Dienstag, 29. Juli 2014


Wer zu wenig wiegt, ist ähnlich gefährdet wie
jemand der zu viel wiegt
(whitestorm - fotolia.com)

Wer zu wenig wiegt, hat ein ähnlich hohes Sterberisiko wie jemand der übergewichtig ist, sagen Forscher.


Wer zu viele Kilos auf den Hüften herumträgt, hat ein höheres Risiko für Folgekrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Doch Wissenschaftler stellten fest, dass jemand der zu wenig auf den Rippen hat, also untergewichtig ist, ein genauso großes Sterberisiko hat.
Die Verbindung zwischen Untergewicht und einem höheren Sterberisiko gilt sowohl für Erwachsene als auch für Ungeborene. Auch wenn Faktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum oder eine Lungenerkrankung berücksichtigt und Erwachsene mit einer chronischen oder unheilbaren Krankheit ausgeschlossen werden.

BMI unter 18,5 = doppelt so hohes Sterberisiko

Die Studie unter der Leitung von Dr. Joel Ray, einem Forschungsarzt am St.Michael's Hospital in Toronto wurde im »Journal of Epidemiology and Community Health« veröffentlicht. Die Metaanalyse von Dr. Ray überprüfte 51 Studien auf Verbindungen zwischen Body-Mass-Index (BMI) und Todesursachen jeglicher Art, einschließlich Daten von Geburtsgewicht und Totgeburten in Ontario.
Dr. Ray stellte fest, dass Erwachsene mit Untergewicht - also einem BMI unter 18,5 - ein beinahe doppelt so hohes Risiko für einen vorzeitigen Tod haben als Menschen mit einem normalen BMI zwischen 18,5 und 24.9. Das Sterberisiko für übergewichtige Menschen mit einem BMI zwischen 30 und 34,9 ist 1,2 Mal höher und für adipöse Menschen mit einem BMI ab 35 1,3 Mal höher.

Die Forscher fordern, dass längere Studien notwendig sind von 5 Jahren oder länger, um die Fälle auszufiltern, die nur durch Krankheiten wie Krebs, chronische Lungenerkrankungen oder Herzschwäche untergewichtig geworden sind. Weit verbreitete Ursachen für Untergewicht schließen Unterernährung, Alkohol- oder Drogenkonsum, Rauchen, niedriges Einkommen, die psychische Gesundheit oder schlechte Selbstversorgung ein.

BMI kein ideales Maß

»Der BMI spiegelt nicht nur den Körperfettanteil wieder, sondern auch die Muskelmasse. Wenn wir weiterhin den BMI in der Gesundheitsvorsorge anwenden wollen, müssen wir realisieren, dass ein widerstandsfähiger und gesunder Mensch jemand ist, der einen angemessenen Körperfettanteil besitzt und auch ausreichend Knochen und Muskeln«, sagt Dr. Ray. »Wenn unser Fokus mehr auf den Folgeerkrankungen durch übermäßiges Körperfett liegt, dann müssen wir den BMI durch ein geeignetes Maß wie den Bauchumfang ersetzen.«

Dr. Ray sagt außerdem, dass wenn die Gesellschaft darauf abzielt, der Adipositas-Epidemie Einhalt zu gebieten, »wir gleichzeitig verpflichtet sind sicherzustellen, dass eine Epidemie von untergewichtigen Erwachsenen und Ungeborenen vermieden wird, die eigentlich ein normales Gewicht haben. Daher sind wir verpflichtet, die richtigen Messwerkzeuge zu benutzen«.

Das Adipositas-Paradoxon

Eine neue Studie in »Mayo Clinic Proceedings« berichtet darüber, dass ein höherer BMI sogar vor einem frühen Herztod schützen kann. Demnach sind allgemeines Sterberisiko, kardiovaskuläres Sterberisiko und Herzinfarkt am höchsten bei untergewichtigen Patienten. Experten nennen das Phänomen das Adipositas-Paradoxon. Bereits 2012 berichtete eine Studie darüber, dass Übergewicht das Sterberisiko bei Ereignissen wie septischem Schock oder Lungen- und Asthmaanfällen reduziert. Auch wenn diese Ereignisse bei übergewichtigen Patienten häufiger auftreten als bei Normalgewichtigen mit derselben Erkrankung, überleben die Übergewichtigen solche akuten Notfälle eher.

Quellne: Sissi Cao, Rahim Moineddin, Marcelo L Urquia, Fahad Razak, Joel G Ray. J-shapedness: an often missed, often miscalculated relation: the example of weight and mortality. Journal of Epidemiology and Community Health, March 2014 DOI: 10.1136/jech-2013-203439

Abhishek Sharma Ajay Vallakati Andrew J. Einstein, Carl J. Lavie, Armin Arbab-Zadeh, Francisco Lopez-Jimenez, Debabrata Mukherjee, Edgar Lichstein: Relationship of Body Mass Index With Total Mortality, Cardiovascular Mortality, and Myocardial Infarction After Coronary Revascularization: Evidence From a Meta-analysis. DOI: 10.1016/j.mayocp.2014.04.020

Alban De Schutter, Carl J. Lavie, Sergey Kachur, Dharmendrakumar A. Patel, Richard V. Milani: Body Composition and Mortality in a Large Cohort With Preserved Ejection Fraction: Untangling the Obesity Paradox. DOI: 10.1016/j.mayocp.2014.04.025

Petch Wacharasint, MD; John Boyd, MD; James Russell, MD; Keith Walley, MD: Obese Patients Have Decreased Mortality and Express a Lower Inflammatory Cytokine Profile During Septic Shock, CHEST.2012;142(4_MeetingAbstracts):411A-411A. doi:10.1378/chest.1389940

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