Dienstag, 7. Juli 2015


Trinken Sie vor dem Autofahren genug
(Foto: Riedelmeier - pixabay.com)
Wer sich durstig hinters Steuer setzt, macht die gleichen Fahrfehler wie ein betrunkener Fahrer.

Laut einer kleinen Studie der Loughborough-Universität machen Autofahrer, die nicht genug Flüssigkeit getrunken haben, dieselbe Art von Fehlern wie diejenigen, die zu viel Alkohol getrunken haben. Bereits eine milde Dehydrierung kann zu Fehlern und Unfällen führen, sagen die Wissenschaftler.

Langweilige Fahrt im Simulator
Für die Studie fuhren zwölf Männer an zwei Tagen in einem Fahrsimulator. Die Männer waren zwischen 18 und 26 Jahren und hatten seit mindestens zwei Jahren den Führerschein. Für jeden Test absolvierten die Teilnehmer im Simulator eine zweistündige monotone Fahrt auf einer Schnellstraße mit Kurven, Standstreifen und gelegentlich langsamen fahrenden Fahrzeugen, die überholt werden sollten. Am ersten Testtag bekamen die Teilnehmer stündlich 200 Milliliter Flüssigkeit; am zweiten Testtag wurde die Trinkmenge auf 25 Milliliter pro Stunde begrenzt.

Doppelt so viele Fahrfehler bei geringerer Trinkmenge
Nach dem Test summierten die Wissenschaftler die Anzahl der Fahrfehler, die am Versuchstag stattgefunden hatten. Spätes Bremsen, von der Fahrspur abweichen, Berühren oder Überschreiten des Rüttelstreifens auf der Standspur wurden als kleinere Zwischenfälle klassifiziert. Die Fahrspur komplett verlassen, Berühren der Mittelleitplanke oder Kollision mit einem anderen Fahrzeug wurden als größere Zwischenfälle eingestuft.

Geringere Konzentration und Aufmerksamkeit
Mittels einer Kamera mit Fokus auf dem Gesicht jeden Fahrers konnten die Wissenschaftler bestimmen, wann Fahrfehler durch Müdigkeit verursacht wurden. Tatsächlich musste einer der Teilnehmer vom Test ausgeschlossen werden, weil er ständig am Steuer einnickte, vermutlich aufgrund von Schlafmangel.
Während des Fahrversuchs mit der höheren Flüssigkeitsmenge registrierten die Wissenschaftler 47 Zwischenfälle. An dem Tag, als die Männer nur 25 Milliliter Flüssigkeit pro Stunde erhielten, zählten die Forscher mehr als doppelt so viele Zwischenfälle, nämlich 101.
Das Forschungsteam sagt, dass diese höhere Anzahl vergleichbar ist mit den Reaktionen unter Alkohol- oder Drogeneinfluss. Während des Tests hatten die Teilnehmer auch schon selbst mitgeteilt, dass ihre Konzentration und Aufmerksamkeit beeinflusst war.

Genauso viele Fahrfehler wie mit 0,8 Promille Alkohol
Ron Maughan, Professor für Sport- und Ernährungswissenschaften an der Loughborough-Universität, sagt: »Wir bedauern alle Alkoholkonsum am Steuer, aber wir denken meist nicht über andere Dinge nach, die unsere Fahrtüchtigkeit beeinflussen können. Dazu gehört auch zu wenig zu trinken mit als Folge Dehydrierung. Es steht außer Frage, dass Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss das Risiko für Unfälle erhöht. Aber unsere Studienergebnisse heben die unerkannte Gefahr hervor, die auftritt, wenn Autofahrer nicht genügend Flüssigkeit trinken. Um unsere Ergebnisse in die richtige Relation zu bringen: Die Anzahl der registrierten Fahrfehler ist in der Größenordnung vergleichbar mit Fahrern, die einen Blutalkoholspiegel von 0,8 Promille haben.«

Fahrtipps für den Sommer
Mehr als 90 Prozent der Verkehrsunfälle sind auf Fahrfehler und menschliches Fehlverhalten zurückzuführen. Experten raten daher vor allem im Sommer bei längeren Fahrten und vor Urlaubsreisen auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Leider geschieht oft genug gerade das Gegenteil: Um längere Aufenthalte und Pausen während der Fahrt zu vermeiden, wird besonders wenig getrunken. Doch trinkt man zu wenig, um die Anzahl der »Pinkelpausen« zu reduzieren, bekommt man die Folgen selbst einer leichten Dehydrierung schnell zu spüren. Bei mangelnder Flüssigkeitszufuhr meldet sich der Körper mit Symptomen wie Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, Schwäche, Müdigkeit und Trägheit.

Beachten Sie vor dem Antritt einer längeren Autofahrt folgende Trinktipps:
  • Frauen benötigen etwa 1,6 Liter (acht Gläser á 200 ml) pro Tag an Flüssigkeit
  • Männer sollten etwa 2 Liter (zehn Gläser á 200 ml) täglich trinken
  • Achten Sie auf die Farbe Ihres Urins: je dunkler, desto mehr ausgetrocknet ist der Körper
  • Denken Sie daran, dass nicht nur alle nicht-alkoholischen Getränke wie Wasser, Milch, Fruchtsaft und Tee zum Ausgleichen der Flüssigkeitsmenge geeignet sind, sondern auch Obst und Gemüse mit hohem Wasseranteil wie Melonen und Gurken
  • Kleinkinder haben einen Flüssigkeitsbedarf von mindestens 1,3 Litern (6,5 Gläser á 200 ml)
  • An heißen Sommertagen kann der Flüssigkeitsbedarf des Körpers schnell um das 2- bis 3-fache ansteigen

Quelle: Phillip Watson, et al. Mild hypohydration increases the frequency of driver errors during a prolonged, monotonous driving task. Physiology & Behavior, April 2015. doi: 10.1016/j.physbeh.2015.04.028

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