Donnerstag, 4. Juli 2013


Fruktose ist ein beliebter Zusatz in Lebensmitteln
(Foto: weinstock/pixabay.com)

Fruktose - beliebt als Diätmittel und Zuckerersatz - fördert nicht nur Übergewicht, sondern schädigte im Tierversuch auch die Leber.

Die Rolle von diätetischer Fruktose bei der Entwicklung von Obesitas und Fettlebererkrankungen bleibt umstritten. Kürzlich durchgeführte Studien geben an, dass die Probleme aus der Verwendung von Fruktose und einer Ernährung mit zu vielen Kalorien resultieren.
Eine neue Studie des »Wake Forest Baptist Medical Center« zeigte im Tierversuch, dass Fruktose sehr schnell die Leber schädigt, auch ohne Zunahme des Körpergewichts. Die Forscher stellten in der sechswöchigen Studienperiode fest, dass die Versuchstiere bei einer Ernährung mit sehr viel Fruktose doppelt so häufig Leberschäden aufwiesen wie die Kontrollgruppe. Die Studienergebnisse wurden in der Online-Ausgabe des »American Journal of Clinical Nutrition« veröffentlicht.
Viel Fruktose verursacht Diabetes und Fettleber

»Ist eine Kalorie eine Kalorie? Sind sie wirklich alle gleich? Basierend auf dieser Studie, würden wir sagen, nicht«, sagt Kylie Kavanagh, Studienleiter am »Wake Forest Baptist Medical Center«.
In einem früheren Versuch, auf den im aktuellen Artikel verwiesen wird, untersuchten Kavanagh und sein Team Affen, die von fettarmen Nahrungsmitteln mit zugesetzter Fruktose sieben Jahre so viel essen durften, wie sie wollten. Die Kontrollgruppe erhielt in den sieben Jahren eine fettarme Diät mit nur wenig Fruktose. Es überrascht nicht, dass die Tiere, in der Gruppe mit viel Fruktose 50 Prozent mehr Gewicht zulegten als die Affen der Kontrollgruppe. Sie entwickelten dreimal so häufig Diabetes und zusätzlich eine nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLE), in der Medizin auch als Steatosis hepatis bekannt.

Leberschäden durch Gewichtszunahme?

Die große Frage für die Wissenschaftler war, was die Schädigung der Leber verursacht. War die Gewichtszunahme durch übermäßige Nahrungsaufnahme der Versuchstiere der Grund oder doch etwas anderes?
Um diese Frage zu beantworten, wurde die aktuelle Studie so gestaltet, dass eine Gewichtszunahme vermieden wurde. Zehn normalgewichtige Affen im mittleren Alter, die nie vorher Fruktose gegessen hatten, wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Alle Tiere hatten einen vergleichbaren Körperbau und Taillenumfang. Sechs Wochen lang erhielt eine Gruppe eine Diät mit kontrollierter Kalorienzahl und 24 Prozent Fruktose-Anteil. Die Kontrollgruppe erhielt die gleiche Diät mit einem Fruktose-Anteil von höchstens 0,5 Prozent.

Beide Diäten enthielten die gleiche Menge Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß, aber aus unterschiedlichen Quellen, berichten die Wissenschaftler. Die Diät mit viel Fruktose bestand aus Mehl, Butter, Schweinefett, Eiern und Fruktose (Hauptbestandteil in Maissirup), also ähnlich der Ernährungsweise von Menschen. Die Diät der Kontrollgruppe bestand aus gesunden komplexen Kohlenhydraten (z.B. Vollkornprodukten, Gemüse, Nüsse) und Sojaprotein.
Jede Woche wurden die Versuchstiere gewogen, ihr Taillenumfang kontrolliert und ihre Diät so angepasst, dass die Tiere nicht zunahmen. Am Ende der Studie bestimmten die Wissenschaftler anhand von Blutproben Biomarker für eine Leberschädigung und prüften mittels Stuhlproben und Darmbiopsien, welche Bakterien im Darm vorhanden waren.

Leberschäden nach sechs Wochen Fruktose

»Was uns überraschte war, wie schnell die Leber betroffen war und wie umfangreich die Schäden waren insbesondere ohne den Faktor der Gewichtszunahme«, sagt Kavanagh. »Eine Periode von sechs Wochen ist beim Menschen mit einer Periode von drei Monaten vergleichbar.« In der Gruppe, die viel Fruktose erhalten hatte, fanden die Forscher keine Änderungen bei den Darmbakterien, aber sie wanderten schneller zur Leber und verursachten dort Schäden. Es scheint, dass durch die hohen Fruktosespiegel die Schutzfunktion des Darms schlechter wird und so 30 Prozent mehr Bakterien austreten können, erklärt Kavanagh.

Eine Einschränkung dieser Studie war, dass sie nur die Reaktion auf Fruktose und nicht auf Dextrose untersucht hat. Fruktose und Dextrose sind einfache Zucker, die in der Natur in Pflanzen vorkommen. »Wir untersuchten Fruktose, weil Fruktose der am häufigsten zugesetzte Zucker in der amerikanischen Ernährung ist, aber basierend auf unseren Studienergebnissen, können wir nicht endgültig sagen, dass Fruktose die Leberschädigung verursachte«, sagt Kavanagh. »Was wir sagen können ist, dass ein hoher Zuckerzusatz dazu führt, dass Darmbakterien den Darm verlassen und mit dem Blutstrom zur Leber gelangen und dort die Zellen schädigen.«

Leberschäden auch ohne Gewichtszunahme

»Die Leber wurde auch ohne eine Zunahme des Körpergewichts geschädigt. Das könnte klinische Auswirkungen haben, weil Ärzte und Wissenschaftler bisher annahmen, dass das Fett in und um Körpergewebe die gesundheitlichen Probleme verursacht.« Die Wissenschaftler planen in Kürze eine neue Studie mit den gleichen Bedingungen, wollen aber dann sowohl Fruktose als auch Dextrose über einen längeren Zeitraum untersuchen.

Quelle: Kylie Kavanagh, Ashley T Wylie, Kelly L Tucker, Timothy J Hamp, Raad Z Gharaibeh, Anthony A Fodor, and John M Cullen. Dietary fructose induces endotoxemia and hepatic injury in calorically controlled primates. Am J Clin Nutr, June 19, 2013 DOI: 10.3945/ajcn.112.057331

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