Mittwoch, 27. Februar 2019


Wissenschaftler zeigen die Vorteile der Schaukelbewegung auf Schlaf und Gedächtnis und bieten eine neue Perspektive im Kampf gegen Schlafstörungen.

Jeder der schon einmal ein Baby in den Schlaf gewiegt oder selbst mal ein Nickerchen in einer Hängematte gemacht hat, weiß, dass Schaukeln den Schlaf fördert. Aber warum ist das so? Um dieses Phänomen und die damit verbundenen Gehirnmechanismen zu verstehen, haben Forscher der Universitäten Genf (UNIGE), Lausanne (UNIL) und der Universitätskliniken Genf (HUG) zwei Studien durchgeführt: eine an jungen Erwachsenen und die andere an Mäusen. Ihre Ergebnisse, die in der Zeitschrift „Current Biology“ veröffentlicht wurden, zeigen, dass langsame und wiederholte Bewegungen während der Nacht die Aktivität der Gehirnströme verändern. Das Wiegen bewirkt also nicht nur einen tieferen Schlaf, sondern hilft auch das Gedächtnis zu stärken, das sich während bestimmter Schlafphasen festigt.
Schaukeln fördert Tiefschlaf
Die Wissenschaftler der Universität Genf hatten bereits in einer früheren Studie gezeigt, dass das Schaukeln während eines 45-minütigen Nickerchens Menschen hilft, schneller einzuschlafen und tiefer zu schlafen. Aber was sind die Auswirkungen dieser langsamen Bewegung auf das Gehirn? Um mehr herauszufinden, haben die Forscher zwei neue Studien – eine am Menschen und eine an Nagetieren – durchgeführt.

Die erste Studie untersucht die Auswirkungen des kontinuierlichen Schaukelns auf den Schlaf und die ihn charakterisierenden Gehirnströme. 18 gesunde junge Erwachsene verbrachten eine Nacht im Schlafzentrum, wo unter anderem Herzfrequenz, Atmung und Gehirnströme gemessen wurden. Nachdem die Testpersonen sich an die fremde Umgebung gewöhnt hatten, verbrachten sie zwei Nächte im Schlafzentrum. Eine Nacht auf einem schaukelnden Bett und die zweite Nacht auf demselben Bett, aber unbewegt.
Eine gute Nachtruhe bedeutet, schnell einzuschlafen und die ganze Nacht durchzuschlafen“, sagt Laurence Bayer, einer der Studienautoren. „Wir haben jedoch beobachtet, dass unsere Teilnehmer, obwohl sie in beiden Fällen gut geschlafen haben, schneller einschliefen, wenn sie geschaukelt wurden. Außerdem hatten sie längere Tiefschlafphasen und wachten seltener auf, was häufig mit einer schlechten Schlafqualität verbunden ist.“
Schaukeln synchronisiert Gehirnströme
Die Verstärkung des Tiefschlafes durch das Schaukeln ist die direkte Folge veränderter Gehirnströme während des Schlafes. Kontinuierliches Schaukeln ermöglicht es also, die neuronale Aktivität der Gehirnregionen zu synchronisieren, die eine wichtige Rolle für tieferen Schlaf, aber auch für das Gedächtnis spielen. „Um zu sehen, ob dieser Effekt auch das Gedächtnis beeinflusst, haben wir unsere Teilnehmer Gedächtnistests unterzogen: Sie mussten abends Wortpaare lernen und sich morgens beim Aufwachen daran erinnern“, erklärt eine der Studienautorinnen Aurore Perrault von der Universität Genf. „Und auch hier erwies sich das Schaukeln als vorteilhaft: Die Testergebnisse waren nach einer Nacht in Bewegung viel besser als nach einer ruhigen Nacht!“
Die zweite Studie wurde in Lausanne an Mäusen durchgeführt unter Leitung von Paul Franken, Professor für Biologie und Medizin an der Universität Lausanne. Wie auch beim Menschen verkürzte das Schaukeln der Mäusekäfige die Zeit, die sie zum Einschlafen brauchten, und erhöhte die Schlafdauer. Es verbesserte jedoch nicht wie beim Menschen die Schlafqualität.
Das Gleichgewichtsorgan spielt eine Rolle
Die in Lausanne durchgeführte Studie zeigte einen weiteren Schlüsselfaktor für die Schlafqualität auf: das vestibuläre System. Im Innenohr angesiedelt, steuert es Gleichgewicht und räumliche Orientierung. „Wir haben zwei Gruppen von Mäusen dem gleichen Schaukeln ausgesetzt: eine Gruppe mit nicht funktionierenden Sinnesrezeptoren im Innenohr und veränderter vestibulärer Funktion und eine Kontrollgruppe. Im Gegensatz zu den Kontrollmäusen profitierten die Mäuse der ersten Gruppe nicht von der Wirkung des Schaukelns im Schlaf“, sagt der Biologe und Mediziner Konstantinos Kompotis von der Universität Lausanne. „Die vestibuläre sensorische Stimulation beim Schaukeln wirkt daher auf die Nerven, die für die spezifischen Hirnschwingungen im Schlaf verantwortlich sind.“
Die Wissenschaftler hoffen, dass sie auf Basis ihrer Ergebnisse Patienten helfen können, die mit Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen zu kämpfen haben, wie Senioren, die häufig unter Schlaf- und Gedächtnisproblemen leiden.

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