Sonntag, 26. August 2018


Was wir essen, beeinflusst nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch chronische Schmerzen.
Die Ernährung hat einen enormen Einfluss auf die Gesundheit. Von Diabetes bis zu Herzerkrankungen: Schlechte Ernährung kann ein großer Risikofaktor sein. Und was ist mit chronischen Schmerzen? Neuere Studien deuten darauf hin, dass die Ernährung tatsächlich Schmerzzustände beeinflussen kann.
Ende 2017 trafen sich Zehntausende von Forschern zur Jahrestagung der Society for Neuroscience (SfN), der weltweit größten Konferenz auf dem Gebiet der Neurowissenschaften. Dort wurden die neuesten Erkenntnisse zu Ernährung und Schmerz ausgetauscht.
Schmerzen und mehrfach ungesättigte Fettsäuren
Der Schwerpunkt lag vor allem auf mehrfach ungesättigten Fettsäuren, auch als Polyunsaturated fatty acids = PUFAs bezeichnet, die reichlich in der Nahrung vorhanden sind und eine wichtige Rolle spielen im Immunsystem und weiteren Körperfunktionen. Einige PUFAs können Entzündungen fördern oder reduzieren. Omega-3-Fettsäuren aus Fisch und Nüssen wirken beispielsweise entzündungshemmend, während Omega-6-Fettsäuren Entzündungen verursachen und chronische Schmerzen verschlimmern. Wir essen meist zuviele Omega-6-Fettsäuren, denn sie sind in verarbeiteten und frittierten Lebensmitteln enthalten.
Omega-6-Fettsäuren fördern Schmerzen und Entzündungen
Omega-6-Fettsäuren erhöhen das Risiko für Schmerzen. Sie regen die Aktivität des Proteins TRPV1 an, das sich in sensorischen Nervenzellen befindet und Hitze erkennt. Ein verwandtes Protein TRPA1 wird unter anderem durch Kälte aktiviert. Die Stoffwechselprodukte der Omega-6-Fettsäuren aktivieren sowohl TRPV1 als auch TRPA1 und können daher durch Wechselwirkung mit diesen Proteinen eine Zunahme der Schmerzen hervorrufen. Dies stellte sich auch heraus, als Mäuse Nahrung erhielten, die aus 5 oder 10 Prozent Omega-6-Fettsäuren bestand. Die Mäuse waren nach 15 Wochen schmerzempfindlicher und auch hitzeempfindlicher geworden.
Omega-3-Fettsäuren schützen vor Schmerzen
Wenn Omega-6-Fettsäuren also Schmerzen fördern, können Omega-3-Fettsäuren dann Schmerzen lindern? Das wurde getestet an Ratten mit Diabetes. Genau wie Menschen entwickeln Ratten eine schmerzhafte Neuropathie als Folge einer Diabeteserkrankung. Als Ergebnis zeigen sie eine Schmerzempfindlichkeit auf Reize, die normalerweise nicht schmerzhaft sind. Die Ratten erhielten Fischöl, das reich an Omega-3-Fettsäuren ist. In den Stunden nach einer akuten Behandlung mit Omega-3-Fettsäuren waren die Ratten schmerzresistenter und konnten stärkere Schmerzreize verkraften. Dieser Effekt hielt etwa zwei Stunden an. Nach zwei Wochen Omega-3-Behandlung erhielten die Ratten die höchste Dosis Fischöl und reagierten auf Schmerzen wie gesunde Ratten ohne Diabetes.
Die westliche Ernährung verändert die Darmflora
Unsere westliche Standardernährung (reich an verarbeiteten Kohlenhydraten, Transfettsäuren und Omega-6-Fettsäuren) verzögerte bei Mäusen die Genesung von Schäden, die mit Entzündungen einhergehen. Die Mäuse erhielten eine westliche Ernährung, eine normale Ernährung oder eine entzündungshemmende Diät mit vielen Omega-3-Fettsäuren. Die Mäuse wurden bei der westlichen Diät dicker und brauchten doppelt so lange, um sich zu erholen, als Mäuse, die normal ernährt wurden. Die Mäuse, die mit vielen Omega-3-Fettsäuren ernährt wurden, erholten sich am schnellsten.
Die bakterielle Zusammensetzung unseres Darms, das sogenannte Mikrobiom, ist die Schlüsselverbindung zwischen der Energieversorgung und dem Immunsystem. Actinobakterien schienen im Darm der Mäuse reichlich vorhanden, die viele Omega-3-Fette in ihrer Ernährung bekamen. Actinobakterien sind nützliche Darmbakterien. Bei Mäusen, die der westlichen Diät gefolgt waren, fanden sich schädliche Proteobakterien im Überfluss. Zudem gab es bei ihnen einen erheblichen Rückgang von Bacteroidetes. Dieser Bakterienstamm wurde am stärksten beeinflusst von der ungesunden Ernährung, obwohl er Teil einer gesunden Darmflora sein sollte.
Zucker verändert die Wirkung von Schmerzmitteln
Fruktosesirup
Es wurde auch untersucht, welche Rolle Fruktosesirup (auch bekannt als Fruktose-Mais-Sirup, HCFS=High Fructose Corn Sirup und Ähnliches) spielt. Das verändert die Reaktion des Gehirns auf Schmerzmittel wie Opioide. Es ist bekannt, dass manche Menschen von diesen Schmerzmitteln abhängig werden, andere wiederum nicht. Studien zufolge lässt sich das auf bestimmte Ernährungsweisen zurückführen. Zucker wirkt auf das Belohnungssystem im Gehirn, ähnlich wie Opioide. Das wurde an Ratten getestet, die zuckerfreies Wasser oder Wasser mit Fruktosesirup erhielten. Nach neun Tagen wurde die Reaktion auf das Opioid Oxycodon geprüft.
Die Ratten, die zuckerfreies Wasser erhalten hatten, konnten wieder einigermaßen normal funktionieren. Bei den Ratten, die die Fruktosesirup-Lösung getrunken hatten, war das nicht der Fall. Es stellte sich heraus, dass der Fruktosesirup eine Abnahme des Dopamins verursacht hatte, das normalerweise als Reaktion auf Oxycodon freigesetzt wird. Der Fruktosesirup hatte die Reaktion auf Oxycodon verändert und dies hatte Auswirkungen auf das Verhalten und die Produktion von Dopamin. Dies deutet darauf hin, dass Oxycodon bei Ratten, die Fruktosesirup konsumiert hatten, weniger auf das Belohnungssystem wirkte, was ein mögliches Suchtrisiko beinhaltet.

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