Sonntag, 31. Juli 2016


Künstliche Süßstoffe wie Sucralose sind nicht
gesünder als Zucker
(Foto: Maddox74 - pixabay.com)
Studien bei Tieren und Menschen haben ergeben, dass künstliche Süßstoffe das Hungergefühl steigern und man dadurch mehr isst.




Künstliche Süßstoffe sind inzwischen genauso häufig in Nahrungsmitteln und Getränken verarbeitet wie Zucker. Als Verbraucher geht man davon aus, dass künstliche Süßungsmittel eher schlank als dick machen. Schließlich wird auch von Ernährungsexperten und Medizinern noch immer empfohlen, Zucker durch Süßstoffe zu ersetzen, um auf diese Weise Kalorien einzusparen und Übergewicht zu vermeiden oder abzubauen. Doch immer mehr Studien in den letzten Jahren stellen das Gegenteil fest. Je mehr Zucker durch Süßstoff ausgetauscht wird, umso mehr Kilos zeigt die Waage. So fanden australische Forscher nun heraus, dass künstliche Süßungsmittel den Appetit anregen und einen tatsächlich mehr essen lassen. Die Forscher konnten zum ersten Mal enträtseln, warum der Körper so reagiert. Ihre Forschungsergebnisse in »Cell Metabolism« decken auf, wie künstliche Süßstoffe im Gehirn auf die Regulierung des Hungergefühls wirken und die Geschmackswahrnehmung verändern.



Abgleich von Süßgeschmack und Kaloriengehalt

Die Forscher haben im Gehirn ein neues System entdeckt, das die Süße und den Energiegehalt erkennt und verknüpft. »Wir beobachteten bei Tieren, die dauerhaft mit dem künstlichen Süßstoff Sucralose ernährt wurden, dass sie anfingen, viel mehr zu fressen«, sagt Studienleiter Professor Greg Neely von der Universität Sydney. »Bei der systematischen Untersuchung dieses Effektes, stellten wir fest, dass im Belohnungszentrum des Gehirns der süße Geschmack verknüpft ist mit dem Energiegehalt. Wenn die Süße im Vergleich zum Energiegehalt eine Zeit lang aus dem Gleichgewicht gerät, misst das Gehirn erneut und erhöht die Gesamtmenge der Kalorienzufuhr.«



Daueranwendung erhöht den Appetit

In der Studie wurden Fruchtfliegen für mehr als fünf Tage mit künstlichen Süßstoffen ernährt. Sie konsumierten deshalb 30 Prozent mehr Kalorien als bei natürlich gesüßter Nahrung. »Als wir untersuchten, warum die Tiere mehr fraßen, obwohl sie eigentlich genug Kalorien hatten, merkten wir, dass der chronische Verzehr dieses künstlichen Süßungsmittels tatsächlich die Intensität der Süße von echtem Nahrungszucker verstärkt und dies erhöht insgesamt die Fresslust der Tiere«, sagt Professor Neely.



Erstmalig appetitanregende Wirkung bewiesen

Millionen von Menschen weltweit konsumieren künstliche Süßstoffe und sie werden als Mittel zur Behandlung von Übergewicht und Fettleibigkeit empfohlen, obwohl bis jetzt wenig über den Einfluss auf das Gehirn und die Regulierung des Hungergefühls bekannt war. Dies ist die erste Studie, die identifiziert, wie künstliche Süßstoffe den Appetit anregen. Dabei entdeckten die Wissenschaftler ein komplexes Netzwerk von Nervenzellen, dass auf künstlich gesüßte Nahrung so reagiert, dass es dem Tier signalisiert zu wenig Energie aufgenommen zu haben.

»Anhand dieser Reaktion auf künstlich gesüßte Ernährung waren wir in der Lage ein neues neuronales Netzwerk zu registrieren, dass die Schmackhaftigkeit mit dem Energiegehalt von Lebensmitteln abgleicht. Dieser von uns entdeckte Signalweg ist Teil einer evolutionären Antwort auf das Hungergefühl, das energiereiche Nahrung besser schmecken lässt, wenn man wirklich hungrig ist«, erklärt Professor Neely.



Süßstoffe fördern Hyperaktivität und schlechten Schlaf

Die Wissenschaftler stellten außerdem fest, dass künstliche Süßstoffe Hyperaktivität, Schlaflosigkeit und eine schlechtere Schlafqualität fördern. Solch ein Verhalten beobachtet man auch bei einem leichten Hunger- oder Nüchternzustand - mit ähnlichen Auswirkungen auf den Schlaf, wie schon früher in klinischen Studien berichtet wurde.

Um festzustellen, ob künstliche Süßstoffe auch die Nahrungsaufnahme bei Säugetieren erhöht, wurde die Studie mit Mäusen wiederholt. Und wieder war es so, dass die Tiere nach einer siebentägigen Ernährung mit Sucralose erheblich mehr fraßen und der neuronale Signalweg war derselbe wie bei den Fruchtfliegen.



Süßstoffe verändern Geschmackswahrnehmung

»Diese Studienergebnisse verstärken die Idee, dass zuckerfreie Varianten verarbeiteter Nahrungsmittel und Getränke nicht so inaktiv sind, wie wir erwarteten. Künstliche Süßstoffe verändern tatsächlich, wie Tiere die Süße ihrer Nahrung wahrnehmen, wobei ein Missverhältnis zwischen Süße und Energiegehalt die Aufnahme von mehr Kalorien veranlasst«, erklärt Professor Herbert Herzog, der die Studie mit Mäusen reproduzierte.



Sucralose: Unbedenklichkeit seit Jahren angezweifelt

Gerade bei dem Zuckerersatzstoff Sucralose wird schon seit langem an der Unbedenklichkeit gezweifelt. Auch wenn die Basis von Sucralose der Grundstoff Saccharose ist, handelt es sich chemisch betrachtet um eine organische Chlorverbindung. Einige Verbindungen dieser Stoffklasse sind in der Vergangenheit wegen ihrer Giftigkeit schon negativ aufgefallen. So gehören die Pflanzenschutzmittel DDT und Lindan ebenfalls in diese Stoffklasse. Trotzdem ist Sucralose auch in europäischen Ländern seit 2005 als Lebensmittelzusatz erlaubt und wird in Deutschland unter dem Namen »Nevella« im Handel angeboten.

Norwegische Studien haben 2007 vor möglichen Umweltschäden gewarnt. Sucralose wird vom Körper nicht abgebaut und gelangt mit den Ausscheidungen in die Umwelt, da Kläranlagen die Substanz nicht vollständig herausfiltern. Somit sind schädliche Auswirkungen für Pflanzen und Tiere nicht ausgeschlossen.

Bereits 2008 berichtete eine Studie darüber, dass Sucralose die Darmflora dauerhaft verändert, was die Immunabwehr verschlechtert und auch die Regulierung des Blutzuckers. Wissenschaftler raten daher auch Menschen mit einer Immunschwäche auf Sucralose zu verzichten. Süßstoffe sollten generell nicht bedenkenlos in die Ernährung integriert werden und eignen sich auch nicht, um auf gesunde Weise abzunehmen.

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