Montag, 28. März 2022

Gesunde Darmflora sorgt für eine gute Schilddrüsenfunktion



Eine gute Verdauung und eine gesunde Darmflora sind die Basis für das richtige Gleichgewicht der Schilddrüsenhormone. Umgekehrt wird die Funktion aller Verdauungsorgane stark vom Schilddrüsenhormonhaushalt beeinflusst.

Die Darmflora und ihr Einfluss auf die Schilddrüsenhormone

Ungefähr 20 Prozent des weniger starken Schilddrüsenhormons T4 werden im Darm in das stärkere Hormon T3 umgewandelt. T3 ist dabei an ein Schwefel- oder Essigsäuremolekül gebunden. Das T3 wird erst nutzbar, wenn diese Moleküle von dem Enzym Sulfatase entfernt werden. Dieses Enzym wird von gesunden Darmbakterien wie Laktobazillen und Bifidobakterien gebildet.

 

Bei einem Ungleichgewicht in der Darmflora und einem Mangel an gesunden Darmbakterien gibt es nicht genügend Sulfatase, so dass nicht genügend inaktives T3 in aktives T3 umgewandelt werden kann. In einer gesunden Darmflora besteht ein gutes Verhältnis zwischen dem aktiven Schilddrüsenhormon T3 und dem blockierenden Schilddrüsenhormon rT3. Ein gutes Verhältnis ist mindestens sechs Mal so viel Gesamt-T3 (die gesamte Menge des gebundenen und ungebundenen T3) zu rT3. Wenn die Darmflora zum Beispiel durch die Einnahme von Medikamenten (Magensäurehemmer, Kortikosteroide, Antibiotika), Stress oder eine Infektion aus dem Gleichgewicht gerät, führt dies zu einer Stressreaktion. Das veranlasst die Nebennieren, mehr des Stresshormons Cortisol zu produzieren. Cortisol hemmt die Produktion von aktivem T3 und regt die Produktion von hemmendem, inaktivem rT3 an. rT3 heftet sich an den T3-Rezeptor der Körperzellen, wodurch weniger aktives T3 gebunden wird. Infolgedessen wird die Zelle weniger aktiviert (1, 2, 3)

 

Verschiedene Darmbakterien, darunter Escheria coli, scheinen in der Lage zu sein, aktives T3 an ihren Schilddrüsenrezeptor zu binden. Sie bilden so - wenn sie in ausreichender Zahl im Darm vorhanden sind - eine Reserve an Schilddrüsenhormonen. Dadurch ist der Körper besser in der Lage, Schwankungen im Schilddrüsenhormonhaushalt zu bewältigen. Das kann den Bedarf an Schilddrüsenhormonen senken (4).

Probiotika und Schilddrüsenhormone

Die Forscher untersuchten die Auswirkungen der Einnahme von Probiotika mit Laktobazillen und Bifidobakterien auf das Medikament Levothyroxin, ein Schilddrüsenhormon. Sie fanden einen signifikanten Unterschied im Schilddrüsenhormonbedarf zwischen der Probiotika-Gruppe und der Kontrollgruppe. Die Probiotika erhöhten die Verfügbarkeit von Schilddrüsenhormonen und stabilisierten die Schilddrüsenfunktion. Die Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass diese Probiotika positiv Schwankungen der Schilddrüsenhormone ausgleichen, indem sie Levothyroxin mit Hilfe der bakteriellen Enzyme Sulfatase und Beta-Glucoronidase in aktives T3 umwandeln. Es muss noch erforscht werden, welche Dosierungen und welche Bakterienstämme speziell zur Optimierung des Schilddrüsenhormonhaushaltes verwendet werden können (5, 6).

Darmflora und autoimmune Schilddrüsenerkrankungen

Wissenschaftliche Untersuchungen haben einen positiven Zusammenhang zwischen der Konzentration der kurzkettigen Fettsäure Buttersäure im Darm und der Anzahl der immunregulierenden T-Zellen (T-reg) festgestellt. T-regulierende Zellen sorgen dafür, dass der Körper eine ausreichende Toleranz gegenüber körpereigenen Geweben aufbaut. Auf diese Weise verhindern sie Autoimmunreaktionen, die sich zum Beispiel gegen körpereigene Gewebe wie die Schilddrüse richten.

Andererseits regt eine zu niedrige Konzentration von Buttersäure die Produktion von entzündungsfördernden Th-17-Zellen an. Diese Zellen stehen im Zusammenhang mit Autoimmunreaktionen (7, 8). Buttersäure wird von verschiedenen Arten nützlicher Darmbakterien produziert, darunter Faecalibacterium prausnitzii, Roseburia spp, Ruminococci und Eubacterium spp. Diese Bakterien brauchen für ihr Wachstum genügend Ballaststoffe in der Nahrung.

Darmflora bei Hashimoto

Der Zusammenhang zwischen der Hashimoto-Krankheit und der Darmflora wird immer mehr erforscht. Es hat sich gezeigt, dass eine Veränderung der Darmflora dabei eine Rolle spielen könnte. In verschiedenen Studien wurden die Unterschiede zwischen der Darmflora von gesunden Menschen und Menschen mit Hashimoto untersucht. Es wurde festgestellt, dass die Darmflora von Hashimoto-Patienten eine höhere Anzahl der folgenden Bakterien enthielt:

· Blautia

· Roseburia

· Rumminococcus torques

· Romboutsia

· Dorea

· Eubacterium hallii

Die Anzahl von Faecalibakterien, Bacteroides, Prevotella und Lachnoclostridium war dagegen geringer. So spielt Fecalibacterium prausnitzii eine wichtige Rolle bei der Verringerung von Entzündungen im Körper und Prevotella-Arten bei der Erneuerung der Darmschleimhaut und damit für die Durchlässigkeit des Darms.

Ob diese Unterschiede die Folge oder eine mögliche Mitursache der Hashimoto-Krankheit sind und welchen Einfluss sie auf den Krankheitsverlauf haben, muss noch untersucht werden (9).

Darmflora bei Morbus Basedow oder Graves-Krankheit

Auch bei der Basedowschen Krankheit, einer anderen Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, wird eine wichtige Rolle der Darmflora bei der Entstehung dieser Krankheit vermutet. Die Studie aus 2021 (10) ergab, dass Patienten mit Morbus Basedow eine weitaus weniger vielfältige Darmflora haben als gesunde Menschen. Je vielfältiger die Darmflora ist, desto gesünder und widerstandsfähiger ist sie gegen Störungen. Auch die Menge an Bacteroidetes, Faecalibacterium, Bacteroides, Prevotella, Bifidobakterium und Lactobazillen war im Vergleich zu gesunden Menschen höher.

Der Anteil an Blautia, Eubacterium hallii und rectale, Anaerostipes, Collinsella, Dorea, Peptostreptococcaceae, Ruminococcus torques und Subdoligranulum war geringer.

In der Gruppe der Laktobazillen wurden neun Arten gefunden, die mit der Anzahl und dem Niveau der TPO- und TSH-Rezeptor-Antikörper in Verbindung stehen. Bestimmte Stämme von Laktobazillen sind für den Körper schädlich und können die Produktion der entzündungsfördernden Substanz NF-kappa beta anregen und damit möglicherweise die Basedowsche Krankheit auslösen.

 

Der Bakterienstamm Bacteroides produziert kurzkettige Fettsäuren wie Acetat, Succinat und Propionat, aber keine Buttersäure. Wird keine Buttersäure produziert, wird auch weniger Darmschleim gebildet und der Darm wird durchlässiger. Das führt zur Produktion von entzündungsfördernden Substanzen, die das Immunsystem durcheinanderbringen.

Der Blautia-Bakterienstamm steht im Verdacht, eine wichtige Rolle bei einer zu schnell arbeitenden Schilddrüse zu spielen. Das könnte eine mögliche Erklärung für das Auslösen der Basedow-Krankheit durch eine veränderte Darmflora sein. Es sind weiter Forschungen nötig, um die Rolle der Darmflora bei der Entstehung und dem Fortschreiten der Basedow-Krankheit zu klären.

Molekulare Täuschung

Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse können durch molekulare Täuschung ausgelöst werden. Bei der molekularen Täuschung handelt es sich um eine Ähnlichkeit zwischen Proteinen zum Beispiel in Lebensmitteln und schädlichen Mikroorganismen im Magen-Darm-Trakt und körpereigenen Proteinen, zum Beispiel Schilddrüsengewebe. Wenn das Immunsystem auf das Eiweiß zum Beispiel einer schädlichen Bakterie reagiert, greift es gleichzeitig das körpereigene Gewebe an, das eine ähnliche Eiweißstruktur hat.

Die folgenden Nahrungsproteine und Mikroorganismen können wahrscheinlich Autoimmunreaktionen gegen die Schilddrüse auslösen:

· Gluten in Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel und Kamut sowie möglicherweise andere Allergene, wie Kuhmilcheiweiß,

· die Bakterien Yersinia enterocolitica, Borrelia burgdorferi (Auslöser der Lyme-Borreliose), Rickettsien, der Magenkeim Helicobacter pylori,

· Hepatitis C, Herpesvirus, Parvovirus B19, Grippevirus Influenza B, Epstein-Barr-Virus (Auslöser des Pfeifferschen Drüsenfiebers),

· bestimmte Darmparasiten (Gardia lambia, Blastocytes hominis),

· Röteln.

Gute Verdauung und Aufnahme

Damit der Schilddrüsenhormonhaushalt richtig funktioniert, benötigt der Körper verschiedene Nährstoffe, darunter die Aminosäure Tyrosin, die Vitamine A, B und D, Selen, Eisen und Zink. Wenn genügend Verdauungsenzyme produziert werden und die Darmschleimhaut in gutem Zustand ist, werden diese Nährstoffe vom Darm gut aufgenommen. Über das Blut erreichen die Nährstoffe die Schilddrüse und alle anderen Systeme, die an der Regulierung der Schilddrüsenhormone beteiligt sind.

Ein Mangel an Speichel, Magensäure, Galle, Bauchspeicheldrüsen- und Darmsäften und/oder eine Entzündung der Darmschleimhaut oder eine durchlässige Darmwand (Leaky gut) können zu einer Unterversorgung mit Nährstoffen führen, die die Schilddrüse unterstützen. Beispiele sind Verdauungsprobleme, die durch Stress, die Einnahme von Magensäurehemmern, eine operativ entfernte Gallenblase oder einen verminderten Gallenfluss durch Gallensteine verursacht werden.

Zu den Situationen, die die Aufnahme von schilddrüsenunterstützenden Nährstoffen hemmen, gehören die Einnahme von abführend wirkenden Medikamenten, chronischer Durchfall, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder chronische Entzündungen der Darmschleimhaut (z.B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa). Aufgrund eines Ungleichgewichts bei der Verdauung und/oder Aufnahme ist auch die Aufnahme von Schilddrüsenhormonen durch die Darmwand verringert. Das kann zu einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) führen.

Giftige und entzündungsfördernde Stoffe

Bei einer übermäßigen Vermehrung von schädlichen Bakterien im Darm kommt es zu einem Überschuss an Zellwänden dieser Bakterien im Darm, den sogenannten Lipopolysacchariden (LPS). LPS beeinflussen die Schilddrüsenhormone auf verschiedene Weise. Sie senken den Schilddrüsenhormonspiegel, verringern die Empfindlichkeit der Körperzellen gegenüber Schilddrüsenhormonen, erhöhen das inaktive rT3 und fördern die Entwicklung von Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse wie Hashimoto und Morbus Basedow (11, 12). Außerdem haben LPS-Bakterien eine störende Wirkung auf die Hypophysenfunktion. Da die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und die Schilddrüse eng zusammenarbeiten, hat dies auch einen negativen Einfluss auf die Schilddrüse.

Östrogendominanz

Wenn die Verdauung beeinträchtigt ist und/oder eine Fehlbesiedlung des Darms vorliegt, kann der Körper weniger gut überschüssige Östrogene abbauen und über den Stuhl ausscheiden. Das kann zu einer Östrogendominanz führen. Östrogene binden sich an die Transporteiweiße für die Schilddrüsenhormone im Blut. Dadurch bleibt weniger Platz für den Transport von Schilddrüsenhormonen zu den Geweben, die auf diese Weise weniger Schilddrüsenhormone erhalten.

Daher ist es wichtig, dass sowohl der Verdauungs- als auch der Sexualhormonhaushalt im Gleichgewicht sind, um eine ausreichende Verfügbarkeit von Schilddrüsenhormonen zu gewährleisten. Zu den Anzeichen, die auf eine Östrogendominanz hindeuten, gehören zyklusbedingte Kopfschmerzen, Migräne, Blähungen, Wassereinlagerungen und Stimmungsschwankungen, Fettablagerungen an den Beinen, starke Regelblutungen, Myome und ein geringer Sexualtrieb. Zur Diagnose der Östrogendominanz stehen Hormonspeicheltests und ein Urintest zur Verfügung.

Der Einfluss der Schilddrüsenhormone auf den Darm

Alle Verdauungsorgane benötigen genügend Schilddrüsenhormone, um richtig zu funktionieren. Wenn nicht genügend Schilddrüsenhormone vorhanden sind oder die Zellen nicht empfindlich genug auf die Schilddrüsenhormone reagieren, produzieren die Verdauungsorgane nicht genügend Enzyme für die Verdauung der Nahrung. Magen und Darm sind dann weniger beweglich, so dass Nahrung und Abfallprodukte länger im Verdauungstrakt bleiben.

Das erhöht das Risiko für Verstopfung, Sodbrennen, übermäßige Blähungen und die Vermehrung von Mikroorganismen im Darm, darunter schädliche Bakterien, Hefen, Schimmelpilze und Parasiten. Das kann dann zu Nahrungsmittelüberempfindlichkeiten, Darmentzündungen und niedriggradigen Entzündungen an anderen Stellen im Körper sowie zu einer verminderten Nährstoffaufnahme führen. Leber, Gehirn und andere Organe können mit giftigen und entzündungsfördernden Stoffen aus dem Darm, wie Aldehyden (alkoholähnliche Verbindungen), LPS, Ammoniak, Schwefelwasserstoff und anderen Fäulnisstoffwechselprodukten und entzündungsfördernden Botenstoffen (Zytokine) überlastet werden.

Dadurch wird der Schilddrüsenhormonhaushalt weiter belastet, wodurch die Funktion sich weiter verschlechtert. Schilddrüsenhormone sind auch wichtig, um die Darmschleimhaut in gutem Zustand zu halten. So wird verhindert, dass die Darmschleimhaut durchlässig wird und alle Arten von Giftstoffen, Allergenen und schädlichen Bakterien aus dem Darm ins Blut gelangen können.

Stuhluntersuchung

Leiden Sie unter Magen- oder Darmbeschwerden wie Aufstoßen, Magenschmerzen, Sodbrennen, Blähungen, unregelmäßigem Stuhlgang, hartem oder zu weichem Stuhl oder chronischen Entzündungen des Darms? Oder haben Sie Beschwerden, die oft durch ein Ungleichgewicht im Verdauungssystem verursacht werden, wie zum Beispiel Hauterkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Asthma, ADHS, Autismus, Diabetes und Übergewicht?

Die Chancen stehen gut, dass Sie durch die Optimierung Ihrer Verdauung und Ihrer Darmflora Ihre Schilddrüsenhormone besser ins Gleichgewicht bringen. Ein Stuhltest zur Untersuchung der Darmflora ist ein sehr nützliches Hilfsmittel, um mehr Einblick in die Beziehung zwischen Verdauung und Schilddrüsenhormonhaushalt zu erhalten. Er gibt gute Anhaltspunkte für eine auf Ihre Bedürfnisse zugeschnittene Behandlung durch Ernährung, Nahrungsergänzung und Lebensweise.

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