Sonntag, 2. Februar 2020


Jeder siebte Erwachsene wird in seinem Leben mit chronischem Juckreiz konfrontiert. Das reicht von nicht nachlassendem Kribbeln bis zu einem wochenlangen Gefühl von Schmerz.
Was ist Juckreiz und wann wird er chronisch?
Juckreiz ist ein nützliches Alarmsignal des Körpers, vergleichbar mit akutem Schmerz. Eine juckende Haut kann zum Beispiel auf die Anwesenheit eines Insekts, eines Parasiten, Bakterien oder etwas anderes hindeuten, dass Irritationen verursacht. Dank des Juckreizes, weiß man, dass man etwas unternehmen muss. Problematisch wird es, wenn man ständig Juckreiz empfindet. Und die Ursachen sind sehr unterschiedlich.
Was sind die Hauptursachen?
Vierzig Prozent aller Fälle gehen auf eine Hautkrankheit zurück. Der Juckreiz wird dann von einer sichtbaren Hautveränderung begleitet. Die bekanntesten Hautkrankheiten mit Juckreiz sind das atopische Ekzem und die Nesselsucht. Beim atopischen Ekzem ist die Haut empfindlicher und reagiert schneller irritiert nach einem Kontakt mit Substanzen, die die Haut entfetten, wie Seife, Spülmittel, Wasser, Wolle und Ähnliches. Die typischen Symptome sind rote Flecken und eine gerötete, schuppende Haut, die stark juckt. Häufig verläuft das Ekzem in Schüben. Durch eine Behandlung des Ekzems mit Cortison lässt sich der Juckreiz bekämpfen. Menschen mit einem atopischen Ekzem haben durchweg eine sehr trockene Haut, was schon alleine Juckreiz hervorrufen kann.
Die zweite Hauptursache ist die chronische Nesselsucht, die einhergeht mit roten Pusteln, die furchtbar jucken. Diese Erkrankung verläuft sehr unberechenbar. Die Pusteln und der Juckreiz brechen plötzlich aus und verschwinden manchmal genauso schnell wieder oder breiten sich über den gesamten Körper aus. Hier ist eine Behandlung mit einem Antihistaminikum die empfohlene Therapie.
Stress fördert Juckreiz
Stress kann den Juckreiz aufgrund einer Hauterkrankung noch verschlimmern. Das Empfinden des Juckreizes ist letztlich eine Reaktion des Gehirns. Wenn Sie Anspannung und Stress erleben, reagieren die Nervenbotenstoffe (Neurotransmitter) im Gehirn darauf, was den Juckreiz fördern kann. Mit zunehmendem Lebensalter wird die Haut sowieso trockener. Deshalb kann bei Senioren die extrem trockene Haut schon selbst die Ursache für chronischen Juckreiz darstellen, vor allem im Winter, wenn die Heizung dauernd läuft. Wenn es keine Hautverletzungen gibt, sollten Sie die Haut mit einer Feuchtigkeit spendenden Creme einreiben und Badeöl statt eines austrocknenden Duschgels verwenden.
Deutet chronischer Juckreiz auf eine allergische Reaktion hin?
Diese Verbindung wird heutzutage fast automatisch und oft zu schnell gelegt, ist aber nicht immer die Ursache. Natürlich können Allergien Juckreiz verursachen. Kontaktallergien wie bei Nickel, Parfüm, Konservierungsstoffen und Ähnlichem zeigen sich meist durch eine juckende Ekzemstelle, an der die Haut mit dem Allergielöser in Kontakt gekommen ist. Bei einer Nickelallergie entsteht zum Beispiel ein Ekzem an der Stelle des Ohrläppchens, wo ein Nickel enthaltender Ohrring die Haut berührt. Oder bei Hosenknöpfen an der Stelle, wo der Knopf ständig mit der Haut Kontakt hat. Wird der Allergieauslöser nicht gefunden oder lässt sich nicht vermeiden, kann sich chronischer Juckreiz entwickeln.
Bei einer Pollen- oder Hausstauballergie wird das Jucken meist von weiteren Beschwerden begleitet, wie tränenden Augen, einer laufenden Nase und Niesen. Dagegen sorgt eine Nahrungsmittelallergie für hartnäckigen Juckreiz oder Kribbeln im Mund nach dem Essen bestimmter Obst- und Gemüsesorten oder Nüssen.
Kann Juckreiz auf andere Probleme hindeuten?
Das ist möglich. Chronischer Juckreiz kann die Folge einer inneren Krankheit sein wie Nieren- oder Leberprobleme oder eine Schilddrüsenerkrankung. Das lässt sich durch eine Blutuntersuchung feststellen. Darüber hinaus sind auch neurologische Ursachen möglich. Eine Störung der Nervenleitfähigkeit oder Störungen im Gehirn verursachen manchmal chronischen Juckreiz auf der Haut. Weiterhin gibt es Medikamente, die Juckreiz als Nebenwirkung zeigen. Manchmal bleibt der Juckreiz vorhanden, weil man ständig kratzt oder reibt. Die Folge? Man landet in einem Teufelskreis, in dem der Juckreiz noch zunimmt und Hautverletzungen wie Verdickungen, Beulen oder Verfärbungen entstehen, die wiederum anfangen zu jucken. Bei chronischem Kratzen kann eine kognitive Verhaltenstherapie dabei helfen, sich das übermäßige Kratzen langsam abzugewöhnen. Aber bei fünf bis zehn Prozent der Fälle von chronischem Juckreiz lässt sich keine echte Ursache feststellen und können nur die Symptome behandelt werden.
Der Einfluss auf die Psyche
Bei chronischem Juckreiz kann die Lebensqualität genauso stark beeinträchtigt werden wie bei chronischen Schmerzen und unter anderem zu Schlafstörungen und Schlafmangel führen. Besonders während der ersten Schlafphase meldet sich der Juckreiz am stärksten, wodurch es schwierig ist, ein- und durchzuschlafen. Der Juckreiz kann auch Konzentrationsstörungen verursachen, Erschöpfung und Probleme, den Alltag zu bewältigen. Soziale Kontakte lassen sich schwieriger aufrecht erhalten und es gibt sogar einen Zusammenhang mit Depressionen. Zudem gilt Juckreiz noch oft als Tabu. Menschen mit Kratzverletzungen, Schwellungen oder Hautwunden schämen sich dafür. Und Außenstehende reagieren manchmal abweisend, weil sie zu Unrecht befürchten, sich anzustecken.
Kratzen, Einschmieren, Kühlen: Was darf man und was soll man lassen?
Kratzen bringt kurzfristig Linderung, weil es das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert, verursacht aber vor allem Verletzungen, die das Problem aufrechterhalten. Bei einer trockenen Haut oder einem Ekzem die Haut mit einer Feuchtigkeit spendenden Creme einzureiben, ist immer eine gute Empfehlung, die Sie am besten zu einer täglichen Routine machen. Auch Coolpacks und nasse Tücher können in bestimmten Fällen für Linderung sorgen. Aber Großmutters Hausmittel wie Essig wirken eher kontraproduktiv, weil sie die Haut weiter austrocknen. Auch Wärme und Schweiß fördern das Juckreizgefühl.
So entsteht Juckreiz
Juckreiz entsteht durch eine Reizung der Nerven in der Haut. Die entsprechenden Nerven liegen etwas näher an der Hautoberfläche als die Nerven für das Schmerzempfinden. Die Juckreizsignale werden durch die zugehörigen Nerven zum Gehirn geschickt mit einer Geschwindigkeit von ungefähr einem Meter pro Sekunde. Wichtig zu wissen ist, dass Schmerz- und Juckreiz sich gegenseitig unterdrücken. Das sieht man manchmal bei Patienten, die eine Narkose bekommen. Kurz bevor sie einschlafen, erleben sie manchmal starken Juckreiz, weil die Schmerzreize, die den Juckreiz neutralisieren, schon betäubt sind.

0 Kommentare:

Kommentar posten

Gesundheit & Wissenschaft

Gesundheit & Wissenschaft
Bitte beachten Sie, dass Artikel auf dieser Seite generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen können.

Categories

Angelika Lensen. Powered by Blogger.

Autor(en)

Alle Beiträge auf Gesundheit & Wissenschaft wurden von Angelika Lensen erstellt.

Werbepolitik

Diese Internetseite ist frei von Werbung und wird ausschließlich privat finanziert.

Letzte Aktualisierung

Beliebte Artikel

Blog Archive

Folgen Sie dem Blog per E-Mail