Montag, 23. März 2020


Unregelmäßiger Schlaf verdoppelt das Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten bei Menschen über 45 Jahre. Wissenschaftler sprechen von einem neuen Risikofaktor.

Es geht um die erste Studie, die die Verbindung zwischen unregelmäßigem Schlaf und der Entwicklung von Herz- und Gefäßkrankheiten zeigt. Amerikanische Wissenschaftler überwachten fünf Jahre lang fast zweitausend Männer und Frauen zwischen 45 und 84 Jahren, die zu Beginn der Studie keine Herz- und Gefäßkrankheiten hatten.
Ältere Erwachsene mit einem unregelmäßigen Schlafrhythmus hatten dabei ein beinahe doppelt so hohes Risiko Herz-Kreislauf-Krankheiten zu entwickeln, als Menschen, die regelmäßiger schliefen. Man spricht von einem unregelmäßigen Schlafrhythmus, wenn jemand keinen regelmäßigen Bettzeit- und Arbeitsrhythmus hat oder wenn jemand nicht jede Nacht gleich lange schläft. Das trifft zum Beispiel auf Schichtarbeiter oder Flugpersonal zu.
Neuer Risikofaktor
Aus frühere Studien ging bereits hervor, dass Schlafmangel das Risiko für Fettleibigkeit (Adipositas), Diabetes und Herzerkrankungen erhöht. Es bestand die Vermutung, dass eine hohe tägliche Veränderlichkeit bei der Schlafdauer und der Schlafenszeit auch schlecht fürs Herz ist, aber bis zu der aktuellen Studie, war der Zusammenhang unklar.
Die Wissenschaftler sprechen darum von einem neuen unabhängigen Risikofaktor für Herz- und Gefäßkrankheiten. „Einen regelmäßigen Schlafrhythmus beizubehalten, kann Herzerkrankungen vorbeugen, genau wie körperliche Bewegung, eine gesunde Ernährung und andere Lebensstilmaßnahmen“, erklären die Mediziner in einer Stellungnahme.
Die Teilnehmer bekamen an sieben aufeinanderfolgenden Tagen einen Aktometer um das Handgelenk, ein Gerät, das wie eine Uhr aussieht und den Aktivitäts- und Ruherhythmus misst. Sie unterzogen sich auch einem ausführlichen Schlaftest in Form einer Polysomnographie. Bei diesem Test wurden sie während einer Nacht an verschiedene Messinstrumente angeschlossen.
Biologische Mechanismen
Während der fünfjährigen Laufzeit der Studie bekamen 111 Teilnehmer Herz- und Gefäßkrankheiten, zum Beispiel einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Die Teilnehmer mit dem unregelmäßigsten Schlafrhythmus und Schlafzeitpunkt, hatten ein doppelt so hohes Risiko als diejenigen mit dem regelmäßigsten Schlafrhythmus. Eine Schlafdauer, die von Tag zu Tag weniger als zwei Stunden unterschiedlich war, stellte kein Problem dar. Ebenso wenig wie ein Schlafzeitpunkt, der sich täglich um weniger als eine halbe Stunde unterschied. Erst wenn der Schlafzeitpunkt sich täglich um mehr als 90 Minuten und die Schlafdauer mehr als zwei Stunden verschob, stieg das Gesundheitsrisiko an.
Die genauen biologischen Mechanismen hinter dem Zusammenhang zwischen unregelmäßigem Schlaf und Herzproblemen sind noch unklar. Die Wissenschaftler vermuten, dass mehrere Faktoren eine Rolle spielen, darunter die Störung der biologischen Uhr, die den Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert.
„Wir hoffen, dass unsere Studie dazu beitragen wird, das Bewusstsein für die potenzielle Bedeutung eines regelmäßigen Schlafrhythmus für die Herzgesundheit zu schärfen“, sagt der Hauptautor Tianyi Huang, Epidemiologe und Schlafmediziner aus Boston. „Das ist alles noch Neuland für die Schlafmedizin.“

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