Sonntag, 17. Januar 2016


Angst beeinflusst die Blutgerinnung
(Foto: tookapic - pixabay.com)
Angst sorgt dafür, dass mehr des Blutgerinnungsfaktors VIII ausgeschüttet wird. Der Körper schützt sich so vor drohenden Verletzungen.


Das Blut in den Adern gefrieren lassen: Diese Aussage bekommt durch aktuelle Forschungen eine neue wissenschaftliche Grundlage. Niederländische Wissenschaftler entdeckten, dass das Ansehen eines Horrorfilms dazu führt, dass mehr des Blutgerinnungsfaktors VIII im Körper ausgeschüttet wird. Sie berichten über ihre Entdeckung in der Weihnachtsausgabe des Fachjournals The British Medical Journal.



Schutz vor Verletzungen

»Wir hatten schon die Vermutung, dass Angst das Blut schneller gerinnen lassen könnte«, erzählt Banne Nemeth, Forschungsmediziner in der Abteilung klinische Epidemiologie der Universität Leiden. Eine bedrohliche Situation kann natürlich mit Verletzungen einhergehen. Dann ist es von Vorteil, wenn das Blut schneller gerinnt und das Risiko für tödliche Blutungen sich verringert.



Horrorfilm gegen Dokumentation

14 gesunde Teilnehmer, alle unter 30 Jahren, schauten den 90-minütigen Horrorfilm »Insidious«. Eine Woche später sahen sie sich genauso lange einen weniger aufregenden, aber lehrreichen Film über Champagner an (A year in Champagne). Zehn Teilnehmer sahen sich diese Filme in umgekehrter Reihenfolge an. Vor und nach den Filmen wurden die Blutwerte gemessen. Bei zwölf Teilnehmern (57 Prozent) erhöhte sich die Menge des Blutgerinnungsfaktors VIII nach dem Horrorstreifen, was nur bei drei (14 Prozent) der Teilnehmer passierte, die die Dokumentation über Champagner angesehen hatten.



Horrorfilme sind keine Gefahr

Die Erhöhung der Blutgerinnungsfaktoren bedeutet nicht, dass sofort Blutgerinnsel entstehen, beruhigt Nemeth. Menschen mit einer erhöhten Gerinnungsneigung brauchen deshalb nicht die geliebten Gruselfilme zu meiden. Blutgerinnung entsteht durch eine Kette von Eiweißen, die aktiv werden. »Wir haben vier Eiweiße gemessen und nur der Blutgerinnungsfaktor VIII zeigt sich bei einem signifikanten Teil der Horrorfilm-Zuschauer erhöht«, so Nemeth, der die Studie zusammen mit Luuk Scheres, einem Kollegen von der Abteilung klinische Epidemiologie, ausführte.



Gleichgewicht zwischen Blutgerinnung und Gerinnungshemmung gewährleistet

Es besteht immer ein Gleichgewicht zwischen Blutgerinnung und der Gerinnungshemmung im Körper, erklärt Nemeth. Der Körper bereitet sich darauf, dass Blut schnell gerinnen zu lassen, aber es sind mehr Auslöser nötig, beispielsweise eine Wunde. »Verletztes Gewebe gibt einen Gewebefaktor ab, der die Gerinnung tatsächlich in Gang bringt, aber das geht wahrscheinlich schneller, wenn bereits mehr Gerinnungsfaktoren im Blut vorhanden sind.«



Quelle: Nemeth Banne, Scheres Luuk J J, Lijfering Willem M, Rosendaal Frits R. Bloodcurdling movies and measures of coagulation: Fear Factor crossover trial BMJ 2015; 351 :h6367, doi: 10.1136/bmj.h6367

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