Sonntag, 3. September 2017


In der nahen Zukunft kann man die Grippeimpfung selbst durchführen. Ganz ohne Spritze. Einfach ein Pflaster aufkleben und fertig.

Vielen ist die jährliche Grippeimpfung ein Gräuel. Auch wenn es nur ein kleiner Pieks ist. Daher ist die Impfquote auch entsprechend gering. Nur etwa 30 Prozent der erwachsenen Bevölkerung lassen sich laut Angaben des Robert-Koch-Instituts jährlich gegen Influenza-Viren impfen. Sogar bei chronisch Kranken liegt die Anzahl derer, die eine Grippeimpfung in Anspruch nehmen, mit rund 40 Prozent äußerst niedrig. Doch die Gefahren einer Influenza-Infektion werden unterschätzt. Immungeschwächte Personen wie Senioren ab 60 und Menschen mit chronischen Erkrankungen des Stoffwechsels wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Krankheiten, Erkrankungen der Atemwege, neurologischen Krankheiten sowie Leber- und Nierenproblemen sollten sich jährlich impfen lassen. Denn bei diesen Personengruppen besteht ein erhöhtes Risiko, dass eine Influenza-Infektion schwerer oder sogar tödlich verläuft.
Ein Pflaster soll die Spritze ablösen
Alle, die Spritzen, Nadeln und Injektionen verabscheuen, können in naher Zukunft aufatmen. Denn die Grippespritze soll durch ein Pflaster ersetzt werden. Das Pflaster ist mit Mikronadeln ausgestattet, die den Grippeimpfstoff schmerzlos in die Haut einbringen. Diese Methode ist nicht nur ein Stück angenehmer für den Patienten, sondern auch wesentlich kostengünstiger, da das Impfserum vom Empfänger selbst verabreicht werden kann. Zudem lassen sich die Pflaster mit dem Impfstoff lange aufbewahren, ohne dass sie gekühlt werden müssen.
Klinische Tests bestätigen die Wirkung
Es scheint beinahe zu schön, um wahr zu sein. Aber die neue Studie im Fachmagazin „The Lancet“ zeigt, dass diese neue Impfmethode tatsächlich funktioniert. Wissenschaftler untersuchten 100 Testpersonen, verteilt in vier Gruppen. In der ersten Gruppe wurden die Pflaster mit dem Grippeimpfstoff von Pflegekräften verabreicht. In der zweiten Gruppe machten die Testpersonen das selbst. In der dritten Gruppe verabreichten Pflegekräfte den Impfstoff mit der herkömmlichen Grippespritze. Die Teilnehmer der vierten Gruppe erhielten von Pflegekräften ein Pflaster ohne Wirkstoff.
Kaum Nebenwirkungen
Die Studie zeigt, dass der Grippeimpfstoff, der über das Pflaster verabreicht wird, genauso wirksam ist wie ein Impfstoff, der injiziert wird. Zudem war es für die Testpersonen kein Problem, dass Impf-Pflaster selbst anzubringen. Nebenwirkungen traten ebenfalls kaum auf. Im schlimmsten Fall zeigte sich eine leichte Hautrötung mit geringem Juckreiz an der Stelle, wo das Pflaster aufgeklebt wurde. Diese Beschwerden verschwanden nach einigen Tagen von selbst. Es wurden keine neuen chronischen oder grippeähnliche Erkrankungen registriert. Die anhand von Blutproben ermittelte Antikörper-Bildung war in der Pflastergruppe ähnlich gut wie bei Patienten mit herkömmlicher Grippe-Impfung und hielt auch für sechs Monate an. Mehr als 70 Prozent der Pflaster-Anwender würden zukünftig die Pflaster-Impfung oder eine Nasenspray-Impfung bevorzugen.
Höhere Motivation für eine Grippeimpfung
Die Wissenschaftler hoffen, dass diese neue Impf-Methode dazu führt, dass sich mehr Menschen gegen Grippe impfen lassen. „Menschen haben viele Gründe, sich nicht gegen Grippe impfen zu lassen“, behauptet Mark Prausnitz, Professor für chemische und biomolekulare Technik am Georgia Institute of Technology. „Einer der wichtigsten Gründe für die Entwicklung dieser Technologie war: Impfstoffe für mehr Menschen zugänglich zu machen. Momentan muss man für eine Grippeimpfung zum Arzt, der den Impfstoff injiziert. Der Impfstoff wird im Kühlschrank gelagert und die benutzte Injektionsnadel muss auf sichere Weise entsorgt werden. Ein Pflaster kann man mitnehmen, zu Hause für einige Minuten auf die Haut kleben, wieder abziehen und wegwerfen, weil die Mikro-Nadeln sich aufgelöst haben. Die Pflaster können auch außerhalb des Kühlschranks aufbewahrt werden, das heißt, man kann sie sogar per Post verschicken.“
Die Wissenschaftler arbeiten nun auch daran, Pflaster mit Mikronadeln für die Verwendung mit anderen Impfstoffen gegen Masern, Röteln und Kinderlähmung zu entwickeln.

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