Sonntag, 26. Mai 2013


Industriell gefertigtes Brot ist zu salzig
(Foto: romanov/pixabay.com)

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat bei einem Test von 274 Broten und Brötchen festgestellt, dass industriell gefertigtes Brot viel zu salzig ist. Die Forderung der Verbraucherschützer: Weniger wäre beim Brot mehr.


Bereits im Sommer 2012 haben die Verbraucherschützer die Zutatenlisten von Brot und Brötchen aus Supermärkten und Backautomaten auf ihren Salzgehalt überprüft.
Ernährungsexperten empfehlen, täglich nicht mehr als fünf bis sechs Gramm Kochsalz aufzunehmen. Der tatsächliche Salzkonsum liegt in Europa jedoch bei acht bis zwölf Gramm. Bei dem Test der Verbraucherzentrale enthielt schon eine Scheibe Brot von etwa 50 Gramm bis zu einem Gramm Salz. Nur bei den Vollkornbroten fiel die Bilanz etwas besser aus: Nur ein Vollkornprodukt war übersalzen.

Salz: täglich maximal sechs Gramm

Wenn Sie also täglich fünf Scheiben industriell gefertigtes Brot essen, haben Sie schon Ihr empfohlenes Kochsalzlimit erreicht. Und dann kommt noch der Brotbelag wie Wurst oder Käse hinzu und Kochsalz aus anderen Mahlzeiten oder Snacks. Und Ernährungswissenschaftler vertreten immer noch die Meinung, dass ein hoher Salzkonsum bei einem Großteil der Bevölkerung mitverantwortlich ist für die Entstehung von Bluthochdruck. In der Kritik stehen hier vor allem verarbeitete Lebensmittel wie beispielsweise Fertiggerichte, Konserven, Soßen und Fast Food. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO würde eine Reduzierung des Salzkonsums um 3 Gramm pro Tag jährlich 50.000 Herzinfarkte und Schlaganfälle verhindern.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung und die Verbraucherzentrale NRW fordern die Backwarenhersteller dazu auf, den Salzanteil im Brot innerhalb von fünf Jahren auf 1,5 Prozent - bezogen auf den Mehlanteil - zu senken. Sollten Empfehlungen nicht ausreichen, könnten zukünftig Grenzwerte gesetzlich vorgegeben werden. Momentan besteht noch auch noch keine Angabenpflicht bezüglich des Salzgehaltes von Lebensmitteln. Diese Regelung tritt erst 2016 in Kraft.

Empfehlungen für Konsumenten

Eine besonders salzarme Ernährung - weniger als 0,3 Gramm pro 100 Gramm - ist nur bei bestimmten Erkrankungen notwendig. Wer seinen Salzverzehr ein wenig im Auge behalten möchte, sollte bei Brot und Brötchen auf die Salz- beziehungsweise Natriumangabe auf der Verpackung achten. Ideal ist ein Salzgehalt von nicht mehr als 1,1 Gramm pro 100 Gramm oder 0,45 Gramm Natrium pro 100 Gramm. Wer den Salzgehalt berechnen möchte, muss den Natriumgehalt mit 2,54 multiplizieren. Bei loser Ware sollten Verbraucher nachfragen. In der Regel können die Bäcker anhand ihrer Rezepturberechnung Auskunft über den Salzgehalt geben.

Europa: salzarmes Brot teilweise Pflicht

Unsere europäischen Nachbarn haben die Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation WHO (Europäischer Aktionsplan Nahrung und Ernährung der WHO 2007 bis 2012) schon umgesetzt. Portugal führte als erstes europäisches Land am 12.08.2010 gesetzliche Grenzwerte für den Salzgehalt im Brot ein. Brot darf in Portugal maximal 1,4 Gramm Kochsalz pro 100 Gramm Fertigprodukt enthalten. Überschreitungen der Grenzwerte werden mit Geldbußen bis zu 5.000 Euro bestraft.

In den Niederlanden gilt zurzeit ein Grenzwert von 2,1 Gramm bezogen auf die Trockenmasse. Auf freiwilliger Basis senkt der Backwarensektor ab 01.01.2013 den Salzgehalt auf 1,8 Prozent bezogen auf die Trockenmasse. Sollten die freiwilligen Maßnahmen nicht ausreichen, werden gesetzliche Regelungen in Erwägung gezogen.

Österreichs Brötchenproduzenten reduzieren auf Initiative des Gesundheitsministeriums ebenfalls bis 2015 schrittweise den Salzgehalt in Backwaren von jetzt zwei Prozent bezogen auf ein Kilogramm Mehl auf 1,7 Prozent.
Nationale Gesundheitskampagnen zur Reduzierung des Salzgehalts laufen in anderen europäischen Ländern schon seit vielen Jahren: Finnland startete 1975 mit entsprechenden Maßnahmen und Großbritannien im Jahr 2003.


In Deutschland werden zur Zeit keinerlei Aktionspläne zur Salzreduktion durchgeführt. Die Verbraucherzentrale würde derartige Aktionen von Industrie und Handwerk auf freiwilliger Basis begrüßen, denn eine Absenkung des Salzgehalts wäre eine sinnvolle Vorbeugungsmaßnahme zur Erhaltung der Gesundheit und praktische Erfahrungen haben gezeigt, dass das schrittweise Absenken des Salzgehaltes von Verbrauchern geschmacklich nicht als Beeinträchtigung empfunden wird.

Quelle: Presseinformation Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: Zu viel Salz ins Brot gestreut: ein Viertel weniger wäre mehr. Stand 25.04.2013.

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