Mittwoch, 26. Februar 2020


Wärmebehandlungen sind bekannt und lindern viele Beschwerden. Aber auch Kälte kann die Gesundheit fördern und heilsam sein.
Seit Jahren berichten Wissenschaftler darüber, dass es sehr gesund sein kann, um sich selbst regelmäßig niedrigen Temperaturen auszusetzen. Demnach ist es nicht nötig, immer einen dicken Schal und eine wärmende Mütze zu tragen.
Kälte kann Körper und Geist guttun
In den letzten Jahren findet man in der medizinischen Literatur immer mehr Studien, die die Gesundheitsvorteile von Kälte auf den Körper untersuchen. Der niederländische Extremsportler Wim Hof, international bekannt als „The Iceman“, kennt die Kraft der Kälte schon lange und etliche Kälterekorde sind mit seinem Namen verbunden. Er nahm auch an verschiedenen wissenschaftlichen Studien teil. Dabei stellte man fest, dass wir unser Nerven- und Immunsystem bewusst beeinflussen können. Meditation und Atmung sind wichtige Faktoren. Die Kraft der Meditation und der Atmung ist so groß, dass die Kälte Körper und Geist weniger stark in Anspruch nimmt. Die Kälteeinwirkung kann den Geist schärfen und trainieren, aber es gibt auch viele Vorteile für den Körper.
Training für den Körper
Der Körper ist ständig damit beschäftigt, sich selbst im Gleichgewicht zu halten. Dieser Zustand des Gleichgewichts wird auch Homöostase genannt. Bringt man manchmal den Körper bewusst aus dem Gleichgewicht, muss er umso härter arbeiten, um das Gleichgewicht wieder herzustellen. Das absichtliche Stören des Gleichgewichts nennt man Hormesis. Der Körper reagiert auf den äußeren Stressreiz und wendet dann eine Superkompensation an: Es macht den Körper stärker und widerstandsfähiger, so dass er beim nächsten Mal besser für den Reiz gerüstet ist. Widerstand ist Entwicklung. Dieses Phänomen ist gut sichtbar bei Muskelkraft; jemand, der häufig zum Krafttraining ins Fitnessstudio geht, wird mit der Zeit stärker.
Kryotherapie: ein uraltes Behandlungsverfahren
Sich freiwillig der Kälte aussetzen, um von deren gesundheitlichen Vorteilen zu profitieren, nennt man auch Kryotherapie. Kryo stammt vom altgriechischen (κρύος) kryos ab, was auf deutsch Eis oder Frost bedeutet. Es werden regelmäßig Workshops organisiert, um auf sichere Weise die Kälte zu nutzen. In größeren Städten gibt es auch Unternehmen, die einen Besuch in einer Kältekammer unter Begleitung anbieten. Diese Kältekammern werden von manchen auch als Kryo-Sauna bezeichnet.
Die Kryotherapie scheint ein neues Phänomen zu sein, ist aber tatsächlich schon sehr alt. Bereits 3500 vor Christus wurde die Kältetherapie in einem medizinischen Text aus Ägypten beschrieben. Die moderne Forschung bestätigt, dass die Kryotherapie tatsächlich sehr heilsam sein kann.
Entzündungshemmend
Kälteeinwirkung kann zu einem Anstieg des Adiponectins im Körper führen. Das ist ein Fettgewebshormon, das Entzündungen hemmt. Eine andere Studie hat herausgefunden, dass die Bewegung in der Kälte akute Entzündungsreaktionen reduzieren kann. Die Studie erwähnt jedoch, dass dieser Vorteil besonders für einen kurzen Kälteaufenthalt gilt, da eine übermäßige Kälteexposition tatsächlich Entzündungen fördert. Die Dosis macht hierbei das Gift.
Wirkt lebensverlängernd
Eine Studie ergab, dass Fliegen bei 21 Grad Celsius doppelt so lange leben wie bei 27 Grad. Eine Untersuchung von Würmern zeigte, dass ein Temperaturabfall von 5 Grad Celsius die Lebensdauer um 75 Prozent erhöht. Die Forscher vermuten, dass auch Menschen durch Kälte länger leben, weil sich der Stoffwechsel verlangsamt.
Regt das Immunsystem an
Studien haben gezeigt, dass die Kälteeinwirkung die Anzahl der natürlichen Killerzellen unseres Immunsystems erhöht. Die Aktivität dieser Zellen nimmt in vielen Fällen zu. Die erhöhte Aktivität des Immunsystems ist möglicherweise die Folge eines erhöhten Adrenalinspiegels. Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) berichtet, dass kaltes Wasser das Immunsystem anregt. Auch moderne Wissenschaftler haben schon herausgefunden, dass das Immunsystem durch Wechselbäder oder Saunagänge, die mit einem kalten Tauchbad enden, stimuliert wird.
Reguliert den Blutzuckerspiegel
Wie bereits beschrieben, kann die Wirkung von niedrigen Temperaturen den Adiponectin-Spiegel erhöhen. Eine Studie hat gezeigt, dass der Adiponectin-Spiegel nach Kälteeinwirkung um bis 70 Prozent steigt. Das ist wichtig, weil das Adiponectin-Eiweiß auch an der Blutzuckerregulation beteiligt ist, was das Risiko einer Insulinresistenz verringert. Denn diese Insulinresistenz ist die Ursache für Diabetes Typ-2. Kälteeinwirkung kann die Reaktion des Körpers auf Insulin verbessern, so dass Glukose schneller aus dem Blut aufgenommen wird. Ein kaltes Bad ist eine der schnellsten Möglichkeiten, den Blutzucker zu senken und die Insulinempfindlichkeit zu steigern.
Verzögert den Alterungsprozess
Durch eine kalte Dusche produziert der Körper zahlreiche natürliche Antioxidantien, die dem Alterungsprozess entgegenwirken. Insbesondere die körpereigenen starken Antioxidantien Glutathion (GSH), Superoxid-Dismutase (SOD) und Glutathion-Peroxidase (GPx) sind bei Winterschwimmern und Kaltduschern in viel höherem Maße vorhanden als bei Personen, die solche Aktivitäten lieber vermeiden.
Kann Depressionen vermindern
Regelmäßig kalt duschen kann vielleicht dabei helfen, eine Depression zu überwinden. Zweimal täglich eine kalte Dusche mit 20 Grad oder kälter beeinflusst ohne Nebenwirkungen positiv die Stimmung. Es ist aber am besten, zwei bis drei Minuten unter der Dusche auszuhalten. Die Forscher vermuten, dass das Gehirn über die Kältesensoren in der Haut so viele elektrische Signale erhält, dass es im Gehirn eine Art Reset auslöst. Es wurden auch mehr Endorphine - schmerzstillende Glückshormone – im Blut gemessen, weil das sympathische Nervensystem aktiviert wird.
Lindert Gelenkschmerzen
Wissenschaftler haben herausgefunden, dass kaltes Duschen die Harnsäure im Blut deutlich reduzieren kann. Harnsäure kann in den Gelenken kristallisieren und zu Gelenkbeschwerden führen, die man auch als Gicht bezeichnet. Die Kryotherapie kann Schmerzen lindern, in dem sie Entzündungen bekämpft, das Antioxidantien-Gleichgewicht verbessert und die Beta-Endorphine erhöht.
Fördert die Muskelregeneration
Die Kryotherapie kann Muskelschmerzen aufgrund großer Anstrengung bei Sportlern verringern. Muskelschmerzen sind weit verbreitet und eine Kältbehandlung ist eine einfache Methode, um die Regeneration zu beschleunigen.
Gut fürs Gehirn
Freie Radikale schädigen unsere Gefäße und auch das Gehirn. Durch die Beseitigung von oxidativem Stress mit Kältetherapie können die Risikofaktoren für Gedächtnisverlust reduziert werden. Das kann das Risiko für Alzheimer senken.
Gut für die Haut
Die Kältetherapie kann nicht nur Hautentzündungen verhindern, sondern auch die Austrocknung der Haut verringern. Dieser Effekt ist bei Frauen sogar noch stärker ausgeprägt als bei Männern.
Kann Tinnitus reduzieren
Viele Menschen leiden unter einem ständigen Piepton in den Ohren. Untersuchungen zufolge kann die Kryotherapie bei vielen Menschen einen solchen Tinnitus reduzieren. Das funktionierte so gut, dass bei einigen Studienteilnehmern die Beschwerden vollständig verschwanden.
Beschleunigt die Entgiftung
Eine Studie ergab, dass regelmäßiges Schwimmen im Eiswasser den Glutathion-Spiegel im Körper erhöht. Glutathion ist ein körpereigenes Antioxidans, das bei der Entgiftung hilft. Darüber hinaus kann die Kryotherapie auch die Menge anderer Antioxidantien erhöhen und so zur Beseitigung freier Radikaler beitragen.
Unterstützt das Abnehmen
Menschen haben sowohl weißes als auch braunes Fett im Körper. Weißes Fett wird vom Körper zur längeren Speicherung von Fett verwendet, während braunes Fett aktiv als Energiequelle genutzt wird. Braunes Fett wird daher auch zum Warmhalten des Körpers verwendet. Studien zufolge kann regelmäßige Kälteeinwirkung das System des braunen Fettes aktivieren, was zu einer erhöhten Kalorienverbrennung führt und das Abnehmen unterstützt.
Nicht für jeden geeignet
Obwohl die Kryotherapie laut der Wissenschaft viele Vorteile hat, ist sie nicht für jeden geeignet. Studien zeigen, dass der Blutdruck während einer Sitzung steigen kann. Auch die Herzfrequenz kann sich verlangsamen. Aus diesem Grund sollten Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorsichtig sein und nur nach Rücksprache mit einem Arzt die Kältekammer besuchen.
Einfach ausprobieren
Für viele wird es eine große Überwindung bedeuten, an einem Kälte-Workshop teilzunehmen oder eine Kältekammer zu besuchen, aber die Vorteile der Kältetherapie lassen sich auch bequem zu Hause entdecken. Zum Beispiel kann kaltes Abwaschen oder kaltes Duschen ein erster Schritt in die richtige Richtung sein. Oder Sie drehen den Heizungsthermostat zu Hause ein paar Grad herunter. Zudem gibt es immer mehr Saunas, so dass es leicht ist, mit Wechselbädern zu experimentieren. Bei Wechselbädern wechseln sich heiße und kalte Temperaturen so ab, dass es noch gut zu ertragen ist. Dann stehen die Chancen gut, dass es Lust auf mehr macht und man mit Kälte gesünder wird!

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