Donnerstag, 4. August 2016


Bauchfett hat bei Frauen und Männern
unterschiedliche Auswirkungen
(Foto: whitestorm - fotolia.com)
Viel Bauchfett ist ungesund und kann gesundheitliche Probleme verursachen. Doch es gibt einen gravierenden Unterschied zwischen den Geschlechtern.


Den »Bierbauch« findet man im Allgemeinen eher bei Männern als bei Frauen. Das gilt zumindest für bestimmte Altersgruppen. Denn je älter Frauen werden, desto mehr ändert sich die Fettverteilung am Körper. Die Figur wird »männlicher«. Das »Hüftgold« rutscht sozusagen von der Hüfte an den Bauch. Betroffen sind hauptsächlich Frauen während und nach den Wechseljahren. Schuld ist das männliche Geschlechtshormon Testosteron. Seine Wirkung kann durch die nachlassende Östrogenproduktion weniger gut kompensiert werden.

Bauchfett ist stoffwechselaktiv
Viel Fett im Bauchraum ist nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern kann schlimmstenfalls ernste Gesundheitsprobleme verursachen. Denn das Bauchfett produziert Fettsäuren, die Entzündungen fördern und zu Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck und Herz- und Gefäßkrankheiten führen können. Karin Gast von der Universität Leiden wollte verstehen, wie die unterschiedlichen Arten von Bauchfett mit diesen Krankheiten zusammenhängen. Sie entdeckte in ihrer Promotionsarbeit einen bemerkenswerten Unterschied zwischen Männern und Frauen.

Zusammenhang zwischen Bauchfett und Erkrankungen
Zwischen 2008 und 2012 nahmen mehr als 5.000 Übergewichtige an der NEO-Studie (Nederlandse Epidemiologie van Obesitas) teil. »Ihr Taillenumfang wurde gemessen und bei vielen wurden zusätzlich MRT-Bilder gemacht«, erzählt Karin Gast. Der Taillenumfang vermittelt einen Eindruck des Gesamtbauchfettes, aber wenn man genau wissen möchte, wie viel Fett rund um die Organe sitzt und wie viel unter der Haut, dann braucht man bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie. »Wir untersuchten, wie die verschiedenen Arten von Bauchfett mit Insulinresistenz - Risikofaktor für Diabetes - und Gefäßverkalkung - Vorläufer für Herz- und Gefäßkrankheiten - zusammenhängen.«

Einfluss von Hormonen
Wie erwartet, hängt mehr Bauchfett rundum die Organe tatsächlich zusammen mit der Unempfindlichkeit für Insulin und mit Gefäßverkalkung. »Aber im Gegensatz zu früheren Meinungen, spielt es bei Männern keine große Rolle, ob das Fett unter der Haut oder rundum die Organe gespeichert wird. Bei Frauen scheint aber gerade das Fett an den Organen ein besonders hohes Gesundheitsrisiko dazustellen«, sagt Gast. Der Grund dafür, ist noch unklar. »Möglicherweise hat es mit den Geschlechtshormonen zu tun«, meint Gast. »Nach den Wechseljahren produzieren Frauen weniger Östrogen und das ändert auch die Fettverteilung. Vielleicht sorgen Hormone sowohl für mehr Bauchfett rundum die Organe als auch für ein höheres Diabetesrisiko. Aber es sind auch andere Erklärungen denkbar.« Zukünftige Forschungen müssen mehr Klarheit über die Ursachen und Folgen von Bauchfett bei Frauen bringen.

Vorstadium Diabetes
Ein anderer Teil von Gasts Forschung beschäftigte sich mit der Verbindung zwischen Diabetes und Herz- und Gefäßkrankheiten. Menschen mit Typ 2-Diabetes haben ein höheres Risiko für Gefäßkrankheiten wie Herzinfarkt und Schlaganfall. »Aber gilt das auch für Menschen, die noch keinen Diabetes haben, aber schon einen erhöhten Blutzuckerspiegel und eine verringerte Empfindlichkeit für Insulin?«, fragte Gast sich. Diese Menschen haben tatsächlich häufiger Gefäßverkalkung. Das deutet wiederum auf ein erhöhtes Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten. »Aber aus unseren Berechnungen ging hervor, dass die Menge an Bauchfett stark zusammenhängt mit der Unempfindlichkeit für Insulin und einem höheren Blutzuckerspiegel, genau wie bei Arteriosklerose. Das weist darauf hin, dass das Bauchfett wirklich der Übeltäter ist.«

Taillenumfang messen
Gast, die nun in der Ausbildung zur Mikrobiologin ist, möchte, dass Ärzte dem Bauchfett mehr Aufmerksamkeit schenken. »In einer durchschnittlichen Hausarztpraxis laufen viele Menschen mit einem dicken Bauch herum. Es ist unmöglich von all diesen Menschen MRT-Bilder anzufertigen, aber der Taillenumfang ist schnell gemessen. Wahrscheinlich gibt der Taillenumfang in Kombination mit bestimmten Blutwerten schon einen Hinweis, wer ein erhöhtes Risiko hat. Diesen Menschen kann ein gesünderer Lebensstil und Gewichtsabnahme helfen.«

Quelle: Medizinisches Zentrum der Universität Leiden

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