Freitag, 23. Januar 2026

Zahnwurzelbehandlung beugt Krankheiten vor

Eine Zahnwurzelbehandlung beugt Krankheiten vor (Foto: pexels.com/Arvind Philomin)


Ein Besuch beim Zahnarzt wird für die meisten Menschen kaum zu den Höhepunkten des Jahres zählen, schon gar nicht, wenn eine Wurzelbehandlung ansteht. Aber dieser Eingriff hat ungeahnte Auswirkungen. Laut einer neuen britischen Studie bringt er weit mehr als nur die Rettung eines schmerzenden Zahns.

 

Eine erfolgreiche Wurzelbehandlung senkt nämlich das Risiko für Herzerkrankungen, Diabetes und Entzündungen an anderen Stellen im Körper. Das geht aus einer Studie des King's College London hervor, die sich mit einer häufig auftretenden Infektion befasste: der apikalen Parodontitis. Dabei handelt es sich um eine Entzündung des Gewebes um die Wurzelspitze eines Zahns, die häufig durch einen abgestorbenen Zahnnerv verursacht wird, der sich durch fortgeschrittene Karies entzündet hat. Dies ist nicht nur schmerzhaft, sondern auch gefährlicher, als viele Menschen denken. Eine solche Infektion kann Bakterien direkt in den Blutkreislauf katapultieren und zu einer erhöhten Entzündungsreaktion im gesamten Körper, schlechteren Blutzuckerwerten und ungesunden Fetten im Blut führen – alles Faktoren, die das Risiko für Herzprobleme, Arteriosklerose (Arterienverkalkung) und Diabetes erhöhen.

Was passiert im Blut?

Bislang gab es nur wenige Untersuchungen darüber, wie sich diese Risiken entwickeln, wenn die Infektion erfolgreich behandelt wird. Das hat sich nun geändert. Zum ersten Mal haben Forscher die Blutwerte von Patienten ein Jahr vor der Wurzelbehandlung bis zwei Jahre danach beobachtet. Insgesamt nahmen 65 Patienten des Londoner Guy's and St. Thomas' NHS Foundation Trust daran teil. Mithilfe der NMR-Spektroskopie (Kernspinresonanz) analysierten sie, wie der Körper Zucker, Fette und Proteine verarbeitet und vor allem, welche Veränderungen nach einer erfolgreichen Zahnbehandlung auftreten.

Das Ergebnis: Die Blutzuckerwerte sanken in den zwei Jahren nach der Behandlung. Das ist eine gute Nachricht, denn ein hoher Blutzuckerspiegel ist ein Vorläufer von Diabetes. Cholesterin und andere Blutfette hatten sich bereits unmittelbar nach der Wurzelkanalbehandlung deutlich verbessert. Dies steht in direktem Zusammenhang mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Darüber hinaus war ein Rückgang wichtiger Entzündungsmarker zu beobachten, die mit Herzproblemen und chronischen Erkrankungen in Verbindung stehen. Außerdem zeigte sich, dass Zahninfektionen eindeutig mit Veränderungen im Stoffwechsel in anderen Körperregionen zusammenhängen. Was in Ihrem Mund geschieht, hat also einen viel größeren Einfluss auf unter anderem Ihr Herz und Ihre Bauchspeicheldrüse als bisher angenommen.

Früher Diagnose und Behandlung entscheidend

„Unsere Studie zeigt, dass eine Wurzelkanalbehandlung nicht nur Ihre Mundgesundheit verbessert“, sagt Forschungsleiterin Sadia Niazi. „Sie senkt auch das Risiko für schwerwiegende Erkrankungen wie Diabetes und Herzkrankheiten. Mundgesundheit und Mundhygiene sind untrennbar mit der allgemeinen Gesundheit verbunden. Es ist wichtig, dass wir uns das alle bewusst machen.“

Sie weist darauf hin, dass langwierige Wurzelkanalinfektionen weit mehr Schaden anrichten als nur Zahnschmerzen. „Wenn Bakterien in den Blutkreislauf gelangen, verursachen sie Entzündungen und erhöhen den Glukose- und Fettgehalt. Das erhöht das Risiko für schwere Erkrankungen. Deshalb sind eine frühzeitige Diagnose und Behandlung beim Zahnarzt entscheidend.“

Ganzheitliche Versorgung

Niazi plädiert für eine engere Zusammenarbeit zwischen Zahnärzten und Hausärzten: „Wir müssen zu einer integrierten Versorgung übergehen. Gemeinsam können wir anhand von Blutmarkern wie Glukose, Triglyceriden und dem Protein Tryptophan viel besser einschätzen, wie Patienten am besten genesen können und wo die Risiken liegen. Es ist höchste Zeit, über den Zahn hinauszuschauen und die Mundpflege wirklich ganzheitlich anzugehen.“

 

Der nächste Schritt besteht darin, eine Folgeuntersuchung mit mehr Teilnehmern durchzuführen, aber man darf bereits jetzt zu dem Schluss kommen, dass eine gute Mundpflege ein überraschend wirksames Mittel im Kampf gegen Krankheiten ist, die auf den ersten Blick nichts mit den Zähnen zu tun zu haben scheinen.

 

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