Sonntag, 7. September 2014


Schlafunterbrechungen sind ebenso schädlich
wie Schlafentzug
(Foto: tatlin / pixabay.com)

Israelische Wissenschaftler fanden heraus, dass gestörter Schlaf für den Körper genauso schädlich ist wie kein Schlaf.


Besonders frischgebackene Eltern kennen das Problem: Mit der Ankunft der neuen Erdenbürger gehören erholsame Nächte der Vergangenheit an. Die Lebensqualität der »Neu-Eltern« leidet durch nächtliche Notwendigkeiten wie Füttern, Windeln wechseln oder einfach das Beruhigen eines quengeligen Babys. Eltern fühlen sich deshalb auch morgens selten fit und ausgeruht, sondern oft erschöpfter als am Abend zuvor.

Schlafunterbrechungen beeinträchtigen Gehirnleistung

Eine neue Studie im Fachjournal »Sleep Medicine« erklärt, warum gestörter Schlaf körperlich genauso schädlich sein kann wie gar kein Schlaf. In der Studie stellten israelische Wissenschaftler der Universität Tel Aviv fest, dass Schlafunterbrechungen sowohl die Gehirnleistung und die Aufmerksamkeit beeinträchtigen als auch negative Stimmungen verursachen.

Schlafunterbrechungen gleichen einer vierstündigen Nachtruhe

Die Wissenschaftler entdeckten, dass gestörter Schlaf vergleichbar ist, mit vier Stunden ununterbrochenem Schlaf. »Der Schlaf vieler Elternpaare wird häufig unterbrochen durch äußere Einflüsse wie weinende Babys, die nachts versorgt werden müssen. Doch auch andere Berufssparten wie beispielsweise Ärzte, die nachts durch Telefonanrufe geweckt werden, leiden unter den Folgen von Schlafunterbrechungen«, erklärt Professor Avi Sadeh. »Diese nächtlichen Wachphasen können relativ kurz sein - nur fünf bis zehn Minuten - aber sie unterbrechen den natürlichen Schlafrhythmus. Die Auswirkungen dieser Wachphasen auf die Aufmerksamkeit am Tage, auf die Stimmung und die geistige Leistungsfähigkeit wurde bisher nicht untersucht. Unsere Studie ist die erste, die ernste schädliche kognitive und emotionale Effekte nachweist.«

Schlafunterbrechungen bisher nicht systematisch untersucht

»Während meiner Beratung dieser Eltern fiel mir auf, dass der Einfluss von mehreren Nächten mit Schlafunterbrechungen noch nie systematisch untersucht wurde«, sagt Professor Sadeh, der eine Schlafklinik an der Universität Tel Aviv leitet, wo er erschöpfte und verzweifelte Eltern berät, wie sie mit dem dauernden nächtlichen Aufwachen ihrer Kinder am besten zurechtkommen.
»Viele frühere Studien haben zwar Zusammenhänge angedeutet, aber keine konnte einen kausalen Zusammenhang nachweisen. Unsere Studie beweist, dass das nächtliche Aufwachen bei ansonsten gesunden Personen ganz klar zu beeinträchtigter Aufmerksamkeit und schlechter Stimmung führt.«

Vier Wachphasen von 10 bis 15 Minuten

Die Studie wurde mit Psychologie-Studenten der Universität Tel Aviv durchgeführt. Ihr individueller Schlafrhythmus wurde zu Hause überwacht mit Hilfe eines Messgerätes am Handgelenk, das Wach- und Schlafzeiten ermittelte. Die Studenten schliefen zunächst acht Stunden und wurden in der nächsten Nacht viermal telefonisch geweckt, um eine kurze Aufgabe am Computer durchzuführen. Nach einer Wachphase von 10 bis 15 Minuten legten sie sich wieder schlafen. Am darauffolgenden Morgen sollten die Probanden bestimmte Computeraufgaben fertigstellen, um ihre Wachheit und Aufmerksamkeit zu beurteilen und sie beantworteten Fragen über ihre Stimmung.

Eine Nacht mit Schlafunterbrechungen zeigt deutliche Auswirkungen

Das Experiment zeigte eine direkte Verbindung zwischen verringerter Aufmerksamkeit, schlechter Stimmung und gestörtem Schlaf - nach nur einer Nacht mit wiederholten Schlafunterbrechungen. »Unsere Studie zeigt die Auswirkung nur einer gestörten Nachtruhe«, so Sadeh. »Aber wir wissen, dass diese Effekte sich anhäufen und deshalb ist der Preis, den frischgebackene Eltern zahlen müssen enorm, denn drei bis zehn Schlafunterbrechungen pro Nacht für etliche Monate sind durchaus die Regel.«

Forschungen in der Vergangenheit untersuchten nur Schlafentzug

Forscher erklären, dass in den letzten 50 Jahren, der Fokus bei der Schlafforschung mehr auf Schlafentzug lag. Die Auswirkungen von Unterbrechungen während des Schlafes - ein weit verbreitetes Phänomen in vielen Lebensbereichen - wurden beinahe ganz ignoriert. Neben den körperlichen Auswirkungen des gestörten Schlafes entwickeln Eltern oft auch Gefühle von Ärger ihren Kindern gegenüber und fühlen sich dann wegen dieser Gefühle schuldig.

Schlafstörungen bei Kindern vorbeugen, hilft auch den Eltern

Sadeh glaubt, dass die neue Studie Wissenschaftlern und Medizinern helfen könnte, die Folgen von dauernden Schlafunterbrechungen bei Personen rechtzeitig zu erkennen. Die neuen Forschungen beinhalten auch die Bewertung von Maßnahmen bei kindlichen Schlafstörungen, die die nachteiligen Auswirkungen auf den Schlaf der Eltern reduzieren kann.

Quelle: Michal Kahn, Shimrit Fridenson, Reut Lerer, Yair Bar-Haim, Avi Sadeh. Effects of one night of induced night-wakings versus sleep restriction on sustained attention and mood: a pilot study. Sleep Medicine, 2014; 15 (7): 825 DOI: 10.1016/j.sleep.2014.03.016

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