Samstag, 27. Juni 2020


Resveratrol wirkt entzündungshemmend, erhöht die Insulinempfindlichkeit und soll sogar bei COVID-19 helfen.

 

Kürzlich berichteten niederländische Ärzte, dass Resveratrol die Überlebenschancen einer Corona-Infektion stark erhöht. Inzwischen ist deshalb die Nachfrage nach Nahrungsergänzungsmitteln mit Resveratrol stark gestiegen. Resveratrol wird seit einigen Jahren zunehmend erforscht und zeigt viele gesundheitsfördernde Eigenschaften. Was ist Resveratrol und bei welchen Beschwerden wirkt es?

Was ist Resveratrol?

Resveratrol ist ein Pflanzenstoff, der zu den Polyphenolen gehört. Die chemische Zusammensetzung ist 1940 durch Wissenschaftler dokumentiert worden, aber die Heilpflanzenkunde wie die indische Ayurveda setzt schon seit Tausenden von Jahren Medikamente mit dem Wirkstoff Resveratrol ein. Es erscheinen regelmäßig neue Studien über die Gesundheitseffekte dieser Substanz, wodurch sie inzwischen in mehr als 20.000 wissenschaftlichen Studien erwähnt wird.

In welchen Nahrungsmitteln kommt Resveratrol vor?

Das Polyphenol Resveratrol findet man unter anderem in Datteln, Schokolade, Erdbeeren, Blaubeeren, Trauben (vor allem dunkle Trauben), Tomaten, Soja und Erdnüssen. Viele trinken Rotwein, um Resveratrol aufzunehmen, aber eine Handvoll Trauben (oder Traubensaft) enthält manchmal mehr Resveratrol als ein Glas Wein. Weil auch Erdnüsse reich an Resveratrol sind, ist Erdnussbutter eine gute Quelle. Die Wissenschaftler raten allerdings zu Erdnussbutter, die ausschließlich aus Erdnüssen hergestellt wurde, denn verarbeitete Sorten Erdnussbutter mit Beigaben sind eher arm an Resveratrol. Es ist zu empfehlen, soviel wie möglich biologisches Gemüse und Obst zu wählen, denn es ist bekannt, dass darin mehr Polyphenole und pflanzliche Abwehrstoffe (Phytoalexine) enthalten sind. Das ist auch logisch, denn konventionelle Nutzpflanzen werden durch Pflanzenschutzmittel geschützt und produzieren daher weniger aktive Pflanzenstoffe.

Welche Funktion hat Resveratrol?

Resveratrol kommt vor allem in der Schale von Früchten vor. Die Pflanze produziert Resveratrol, um sich gegen schädliche Einflüsse wie Schimmel, Viren, Bakterien und UV-Strahlung zu schützen. Diese schützende Gruppe von Substanzen nennt man auch Phytoalexine. Um genau zu sein, fällt Resveratrol unter die Salvestrole. Salvestrole bilden eine spezielle Gruppe innerhalb der Phytoalexine, weil sie unsere Gesundheit positiv beeinflussen können. Salvestrole, und damit auch Resveratrol, erkennt man oft am bitteren Geschmack.

Was bewirkt Resveratrol?

Weil Resveratrol gut erforscht wurde, ist viel über seine Wirksamkeit bekannt. Nicht alle Studien sind an Menschen ausgeführt, darum muss vieles noch bestätigt werden. Viele Studien sind mit extrem hohen Dosierungen durchgeführt worden. Resveratrol scheint vor allem positiv auf das Herz-Kreislauf-System zu wirken. So kann es der Oxidation von Cholesterin entgegenwirken, die Durchblutung verbessern und den Blutdruck senken. Günstig für Herz, Blutgefäße und Nieren ist auch, dass Resveratrol die Insulinempfindlichkeit verbessert und Diabetes positiv beeinflusst. Zudem ist Resveratrol in der Lage, Entzündungen im Körper zu reduzieren. Laut einigen Tierstudien wirkt Resveratrol lebensverlängernd (1, 2, 3). Resveratrol ist ein sehr starkes Antioxidans, dass unser Gehirn gegen altersbedingte Krankheiten wie Alzheimer und Demenz schützen kann (4, 5, 6, 7). Es sind auch Studien bekannt, die gezeigt haben, dass Resveratrol vor der altersbedingten Augenerkrankung Makuladegeneration schützt, die im Alter häufig zur Erblindung führt. Und schließlich haben viele Laborstudien und Tierversuche gezeigt, dass Resveratrol bestimmten Krebsarten entgegenwirkt (8, 9, 10, 11).

Wirkt Resveratrol gegen das Corona-Virus?

Es ist inzwischen bekannt, dass viele Coronapatienten, die auf der Intensivstation behandelt werden müssen, an Übergewicht leiden. Menschen mit Übergewicht haben durchweg höhere Leptinwerte im Blut. Leptin wird auch als Sättigungshormon bezeichnet, weil es das Sättigungsgefühl hervorruft. Bei Übergewichtigen ist dieser Mechanismus gestört und es kann eine Leptinresistenz auftreten. Ein hoher Leptinspiegel im Blut steht mit chronischen Entzündungen im Körper in Verbindung. Das Corona-Virus selbst sorgt für Entzündungen in der Lunge. Wissenschaftler gehen davon aus, dass zwei Entzündungsprozesse gleichzeitig für Betroffene tödlich enden können. Die Wissenschaftler versuchten darum, Mittel zu finden, die einer Leptinresistenz entgegenwirken. Resveratrol taucht dann tatsächlich schnell in der medizinischen Literatur auf (12, 13, 14). Allerdings geht es hier noch um Vermutungen, die noch bewiesen werden müssen. Es gibt auch Studien, die zeigten, dass Resveratrol nicht viel ausrichtet bei einer Leptinresistenz. Andere Wissenschaftler glauben, dass Resveratrol Coronapatienten auch auf andere Weise unterstützen kann. Unter anderem dadurch, dass das Gleichgewicht der ACE-2- und AT2-Rezeptoren wiederhergestellt wird, so dass Entzündungen in der Lunge abklingen. Der ACE-2-Rezeptor spielte schon bei der Infektion mit dem Corona-Virus CoV1, das die Lungenerkrankung SARS hervorrief, eine große Rolle. Es ist noch zu früh, um Resveratrol gegen COVID-19 zu empfehlen. Im Moment gibt es mehr Beweise für einen Nutzen anderer Substanzen wie Vitamin D.

Nahrungsmittel oder Tabletten?

Obwohl Resveratrol reichlich in unserer Nahrung vorkommt, sind die einzelnen Mengen sehr gering. Um 1.000 Milligramm Resveratrol aufzunehmen, muss man 2.500 Kilo Äpfel, 10.000 Kilo Schokolade, 795 Kilo blaue Trauben, mehr als 7.143 Kilo Erdnüsse oder ungefähr 1.633 Liter Rotwein zu sich nehmen. Das ist natürlich viel zu viel, so dass Resveratrol als Nahrungsergänzungsmittel sicher einen Ausweg darstellt. Nahrungsergänzungspräparate enthalten meist eine Dosierung zwischen 200 und 500 Milligramm. Vorbeugend genügen 200 Milligramm täglich, bei Beschwerden wie Durchblutungsstörungen wird eine Dosis von 500 Milligramm empfohlen. Resveratrol kommt übrigens als Trans-Resveratrol und Cis-Resveratrol vor. Beide können wirken, aber Nahrungsergänzungspräparaten enthalten immer Trans-Resveratrol, weil nur diese Art von Resveratrol entzündliche und degenerative Prozesse im Körper hemmt.

Hilfreich, aber kein Allheilmittel

Resveratrol ist ein interessanter Stoff für die Gesundheit, aber es ist noch viel zu früh, um es als Medizin gegen das Corona-Virus einzusetzen. Für gesunde Menschen ist zu empfehlen, Resveratrol über ausreichend gesunde Nahrungsmittel aufzunehmen, weil sie zusätzlich noch viele weitere positive Pflanzenstoffe und Nährstoffe enthalten. Verarbeitete Nahrungsmittel enthalten keine aktiven Pflanzenstoffe und sollten besser gemieden werden.

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