häufiger positive Erinnerungen

Interessanterweise hatten die depressiven Teilnehmer lebendigere Erinnerungen durch Gerüche als durch Worte. Diejenigen, die etwas riechen durften, hatten eher eine konkrete Erinnerung, zum Beispiel dass sie letzten Freitag in einem Café waren, anstelle der allgemeineren Erinnerung, dass sie schon mal irgendwo Kaffee getrunken hatten. Die durch Düfte hervorgerufenen Erinnerungen fühlten sich auch echter an. „Und das Überraschendste war, dass die Teilnehmer eher positive Erinnerungen hatten , wenn sie einen Duft rochen, obwohl wir sie gar nicht in eine bestimmte Richtung gelenkt hatten“, sagt Young, die noch plant, den Gehirnscanner in Kürze einzusetzen, um erneut zu beweisen, dass Düfte bei depressiven Patienten die Amygdala wirksamer stimulieren als Worte.

„Wenn wir das Gedächtnis verbessern, können wir die Problemlösungsfähigkeit, die Emotionsregulierung und andere funktionelle Probleme verbessern, mit denen depressive Menschen häufig konfrontiert sind“, erklärt Young. „Gedächtnisprobleme stehen nämlich im Zusammenhang mit Schwierigkeiten bei der Problemlösung und der Emotionskontrolle. Für diese Funktionen muss man sich an bestimmte frühere Erfahrungen erinnern können. Wenn wir also das Gedächtnis verbessern, sollten wir theoretisch auch diese anderen Funktionen verbessern können.“

Gilt auch für gesunde Menschen

Dies gilt übrigens nicht nur für Menschen mit Depressionen, sondern kann auch für gesunde Menschen nützlich sein, sagt sie. „Es wurde bereits viel darüber geforscht, wie Düfte bei gesunden Menschen intensive, lebendige Erinnerungen hervorrufen.“ Wenn es einem also nicht so gut geht, kann einem ein Duft helfen, der an etwas Schönes erinnert.

Dennoch ist es noch zu früh, um die Aromatherapie als Behandlungsmethode einzusetzen, meint Young. „Es ist noch mehr Forschung nötig, aber es gibt bereits Therapien, die darauf abzielen, bestimmte Erinnerungen abzurufen. Dabei werden Wörter als Auslöser verwendet. Diese Studie zeigt, dass ein solches Training möglicherweise effektiver ist, wenn stattdessen Düfte verwendet werden.“

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.