Sonntag, 4. November 2018


Kräutertees sind einfache, aber wirksame Hausmittel, zur Linderung diverser Beschwerden. Und der gute Geschmack ist ein zusätzlicher Pluspunkt. Welche wirken und wie man sie zubereitet.
Ein Kräutertee ist im eigentlichen Sinne des Wortes kein Tee, weil er kein Teein enthält und auch nichts von einer Teepflanze wie Camellia sinensis (China-Busch) oder Camellia assamica (Assam-Busch) verwendet wird. Es handelt sich um eine Extraktion oder einen Aufguss, den man erhält, wenn man Blüten, Blätter oder Wurzeln einer Pflanze in heißem Wasser ziehen lässt. Ziel ist, die flüchtigen oder leicht löslichen Substanzen im Wasser zu lösen.
Auf der Getränkekarte jedes besseren Gastronomiebetriebes findet man diese Zubereitungen oft unter der Rubrik Aufgüsse. Die Franzosen bezeichnen sie als "tisane", was ein Stück poetischer und appetitlicher klingt.
Eine Tasse Phytotherapie
Phytotherapie oder Kräutermedizin, bei der Heilkräuter zur Bekämpfung oder Behandlung aller Arten von Krankheiten eingesetzt werden, gab es bereits in den ältesten uns bekannten Zivilisationen. Zum Beispiel bei den Ägyptern, aber auch in Indien, China und Peru.
Das Trinken von Aufgüssen, Infusionen oder Kräutertees ist der ideale Weg, um die wohltuende und manchmal auch therapeutische Wirkung einer Pflanze zu genießen. Vorausgesetzt natürlich, dass ein solcher Tee aus hochwertigen Rohstoffen hergestellt wird und die Kräuter nicht zu sehr zerkleinert, sonder ganz gelassen werden. Letzteres ist wichtig, um so viel wie möglich die ätherischen Öle zu bewahren, die die medizinische Wirkung hervorrufen. Beim Brechen der Pflanze gehen sie teilweise verloren. (Getrocknete) Kräuter, die luftdicht verpackt sind, können länger (bis zu einem Jahr) gelagert werden als Kräuter, die in Säckchen verkauft werden.
Wie bereitet man Kräutertee zu?
Kräutertees können sowohl aus frischen als auch aus getrockneten Pflanzen hergestellt werden. Es gibt eigentlich drei Arten der Zubereitung: Aufguss, Abkochen oder Auszug.
1. Aufguss: Die Tee-Kräuter werden mit kochendem Wasser übergossen, abgedeckt und 5 bis 15 Minuten abgesiebt. Das entspricht der Zubereitung von echtem Tee.
2. Abkochen: Die Kräuter werden erst mit kaltem Wasser bedeckt, anschließend für 3 bis 15 Minuten aufgekocht und schließlich abgesiebt.
3. Auszug: Die Kräuter werden nicht gekocht, sondern müssen bis zu acht Stunden in kaltem Wasser ziehen, bevor sie abgesiebt werden.
Kräutertees, die für ihre Heilkräfte bekannt sind
Medizinische Eigenschaften werden vielen Arten von Kräutertees zugeschrieben. Sie sollen die Verdauung fördern, Ängste oder Stress abbauen oder den Schlaf verbessern...
Die wissenschaftlich Forschung ist noch dabei herauszufinden, ob dieser gute Ruf auch der Wahrheit entspricht. Doch es gibt schon fünf Sorten Kräutertee, deren Wirksamkeit sich nachweisen ließ. Diese sollen hier ein wenig hervorgehoben werden. Nicht nur, weil mehr über sie bekannt ist, sondern auch, weil sie sehr wenige Nebenwirkungen haben.
Ingwertee gegen Übelkeit
Ingwer hat den Ruf, gegen Übelkeit und Erbrechen zu helfen, die Verdauung anzuregen und entzündungshemmend zu wirken, unter anderem bei Erkältungen.
Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Ingwer gegen Übelkeit hilft. Dass er auch Erschöpfung und Verdauungsprobleme lindert, ist noch nicht hundertprozentig bewiesen.
Wie bereitet man Ingwertee zu?
Drei Gramm getrocknete Ingwerwurzel mit einer Tasse Wasser zwanzig Minuten kochen. Den Ingwer herausfiltern und den Sud in eine Tasse geben. Man trinke dreimal täglich eine Tasse nach jeder Mahlzeit, bis die Symptome verschwinden.
Melissentee als Angstlöser
Bei der Melisse gibt es wissenschaftliche Erkenntnisse, dass sie gegen Angst hilft und schlaffördernde Eigenschaften hat. Oft wird Melisse auch bei Lippenherpes getrunken, aber dafür konnte noch keine schlüssige Wirksamkeit nachgewiesen werden.
Wie bereitet man Tee aus Zitronenmelisse zu?
Vier Blätter Zitronenmelisse in heißem Wasser 5 bis 10 Minuten ziehen lassen.
Pfefferminztee gegen Reizdarmsyndrom
Die Pfefferminze ist eine Variante der Krausenminze und hat einen milden, weichen Geschmack. Das Kraut ist bekannt für seine verdauungsfördernden Eigenschaften und hilft bei Übelkeit, Blähungen und Bauchkrämpfen. Die aktiven Substanzen - ein essenzielles Öl, das reich an Menthol, Gerbstoffen und Flavonoiden ist - befinden sich hauptsächlich in den Blättern der Pflanze. Wissenschaftlicher halten es für ein wirksames Mittel zur Linderung des Reizdarmsyndroms.
Wie bereitet man Pfefferminztee zu?
Etwa 25 Gramm frische oder getrocknete Blätter 10 Minuten in einem Liter kochenden Wasser ziehen lassen. Die Blätter herausfiltern und nach jeder Mahlzeit eine Tasse trinken.
Baldriantee als Schlafmittel
Baldrian ist eine etwas weniger bekannte Heilpflanze, die vor allem angewendet wird bei Schlafstörungen, Angstzuständen, Reizbarkeit, Kopfschmerzen, Depressionen, unregelmäßigem Herzschlag und Zittern. Auch antioxidative Eigenschaften werden der Pflanze zugeschrieben. Die wirksamen Bestandteile und ätherischen Öle befinden sich hauptsächlich in der Wurzel.
Laut wissenschaftlichen Studien fördert Baldrian das Einschlafen und wirkt angstlösend. Baldrian verträgt sich allerdings nicht mit Alkohol, starken Schmerzmitteln wie Opioiden sowie Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine wie zum Beispiel Valium, Lorazepam oder Diazepam.
Wie bereitet man Baldriantee zu?
40 bis 50 Gramm zerkleinerte Baldrianwurzel in einem Liter Wasser 20 Minuten lang kochen. Den Tee danach filtern und nach jeder Mahlzeit oder vor dem Schlafen gehen eine Tasse trinken.
Brennnesseltee als harntreibendes Mittel
Die Brennnessel, die wir oft als lästiges Unkraut betrachten, ist eine wirkungsvolle Heilpflanze. Ihren guten Ruf in der Naturheilkunde verdankt sie ihren entzündungshemmenden und schmerzstillenden Eigenschaften. Brennnesseln gelten als harntreibend und sind daher auch als ergänzende Behandlung bei Gicht geeignet.
Was sagt die Wissenschaft dazu? Die Brennnessel wirkt entwässernd, harntreibend und ist auch bei einer gutartigen Prostatahyperplasie (vergrößerte Prostata) wirksam. Dass die Brennnessel auch als Schmerzmittel anzuwenden ist, konnte noch nicht völlig bewiesen werden. In seltenen Fällen können nach dem Trinken von Brennnesseltee allergische Reaktionen auftreten.
Wie bereitet man Brennnesseltee zu?
2 bis 3 Esslöffel getrocknete Brennnesselwurzel 5 bis 10 Minuten in einer Tasse heißem Wasser ziehen lassen.
Weitere gesunde Sorten
Eine Reihe weiterer Sorten, die von einigen Forschern als heilsam empfohlen werden, sind Kräutertees auf Basis von Rooibos, Hagebutte, Hibiskus und Kurkuma.
  • Rooibos: Diese Pflanze soll das Immunsystem stärken und Krebs vorbeugen. Es wird auch untersucht, ob Rooibos positive Eigenschaften für das Herz hat und gegen Diabetes eingesetzt werden kann.
  • Hagebutte: Hagebutte ist reich an Vitamin C, wirkt antioxidativ und entzündungshemmend und lindert rheumatische Beschwerden. Empfindliche Menschen können allergisch auf Hagebutte reagieren oder Magenbeschwerden bekommen.
  • Hibiskus: Hibiskusblütentee ist reich an Antioxidantien. Einige Kurzstudien zeigten auch, dass er den Blutdruck senken kann. Ob auch das Cholesterin gesenkt wird, ist aktuell noch nicht ausreichend belegt. Wenn man diesen Tee in Maßen trinkt, kann das auf keinen Fall schaden.
  • Kurkuma (Gelbwurzel): Kurkuma wird manchmal zur Behandlung von Nierensteinen angewendet, wissenschaftliche Beweise fehlen dafür allerdings. Studien zeigten, dass Kurkuma Krebs und Entzündungen vorbeugen kann, die Leber regeneriert, den Blutzucker senkt und die Nerven schützt.

Für die Zubereitung sollte man nach Möglichkeit auf die Verwendung von Kräutern und Pflanzen aus biologischem Anbau achten, um eine Belastung mit Pflanzenschutzmitteln und anderen unerwünschten Substanzen zu vermeiden.

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