Samstag, 25. Mai 2013


Cassia-Zimt sollte nur in begrenzten
Mengen verzehrt werden
(Foto: weinstock/pixabay.com)


Winterzeit ist Zimtzeit. Doch Zimt ist nicht gleich Zimt. Cassia-Zimt sollte wegen möglicher Gesundheitsgefahren nur in begrenzten Mengen verzehrt werden, wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erneut bestätigt hat.


Stimmungsvolle Weihnachtsmärkte, aromatischer Glühwein, knusprige Weihnachtsplätzchen und würziger Zimtduft: Das gehört für die meisten doch unbedingt zur Weihnachts- und Winterzeit. Zimt ist fester Bestandteil des Weihnachtsgebäcks, aber auch Milchreis, Kuchen und andere Süßspeisen sind ohne Zimtgewürz kaum vorstellbar. Doch man sollte beim Einkauf auf die Sorte des Zimtes achten. Man unterscheidet den milden in Sri Lanka beheimateten Ceylon-Zimt und den herberen und preiswerteren China- oder Cassiazimt.

Cassia-Zimt enthält viel Kumarin

Cassia-Zimt enthält höhere Mengen an Kumarin, ein natürlich vorkommender sekundärer Pflanzenstoff, der auch frischem Heu und getrocknetem Waldmeister sein typisches Aroma verleiht. Und auch Datteln und Tonkabohnen enthalten den Aromastoff Kumarin. Kumarin wird in der Medizin zur Hemmung der Blutgerinnung eingesetzt. In größeren Mengen ist Kumarin gesundheitsgefährdend. Es löst Kopfschmerzen, Schwindel und Erbrechen aus und in sehr hohen Dosen kommt es zu Lähmungserscheinungen, Atemstillstand bis hin zum Koma. Weil in den USA schon früh toxische Wirkungen im Tierversuch festgestellt wurden, ist dort seit 1954 Kumarin als Aromastoff verboten. In Europa gelten bestimmte Höchstmengen für zimthaltige Lebensmittel, aber nicht für Zimt als Gewürz. Kumarin kann auch schnell über die Haut aufgenommen werden. Für den Einsatz in Kosmetika gelten jedoch keine Grenzwerte, ab einer bestimmten Menge muss dies aber auf dem Produkt angegeben werden.

Schon in geringer Dosierung verursacht Kumarin bei empfindlichen Personen Leberschäden. Es kann zu Leberentzündungen und Gelbsucht kommen. Daher warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung erneut vor allzu hohem Konsum von Zimt und Zimtprodukten. In einer Studie zur Bioverfügbarkeit von Kumarin wurde festgestellt, dass Kumarin aus Zimt genauso gut vom Körper aufgenommen wird, wie isoliertes Kumarin. Daher müssen die Grenzwerte für Zimt genauso gelten wie für die Reinsubstanz. Deshalb bestätigt das BfR die 2011 festgelegte tolerierbare Dosis (TDI-Wert) von 0,1 mg Kumarin pro Kilogramm Körpergewicht. Diese Menge soll ohne Gesundheitsbeeinträchtigung lebenslang jeden Tag aufgenommen werden können. Minimale Überschreitungen des TDI-Wertes für eine oder zwei Wochen gelten als gesundheitlich unbedenklich.

Wie viel Zimt darf man konsumieren?

Der Höchstgehalt an Kumarin für traditionelle beziehungsweise saisonale Backwaren, die Zimt enthalten beträgt 50 Milligramm pro Kilogramm Lebensmittel. Für Süßspeisen wie Milchreis mit Zimt gelten 5 Milligramm pro Kilogramm Lebensmittel. Eine Höchstgrenze für Kumarin in Zimt besteht aktuell nicht.

Bei Kindern mit einem Körpergewicht von 15 Kilogramm wird der TDI-Wert mit 30 Gramm Zimtsternen (etwa sechs Stück) oder 100 Gramm Lebkuchen pro Tag ausgeschöpft. Ein 60 Kilogramm schwerer Erwachsener erreicht den TDI-Wert beim Verzehr von zwei Gramm Cassia-Zimt pro Tag, also 120 Gramm Zimtsterne (24 Stück). Cassia-Zimt enthält im Durchschnitt drei Gramm Kumarin pro Kilogramm Zimt. Allerdings wurden auch schon Proben mit zehn Gramm Kumarin pro Kilogramm gefunden. Verbraucher sollten allerdings daran denken, dass durch die Verwendung von beispielsweise kumarinhaltigen Kosmetikprodukten die Gesamtbelastung höher ausfallen kann.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät Verbrauchern, die Nahrungsergänzungsmittel auf Zimtbasis einnehmen, darauf zu achten, ob die Produkte den stark kumarinhaltigen Cassia-Zimt enthalten. Zudem enthalten unterschiedliche Produkte auch unterschiedliche Mengen an Kumarin, je nach Zimtsorte und seiner Vorbehandlung.
Zimt senkt den Blutzucker und wird von Diabetikern auch zur Therapieunterstützung in Kapselform eingenommen. Dabei kann es eventuell zur Überschreitung des TDI-Wertes kommen. Generell sollte bei Verwendung großer Mengen Zimt im Haushalt auf den kumarinarmen Ceylon-Zimt ausgewichen werden.

Wie erkennt man Produkte mit Ceylon-Zimt?

Handelt es sich um Zimt in Pulverform, wird es für Verbraucher schwierig. Sofern auf der Verpackung nicht deklariert wird, um welche Zimtsorte es sich handelt, ist es für Konsumenten nicht feststellbar. Bei Zimtstangen ist es etwas einfacher: Beim Cassia-Zimt wird die Rinde zu einem verhältnismäßig dicken Röllchen eingerollt. Beim Ceylon-Zimt werden mehrere dünne Lagen Zimtrinde zu einer Zimtstange gerollt, die im Querschnitt einer angeschnittenen Zigarre ähnelt.

Quellen: Presseinformation Bundesinstitut für Risikobewertung: Cassia-Zimt mit hohen Cumaringehalten nur maßvoll verzehren. Stand 27.09.2012

Bioverfügbarkeitsstudie: Klaus Abraham, Michael Pfister, Friederike Wöhrlin, Alfonso Lampen: Relative bioavailability of coumarin from cinnamon and cinnamon-containing foods compared to isolated coumarin: A four-way crossover study in human volunteers. Published in Molecular Nutrition & Food Research April 2011, doi:10.1002/mnfr.201000394

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Gesundheit & Wissenschaft

Gesundheit & Wissenschaft
Bitte beachten Sie, dass Artikel auf dieser Seite generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen können.

Categories

Angelika Lensen. Powered by Blogger.

Autor(en)

Alle Beiträge auf Gesundheit & Wissenschaft wurden von Angelika Lensen erstellt.

About Me

Mein Foto
Ich schreibe als freie Journalistin für Online- und Printmedien
über Gesundheit, Medizin und Wissenschaft.


Werbepolitik

Diese Internetseite ist frei von Werbung und wird ausschließlich privat finanziert.

Letzte Aktualisierung

Beliebte Artikel

Blog Archive

Folgen Sie dem Blog per E-Mail

Google+ Badge