Mittwoch, 28. August 2013


Sulforaphan im Brokkoli - Schlüssel zur Behandlung von Arthrose?
(Foto: PDPics / pixabay.com)

Das grüne Gemüse Brokkoli könnte im Kampf gegen die schmerzhafte Gelenkerkrankung Arthrose eine Schlüsselrolle spielen, meinen Wissenschaftler.


Laut neuen Forschungen der »University of East Anglia« (UEA) könnte eine Verbindung, die im Brokkoli gefunden wurde, eine Schlüsselrolle bei der Vorbeugung und Behandlung von Arthrose spielen. Die Ergebnisse aus der Laborstudie zeigen, dass Sulforaphan die Zerstörung des Gelenkknorpels verlangsamt, die häufig mit erheblichen Schmerzen und einer Schwächung des Gelenks einhergeht. Die Wissenschaftler stellten fest, dass Mäuse, deren Ernährung reich an Sulforaphan ist, deutlich weniger Knorpelschäden und Arthrose entwickelten als Mäuse, die anderes Futter erhielten. Die Studie untersuchte ebenfalls menschliche Knorpelzellen und Knorpelgewebe von Kühen.

Brokkoli ist reich an Sulphoraphan

Die Substanz Sulforaphan wird beim Essen von Kreuzblütlern wie Rosenkohl und anderen Kohlarten freigesetzt, aber in besonderem Maße beim Verzehr von Brokkoli. Frühere Forschungen haben angedeutet, dass Sulforaphan krebs- und entzündungshemmende Eigenschaften hat, aber dies ist die erste große Studie für die Wirkung auf die Knochengelenksgesundheit.

Die Forscher entdeckten, dass Sulforaphan Enzyme blockiert, die die Gelenke zerstören, indem ein Schlüsselmolekül gestoppt wird, das Entzündungen verursacht. Die Mediziner wollten herausfinden, ob die Substanz aus dem Brokkoli in genügender Menge in die Gelenke gelangt, um wirksam zu sein. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal »Arthritis & Rheumatism« veröffentlicht.

Volkskrankheit Arthrose

Mehr als 8,5 Millionen Menschen in Großbritannien und etwa 5 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Arthrose, einer degenerativen Gelenkserkrankung, die vor allem Hände, Füße, Wirbelsäule, Hüfte und Knie betrifft. Laut Angaben der britischen Arthritis-Forschung betragen die jährlichen Kosten des Gesundheitssystems für diese Erkrankung 5,2 Milliarden britische Pfund (ca. 6 Milliarden Euro). Im Jahr 2011 wurden mehr als 77.000 Kniegelenke und über 66.000 Hüftgelenke wegen Arthrose durch künstliche Gelenksprothesen ersetzt - ungefähr ein Gelenk alle vier Minuten.

Alter und krankhafte Fettleibigkeit sind die häufigsten Mitwirkenden bei der Erkrankung und aufgrund ihrer Auswirkungen könnte in Großbritannien die Zahl der Patienten, die wegen einer Kniearthrose den Hausarzt aufsuchen von 4,7 Millionen im Jahr 2010 auf 8,3 Millionen bis zum Jahr 2035 steigen. Aktuell leidet jeder Fünfte über 45 Jahren an einer Kniearthrose. Es gibt keine Heilung oder wirksame Behandlung für diese Erkrankung. Einzige Maßnahmen sind Schmerzbekämpfung - die oft nur unzureichend wirkt - oder ein künstlicher Gelenkersatz. In einer kleinen klinischen Studie mit Arthrosepatienten, bei denen eine Gelenkersatz-Operation ansteht, wollen die Forscher herausfinden, ob der Verzehr von Brokkoli ähnliche Effekte auf das menschliche Gelenk hat. Ist die Studie erfolgreich, so hoffen die Wissenschaftler auf die Finanzierung einer großangelegten Studie, die die Wirksamkeit von Brokkoli auf Arthrose, die Gelenkfunktion und Schmerzen untersucht.

Ernährung als Vorbeugung gegen Arthrose?

Ian Clark, Professor für Muskel-Skelett-Biologie an der »University of East Anglia« und Studienleiter, sagt: »Die Ergebnisse dieser Studie sind sehr vielversprechend. Wir haben gezeigt, dass es in den drei verwendeten Labormodellen Knorpelzellen, Knorpelgewebe und Mäusen funktioniert. Nun möchten wir beweisen, dass beim Menschen wirkt. Es wäre von großer Bedeutung, wenn wir das beweisen könnten. Neben der Behandlung von Patienten, die bereits Arthrose haben, sollte es möglich sein gesunden Menschen zu erklären, wie sie ihre Gelenke zukünftig schützen können. Momentan gibt es keine medikamentösen Mittel gegen die Krankheit und man kann gesunden Menschen keine unnötigen Arzneimittel verabreichen, daher wäre eine entsprechende Ernährung eine sichere Alternative. Obwohl Operationen äußerst erfolgreich verlaufen, kann Gelenkersatz nicht die Lösung sein. Sobald Sie Arthrose haben, sind eine Verzögerung des Krankheitsverlaufs und das Hinauszögern einer Operation wirklich wichtig. Zu bevorzugen ist natürlich die Vorbeugung. Änderungen des Lebensstils, beispielsweise der Ernährung, sind vielleicht der einzige Weg dahin.«

Arthrose führt oft zu Invalidität

Professor Clark fügt hinzu: »Arthrose ist ein Hauptgrund für Invalidität. Es ist eine große gesundheitliche Last, aber auch eine große finanzielle Belastung, die sich in einer älter werdenden und zunehmend übergewichtigen Gesellschaft wie der unseren noch verstärken wird. Diese Studie ist wichtig, weil sie zeigen kann, wie die Ernährung bei Arthrose wirkt. Sobald Sie wissen, dass Sie auch andere Substanzen in der Ernährung untersuchen können, die vielleicht die Gelenke schützen, ist es schließlich möglich, Menschen Tipps zu geben, was sie für die Gelenksgesundheit essen sollen. Die Entwicklung neuer Strategien zur Bekämpfung altersbedingter Erkrankungen wie Arthrose ist unerlässlich. Dazu gehört einerseits die Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen, aber auch die Reduzierung der wirtschaftlichen Last für die Gesellschaft.«

Professor Alan Silman von der Arthrose-Forschung sagt: »Dies ist eine interessante Studie mit vielversprechendem Ergebnis und sie deutet an, dass ein weit verbreitetes Gemüse - Brokkoli - gesundheitliche Vorteile für Patienten mit Arthrose haben könnte und vielleicht sogar die Menschen vor dieser Erkrankung schützt. Bis jetzt konnten Forschungen nicht beweisen, dass Lebensmittel oder die Ernährung den Krankheitsverlauf bremsen können. Sollten die Ergebnisse sich in klinischen Studien tatsächlich bestätigen, wäre das ein echter Durchbruch. Wir wissen, dass Sport und ein gesundes Körpergewicht die Symptome der Patienten verbessern und das Risiko für ein Fortschreiten der Arthrose reduzieren, aber diese Ergebnisse bringen uns weitere Einblicke, inwieweit die Ernährung eine Rolle spielt.«

Kleine Studie vor Gelenkersatz-Operation

Bei der kleinen Studie mit 40 Teilnehmern erhält eine Hälfte einen speziell gezüchteten »Super-Brokkoli«, der besonders viel Sulforaphan enthält. Diese Gruppe soll den Brokkoli zwei Wochen lang vor der anstehenden Gelenksoperation essen. Nach der Operation wollen die Forscher untersuchen, ob die Substanz den Stoffwechsel des Gelenks verändert hat und ob das Sulforaphan im operierten Gelenk festzustellen ist.

Quelle: Rose Davidson, Orla Jupp, Rachel De Ferrars, Colin Kay, Kirsty Culley, Rosemary Norton, Clare Driscoll, Tonia Vincent, Simon Donell, Yongping Bao and Ian Clark: Sulforaphane represses matrix-degrading proteases and protects cartilage from destruction in vitro and in vivo, Arthritis & Rheumatism, August 2013, DOI: 10.1002/art.38133

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