Donnerstag, 20. Mai 2021

Natürliche Heilmittel bei Gicht und erhöhter Harnsäure



Gicht gehört zu den rheumatischen Erkrankungen und ist sehr schmerzhaft. Lässt sich die Krankheit auch mit natürlichen Mitteln lindern?

 

Dieser Artikel beschreibt die Krankheit, ihre Ursachen, die Behandlungsmöglichkeiten und Ernährungsempfehlungen, um akute und schmerzhafte Gichtanfälle zu vermeiden.

Was ist Gicht?

Die Gicht, die man früher auch als Zipperlein bezeichnete, ist eine Stoffwechselerkrankung, die mit sehr schmerzhaften Anfällen von Gelenkentzündungen oder Arthritis einhergeht. Gicht wird hervorgerufen durch einen zu hohen Gehalt an Harnsäure im Blut und im Gewebe, und wird gefördert durch eine ungesunde Lebensweise.

Gicht ist vor allem eine Gelenkerkrankung, die auftritt, wenn die Harnsäure im Blut, im Gewebe und im Urin ansteigt. Harnsäure selbst ist das Endprodukt des Stoffwechsels bestimmter stickstoffhaltiger Verbindungen, die man Purine nennt und die Bestandteil der Erbinformationen DNA und RNA sind.

Ungefähr 90 Prozent der von unserem Körper freigesetzten Purine stammen aus dem Abbau von Zellen, einem natürlichen Vorgang, bei dem alte Zellen durch neue ersetzt werden. Die restlichen zehn Prozent der Purine stammen aus unserer Nahrung.

Erhöhte Harnsäure

Uricase ist das Enzym, das die schwer lösliche Harnsäure in eine besser lösliche Substanz umwandelt. Wenn unser Körper nicht genügend Uricase produziert, unsere Nieren nicht genügend Harnsäure über den Urin ausscheiden oder wir lange Zeit purinreiche Nahrungsmittel essen, kann sich Harnsäure ansammeln.

Sobald der Harnsäurespiegel im Blut bei Männern mehr als 7 Milligramm pro Deziliter oder bei Frauen mehr als 6,5 mg/dl überschreitet, spricht man von einem erhöhten Harnsäurespiegel. Harnsäure sollte jedoch nicht als grundsätzlich schädliche Substanz angesehen werden. Harnsäure ist ein starkes Antioxidans, das fast genauso wirksam wie Vitamin C die Zellen vor freien Radikalen schützt. Aber ein hoher Harnsäurespiegel kann natürlich Probleme verursachen.

Der Gichtanfall: schmerzhaft und heftig

Ist der Harnsäurespiegel bereits zu hoch (bei Männern meist mehr als 12 mg/dl und bei Frauen mehr als 10 mg/dl), kann Harnsäure auskristallisieren. Harnsäure bildet dann Kristalle, die scharf wie Nadeln sind und besonders in den Gelenken den empfindlichen Knorpel reizen und zu einer heftigen Schmerzattacke führen.

Der klassische Gichtanfall tritt vor allem am großen Zeh auf, aber auch andere Gelenke wie der Mittelfuß, das Sprunggelenk, das Knie, das Handgelenk und sogar die Fingergelenke können betroffen sein. Die Tatsache, dass Harnsäure bei niedrigeren Temperaturen leichter kristallisiert, ist wahrscheinlich der Grund dafür, dass in 90 Prozent der Fälle der große Zeh betroffen ist, weil dort die Körpertemperatur entsprechend niedrig ist.

Neben dem akuten Schmerz ist ein betroffenes Gelenk gerötet, geschwollen, heiß und extrem berührungsempfindlich. Gichtanfälle treten in 90 Prozent der Fälle bei Männern auf und dann in der Altersgruppe zwischen 40 und 50 Jahren. Bei Frauen sind vor allem Frauen nach der Menopause betroffen. Gichtanfälle treten am häufigsten im Winter und frühen Frühjahr auf und beginnen oft nachts.

Weitere Symptome

Es ist anzumerken, dass sich Harnsäure auch im Weichteilgewebe absetzen kann. Besonders nach einer jahrelangen Erhöhung des Harnsäurespiegels können sich schmerzhafte Knötchen unter der Haut bilden und allmählich wachsen. Diese Gichtknoten befinden sich meist in der Nähe der betroffenen Gelenke der Füße und Hände, sowie in Höhe des Ellbogens. Gichtknoten bilden sich aber auch in der Ohrmuschel, nahe der Achillessehne und im Bereich der Knie.

Weiterhin setzt sich bei vielen Gichtpatienten im Lauf der Zeit Harnsäure in den Nieren ab, aus denen sich Harnsäuresteine bilden können. Nicht nur die Nierenfunktion kann deutlich beeinträchtigt werden, sondern es kann durch die Steinbildung zu schmerzhaften Nierenkoliken kommen.

Ursachen

Eine eindeutige Ursache für erhöhte Harnsäurewerte und damit für Gicht gibt es nicht. In etwa 70 Prozent der Fälle produziert der Körper zu viel Harnsäure, in den anderen 30 Prozent wird die Harnsäure einfach nicht ausreichend ausgeschieden. Die Ursache der Gicht ist daher oft auf eine Kombination mehrerer Faktoren zurückzuführen:

 

· Vererbung (spielt in etwa 25 Prozent der Fälle eine Rolle)

· Übergewicht

· Eingeschränkte Nierenfunktion

· Eine nicht vollwertige Ernährung, die reich an Purinen ist und zu viel Alkohol (besonders Bier)

· Erhöhter Zellenabbau, zum Beispiel bei Blutkrankheiten, bei denen Blutzellen schneller abgebaut werden und daher mehr Purine freigesetzt werden.

· Medikamente wie Thiazid-Diuretika (harntreibend) zur Senkung des Blutdrucks

· Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems, sogenannte Immunsuppressiva, wie Ciclosporin

· Acetylsalicylsäure (Aspirin)

· Medikamente zur Chemotherapie bei Krebs

· Antibiotika bei Infektionen

Der Zusammenhang zwischen Schlafapnoe und Gicht

Jüngste Studien unter 16.000 Patienten mit Schlafapnoe zeigen, dass Betroffene ein doppelt so hohes Risiko haben, an Gicht zu erkranken. Dieses Risiko entsteht unabhängig vom Körpergewicht. Auch mit einem gesunden Körpergewicht ist das Risiko erhöht, Gicht zu entwickeln, wenn Sie an Schlafapnoe leiden.

Da sich durch die Atempausen weniger Sauerstoff im Blut befindet, steigt der Kohlendioxidgehalt im Körper an. Dies wiederum führt zu mehr Harnsäure und mehr schmerzhaften Gichtanfällen.

Diagnose

Die eigentliche Diagnose der Gicht, die das typische Krankheitsbild bestätigt, wird durch eine Blutuntersuchung gestellt, eventuell unterstützt durch eine mikroskopische Untersuchung der Entzündungsflüssigkeit in den Gelenken.

Gicht sollte nicht mit der „Pseudogicht“ verwechselt werden. Diese Gelenkerkrankung, die eher die großen Gelenke wie Knie, Handgelenke und Fußknöchel betrifft, wird durch die Ablagerung von Kalziumkristallen (genauer gesagt Kalziumpyrophosphatkristalle) verursacht und durch einen Magnesiummangel gefördert. Mediziner bezeichnen die Pseudogicht als Chondrokalzinose.

Die Standardbehandlung bei Gicht

Bei einem akuten Gichtanfall muss meist auf die Schulmedizin zurückgegriffen werden: Die Schmerzen sind oft so stark, dass starke, entzündungshemmende und damit schmerzlindernde Medikamente verabreicht werden müssen.

Zufällig ist eines der wirksamsten Mittel gegen Gichtanfälle das Colchicin, das aus Herbstzeitlosen (Colchicum autumnale) gewonnen wird. Colchicin ist wegen seiner starken entzündungshemmenden Wirkung gut wirksam bei einem akuten Gichtanfall, hat aber ab einer bestimmten Dosis eine giftige Wirkung (Toxizität).

Deshalb wird es auf ärztliche Verschreibung bis zur Grenze des Auftretens von Nebenwirkungen wie Durchfall, Übelkeit, Brennen, ausgeprägtem Durst, dosiert. Zur Senkung des Harnsäurespiegels außerhalb von Gichtanfällen verschreibt die Schulmedizin meist Allopurinol.

Hierzu lässt sich anmerken, dass die komplementären Nahrungsergänzungsmittel (siehe unten) wichtig sind, denn Allopurinol hat nicht unerhebliche Nebenwirkungen wie Hautausschläge, Entzündungen der Blutgefäße, Lebervergiftung und verminderte Nierenfunktion.

Allgemeine Empfehlungen

 

· Trinken Sie täglich zwei bis drei Liter Flüssigkeit wie Wasser oder Tee (Nierentee, Brennnesseltee, Hagebuttentee, grüner Tee), um die Ausscheidung der Harnsäure über die Nieren zu fördern.

· Übertreiben Sie es nicht mit Sport: Anstrengende und lang andauernde Belastungen führen zu einem verstärkten Abbau von RNA und DNA, mit einer erhöhten Freisetzung von Harnsäure.

· Eine Gewichtsreduktion bei Übergewicht senkt den Harnsäurespiegel, aber vermeiden Sie Crash-Diäten, da ein schneller Gewichtsverlust die Harnsäure erst recht erhöht.

Ernährungsempfehlung

Da der größte Teil der im Körper produzierten Harnsäure aus der Freisetzung körpereigener Purine durch Zellenabbau stammt und die Menge an Purinen aus der Nahrung viel geringer ist, kann man von einer purinarmen Diät nur sehr wenig erwarten.

Nur wenn der Harnsäurespiegel bereits zu hoch ist oder in einer Periode von Gichtanfällen, kann vorübergehend eine strenge Diät mit möglichst wenig Purinen angezeigt sein, um den Harnsäurespiegel um 15 bis maximal 20 Prozent zu senken.

Was den Einfluss von Alkohol betrifft: Hier erweisen sich vor allem Bier und Sherry als schädlich, Rotwein (mit schützenden Polyphenolen) kann in Maßen getrunken werden. Schließlich ist generell eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung einer minderwertigen Ernährung vorzuziehen.

Diese Nahrungsmittel sind nicht empfehlenswert

 

· Alkohol: besonders Bier und Sherry, senken die Ausscheidung der Harnsäure.

· Fruktose: Erhöht die Harnsäureproduktion.

· Zucker: (Getränke, Süßigkeiten, Backwaren) Zucker besteht zur Hälfte aus Fruktose, ist ein Nährstoffräuber und fördert Entzündungen.

· Weißmehlprodukte

· Cola, Kaffee, schwarzer Tee

· Gebratene und frittierte Nahrung, erhitzte pflanzliche Fette (außer Olivenöl), geröstete Nüsse

· Nahrung mit einem hohen Puringehalt: Innereien (Leber, Herz, Nieren, Bries), Wild, Pferdefleisch, Schweinefleisch, Wurstwaren, Bratensaft, Fleischsoßen; Sardellen, Hering, Kabeljau, Muscheln, Sardinen, Sprotten, Seezunge, Thunfisch; Spargel und Champignons; Hefe und Bierhefe.

· Nahrung mit mäßigem Puringehalt: übrige Fleisch- und Fischsorten, Geflügel, Bohnen, Erbsen, Linsen, Blumenkohl, Spinat, Kohlrabi, Hafer und Buchweizen, Eier, Hartkäse.

Diese Nahrungsmittel sollten Sie essen

 

· Frisches Gemüse: besonders grünes Gemüse; nicht die oben genannten Sorten.

· Frisches Obst: Am besten sind Heidelbeeren, Sauerkirschen und Erdbeeren. Sie neutralisieren die Harnsäure und wirken antioxidativ.

· Vollkorngetreide (außer Hafer und Buchweizen): Vollkornreis, Hirse. Vollkornbrot aus Sauerteig.

· Genügend pflanzliches Eiweiß wie Nüsse und Soja.

· Tierisches Eiweiß in Form von Sauermilchprodukten.

· Kaltgepresste, nicht erhitzte Pflanzenöle (außer Olivenöl).

Phytotherapie

Glücklicherweise gibt es viele Pflanzen, die den Harnsäurespiegel senken, indem sie die Nierenfunktion anregen, insbesondere Wacholderbeeren. Es gibt auch Pflanzen, die Entzündungen reduzieren oder die durch ihre oligomeren Procyanide antioxidativ wirken.

 

· Absolutes Top-Mittel zur Senkung des Harnsäurespiegels: Der Gemeine Wacholder. Er fördert die Nierenfunktion, indem er die Filterfunktion der Niere erhöht und damit die Ausscheidung von Wasser und Harnsäure steigert.

· Andere harnsäuresenkende Pflanzen: Schwarze Johannisbeerblätter oder -knospen, Große und Kleine Brennnessel, Echte Bärentraube, Gemeine Esche, Hänge-Birke, Katzenbart, auch bekannt als Java-Tee.

· Reduzieren Entzündungen in den Gelenken: Teufelskralle senkt zusätzlich die Harnsäure, Indischer Weihrauch, Mädesüß fördert die Harnsäureausscheidung, Weidenrinde, Gelbwurz, auch bekannt als Kurkuma.

· Unterstützen die Nierenfunktion und erhöhen die Ausscheidung von Harnsäure: Goldrute, Kleines Habichtskraut, Kanadisches Berufkraut, Große Klette, Löwenzahnblatt, Petersiliensamen.

· Alfalfa und Riesentang: senken ebenfalls den Harnsäurespiegel.

· Heidelbeere und Traubenkerne: Sie sind reich an den schützenden Antioxidantien Pycnogenole oder OPCs (oligomere Procyanide).

Aromatherapie

Äußerlich in einem Trägeröl werden vor allem entzündungshemmende ätherische Öle wie Wintergrün, Zitronen-Eukalyptus, Wacholder, Basilikum, Strohblume, Lavendel, Pfefferminze verwendet.

Stellen Sie zum Beispiel eine Mischung aus 3 Teilen Zitronen-Eukalyptus, 2 Teilen Strohblume, 1 Teil Wintergrün und 1 Teil Pfefferminze her. Damit können Sie während 5 bis 7 Tagen das schmerzende Gelenk mit 3 bis 4 Tropfen einmassieren, eventuell aufgelöst in einem Trägeröl.

Nahrungsergänzungsmittel

Auch Nahrungsergänzungen können bei Gicht regulierend wirken:

 

· Folsäure oder Vitamin B9: hilft, den Harnsäurespiegel zu senken, indem es den Stoffwechsel von Purinen reguliert.

· Vitamin C (eventuell mit Bioflavonoiden): erhöht die Harnsäureausscheidung, mindestens 500 mg täglich.

· Vitamin E (800 IU/Tag in Form von d-Alpha-Tocopherol): reduziert Entzündungssymptome.

· Fischöl (bis 2 Gramm EPA und DHA täglich): vermindert Entzündungssymptome, fördert die Geweberegeneration, stellt das Gleichgewicht der essenziellen Fettsäuren wieder her.

· Eiweißverdauende Enzyme: nüchtern und zwischen den Mahlzeiten verringern Entzündungen, fördern die Verarbeitung der Harnsäure durch weiße Blutkörperchen.

· MSM (Methylsulfonylmethan): reduziert Entzündungen in den Gelenken, fördert die Leberentgiftung.

· Glucosamine und Chondroitinsulfate: Schützen den Knorpel, wirken entzündungshemmend und schmerzstillend.

· Vitamin B6 (entwässernd) und Vitamin B5: fördern die Umwandlung von Harnsäure in Harnstoff.

· Selen und Quercetin: reduzieren Entzündungen.

· Calciummorotat: neutralisiert Harnsäurekristalle.

· Zink: reguliert den Eiweißstoffwechsel, regeneriert das Gewebe.

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