Donnerstag, 8. Oktober 2026

Dieses Magenbakterium kann zu Darmkrebs führen

Ein Magenbakterium kann zu Darmkrebs führen (Foto: pexels.com/Mart Production)


Einer neuen Studie zufolge steht das Bakterium Helicobacter pylori weltweit mit mehr als jedem fünften Fall von Darmkrebs in Zusammenhang. Menschen unter 60 Jahren scheinen einem relativ höheren Risiko ausgesetzt zu sein.

 

Darmkrebs ist weltweit die zweithäufigste Todesursache unter allen Krebsarten: Allein im Jahr 2022 wurden fast 2 Millionen neue Fälle diagnostiziert, und 900.000 Menschen starben an dieser Krankheit. Helicobacter pylori ist aufgrund des eindeutigen Zusammenhangs mit Magenkrebs bereits seit längerem als sogenanntes Karzinogen der Gruppe 1, also als nachweislicher Krebserreger, bekannt. Die mögliche Rolle des Bakteriums bei Darmkrebs wird in der Wissenschaft jedoch seit Jahren kontrovers diskutiert, auch wenn es immer mehr Hinweise gibt, die in diese Richtung deuten.

Behandlung hilft erst nach Jahren

Die neue groß angelegte Metaanalyse zeigt, dass eine Belastung durch H. pylori im Vergleich zu keiner Exposition mit einem um 60 Prozent erhöhten Risiko für Darmkrebs einhergeht. Es wurden keine statistisch signifikanten Unterschiede hinsichtlich Geschlecht, Alter (über und unter 60 Jahren), Diagnosemethode oder dem Vorhandensein eines nationalen Vorsorgeprogramms festgestellt. In den vier Beobachtungsstudien, die darüber berichteten, wurde eine Behandlung zur Ausmerzung von H. pylori mit einem geringeren Darmkrebsrisiko in Verbindung gebracht, doch dieser Effekt zeigte sich erst nach zehn Jahren. Zusammengefasste Risikoschätzungen aus 43 Studien mit insgesamt fast 49 Millionen Menschen deuten darauf hin, dass eine Infektion mit H. pylori weltweit möglicherweise mit etwa 22 Prozent – also mehr als jedem fünften – aller Fälle von Darmkrebs in Zusammenhang steht. Betrachtet man ausschließlich die 14 Bevölkerungs- und Kohortenstudien, so liegt dieser Prozentsatz deutlich niedriger: bei 12 Prozent.

Jüngere Generationen mit höherem Risiko?

Es sieht stark danach aus, dass der Anteil der Darmkrebsfälle, die mit einer Exposition gegenüber H. pylori zusammenhängen, bei Menschen, die in späteren Jahrzehnten geboren wurden, höher ist: von 9,5 Prozent bei den vor 1947 Geborenen über etwa 10 Prozent bei der Generation von 1948 bis 1962 bis hin zu 15 Prozent bei den zwischen 1963 und 1977 Geborenen. Die Forscher betonen, dass zahlreiche andere Faktoren bei der Entstehung von Darmkrebs eine Rolle spielen: nicht beeinflussbare wie Genetik und Alter, aber auch beeinflussbare Faktoren wie Lebensstil und Ernährung. Weltweit sind diese Faktoren nach wie vor für einen größeren Anteil aller Darmkrebsfälle verantwortlich als H. pylori.

Vorsicht geboten

„Die Bekämpfung von H. pylori kann dazu beitragen, Magenkrebs vorzubeugen und – sollte sich der Zusammenhang mit Darmkrebs tatsächlich als kausal erweisen – auch die Krankheitslast in Gebieten zu verringern, in denen das Bakterium weit verbreitet ist“, schreiben die Forschenden. „Wie erfolgreich dies ist, hängt jedoch von der lokalen Epidemiologie, den Kapazitäten des Gesundheitswesens und dem Ausmaß ab, in dem dies mit bestehenden Vorsorgeprogrammen für Darmkrebs in Einklang steht. Genau wie bei der Prävention von Magenkrebs wirft auch die großangelegte Ausrottung von H. pylori Fragen zum verantwortungsvollen Einsatz von Antibiotika, zu Resistenzen und zu den Nebenwirkungen der Behandlung auf.“

Helicobacter pylori weit verbreitet

Helicobacter pylori ist ein Bakterium, das die Magenwand befällt und weltweit bei einem Großteil der Bevölkerung vorkommt. Schätzungen zufolge sind derzeit in Deutschland etwa 30 bis 40 Prozent der Erwachsenen Träger des Bakteriums, bei den über 60-Jährigen sind es sogar 47 Prozent. Die Ansteckung erfolgt meist durch direkte Übertragung von Mensch zu Mensch, beispielsweise innerhalb von Familien während der Kindheit. Viele Träger haben keine Beschwerden, doch das Bakterium kann Magenentzündungen, Magengeschwüre und langfristig Magenkrebs verursachen. Die Diagnose erfolgt mittels eines Atemtests, eines Stuhltests oder einer Magenbiopsie. Die Behandlung besteht in der Regel aus einer Kombination aus Antibiotika und einem Magensäurehemmer, der sogenannten Eradikationstherapie, die in den meisten Fällen erfolgreich ist.

 

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