Donnerstag, 9. Mai 2013


Kompressionsstrümpfe helfen bei Venenleiden
(Foto: Werner Fellner - Fotolia.com)


Blut ist ein ganz besonderer »Saft«. Und damit dieser »Saft« jede Körperzelle erreicht, wird er über die Arterien und Venen durch den Körper gepumpt. Bei einer Thrombose bildet sich in einem Blutgefäß ein Blutgerinnsel (Thrombus) und verschließt es. Am häufigsten passiert das in den tiefen Bein- und Beckenvenen.


Hauptaufgabe des im Körper zirkulierenden Blutes ist die Versorgung der Zellen mit Sauerstoff und Nährstoffen. Das Blut wird in der Lunge mit Sauerstoff angereichert und dann vom Herzmuskel in die Arterien gepumpt. Diese verzweigen sich im Körper so weit, dass jede Zelle versorgt werden kann. Auf dem Rückweg nimmt das Blut Kohlendioxid und Abfallstoffe aus dem Zellstoffwechsel auf und transportiert sie zu den Filter- und Ausscheidungsorganen wie Leber und Niere.

Blutgerinnsel häufig in den Beinen

Der Rücktransport des Blutes zur Lunge verläuft über das Venensystem des Körpers. Bildet sich in den Venen ein Blutgerinnsel, so kann das Gefäß ganz oder teilweise verschlossen werden. Besonders oft passiert das in den Venen der Beine oder des Beckens (Venenthrombose oder Phlebothrombose). Grund ist meist ein Ungleichgewicht zwischen Blutgerinnung und Gerinnungshemmung. Kommt dann noch ein verlangsamter Blutfluss und eine Verletzung der Gefäßwand hinzu, wird die Blutgerinnung mobilisiert.

Seltener tritt eine Thrombose in den Arterien auf. Hauptgrund ist hier eine Schädigung der Gefäßwand, häufig als Folge einer Arteriosklerose, bei der sich Ablagerungen (Plaques) aus Bindegewebe, Blutfetten und Kalk an den Gefäßwänden ansammeln. Wenn sich Teile der Plaques ablösen (Plaqueruptur), kann sich an diesen Stellen durch Blutgerinnungsreaktionen ein Thrombus bilden und das Gefäß blockieren.

Was passiert bei einer Thrombose?

Die Blutgerinnung wird normalerweise aktiv, um unseren Körper bei Verletzungen vor zu starkem Blutverlust zu schützen. Der Körper stellt dafür einen fadenähnlichen Eiweißstoff her, der netzartige Strukturen bilden kann. So können sich in solchen Fibrinnetzen rote Blutkörperchen und Blutplättchen ansammeln. Durch diesen Blutpfropfen wird die Wunde abgedichtet und übermäßiger Blutverlust verhindert. Bildet sich solch ein Thrombus jedoch in einem Blutgefäß, so ist der Blutfluss behindert oder sogar unterbrochen und die Versorgung der Zellen gefährdet.
Treten Thrombosen in kleinen oberflächlichen Venen oder in den Armen auf, besteht in der Regel keine ernste Gefahr. Sie sind jedoch sehr schmerzhaft und der Arm schwillt an. Manchmal lösen sich auch kleine Fibrinnetze in den Blutgefäßen von alleine wieder auf.

Wann ist eine Thrombose gefährlich?

Gefährlich wird es bei einer Thrombose in den tiefen Venen der Beine und des Beckens. Da sie als Hauptgefäße das Blut zum Herzmuskel zurücktransportieren, droht die Gefahr einer Lungenembolie. Wenn sich das Blutgerinnsel löst, mit dem Blutfluss in die Lunge transportiert wird, und hier erneut ein Gefäß verschließt, wird das umliegende Lungengewebe nicht mehr genügend durchblutet. Der Gasaustausch, also Aufnahme von Sauerstoff und Abgabe von Kohlendioxid, wird beeinträchtigt und das Herz muss gegen den erhöhten Widerstand pumpen. Es kommt zu Sauerstoffmangel und Herz-Kreislauf-Versagen. Gelangt der Thrombus mit dem Blut ins Gehirn und verschließt dort ein Blutgefäß, erleidet der Betroffene einen Schlaganfall. Da der Behandlungserfolg entscheidend davon abhängt, wie lange ein Blutgerinnsel besteht, sollten bei einem Verdacht auf Thrombose schnell entsprechende Untersuchungen eingeleitet werden.

Symptome bei einer Venenthrombose

Oftmals sind die Symptome zunächst nicht besonders auffällig und werden deshalb im Anfangsstadium schnell übersehen. Die Art und Ausprägung der Beschwerden hängt auch davon ab, wo sich die Thrombose gebildet hat und wie groß das Blutgerinnsel ist. Typische Anzeichen für eine Venenthrombose sind:
  • Spannungs- und Schweregefühl in den Beinen, das beim Hochlagern nachlässt,
  • Schmerzen und Verhärtungen in der Wadenmuskulatur,
  • Schwellungen im Bereich der Unterschenkel und Knöchel,
  • Starke Schmerzen bei Druck an der Innenseite des Fußes oder bei Beugung des Fußes,
  • gerötete, angespannte, überhitzte Haut am betroffenen Bein, eventuell mit Blaufärbung,
  • kommen zusätzlich Schmerzen in der Brust und Atemnot hinzu, kann es sich um eine Lungenembolie handeln und es ist sofort notärztliche Hilfe erforderlich.

Risikofaktoren für eine Thrombose

Es sind einige Faktoren bekannt, die die Entstehung von Blutgerinnseln fördern:
  • eine vorangegangene Thrombose,
  • intensives Krampfaderleiden,
  • Bewegungsmangel durch langes Sitzen oder längere Bettlägerigkeit,
  • vererbte Störungen der Blutgerinnung
  • Verletzungen, Operationen, Entbindungen,
  • bestimmte Medikamente wie Hormonpräparate zur Verhütung, zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden und in der Krebsbehandlung,
  • höheres Lebensalter (über 60)
  • Flüssigkeitsmangel im Körper,
  • Schwangerschaft,
  • Gefäßwandschädigungen und -verengungen durch Arteriosklerose und Faktoren, die diese begünstigen, wie Nikotin, Bluthochdruck (Hypertonie) und Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit).

Diagnose, Behandlung, Vorbeugung bei Thrombose

Diagnoseverfahren

Bei Verdacht auf Thrombose bieten sich dem Arzt verschiedene Möglichkeiten der Diagnose: mit einer Blutuntersuchung können Abbauprodukte eines Blutgerinnsels festgestellt werden und spezielle Ultraschalluntersuchungen oder eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel zeigen deutlich, wo sich ein Blutgerinnsel gebildet hat.

Behandlung

Primäres Ziel ist es, ein vorhandenes Blutgerinnsel aufzulösen (Thrombolyse). Eine Behandlung hat nur in den ersten zehn Tagen nach der Entstehung der Thrombose Erfolg, die Therapie sollte also nach einer Thrombosediagnose schnell einsetzen.
Behandelt wird mit Medikamenten, die die Blutgerinnung hemmen (Heparin). Zusätzlich wird ein Kompressionsverband angelegt und die Beine hochgelagert.
Lässt sich der Thrombus nicht medikamentös auflösen, können chirurgische Maßnahmen notwendig werden. Hierbei wird entweder das verschlossene Blutgefäß entfernt, der Verschluss durch eine Gefäßplastik (Bypass) umgangen oder das Blutgerinnsel mittels verschiedener Katheder beseitigt (Thrombektomie).
Eine Behandlung mit Medikamenten sollte drei bis zwölf Monate durchgeführt werden, um eine erneute Thrombosebildung zu verhindern. Wichtig ist auch das Tragen von Kompressionsstrümpfen, um den Blutfluss zu beschleunigen.

Postthrombotisches Syndrom

Eine häufig auftretende Komplikation nach einer Thrombose ist das postthrombotische Syndrom. Der Körper baut innerhalb von Tagen oder Wochen das Blutgerinnsel in der Vene ab und wandelt es teils in Narbengewebe um. Die Vene wird dadurch verengt und die Venenklappen sind nicht selten in Mitleidenschaft gezogen oder zerstört. Der Rückfluss des Blutes zum Herzen ist eingeschränkt.

Das Blut fließt dann vor allem über die kleineren, oberflächlich liegenden Venen zum Herzen zurück. Durch die Überlastung dieser kleinen Venen bilden sich Krampfadern. Der längerfristige Blutstau in den Beinen führt zu einer mangelhaften Versorgung der Haut. Es kommt zu einer chronischen venösen Insuffizienz, bei der sich schlecht heilende Geschwüre (Ulcera cruris) bilden, auch offenes Bein genannt.

Wie kann man einer Thrombose vorbeugen?

Bei bestehenden Risikofaktoren und Vorerkrankungen, vor allem bei einer zurückliegend Thrombose, sollten Betroffene vorbeugende Maßnahmen (Thromboseprophylaxe) konsequent durchführen. Eventuell sind eine medikamentöse Blutverdünnung und das Tragen von Kompressionsstrümpfen über lange Zeit notwendig. Verwenden Sie nachts ein Venenkissen, damit das Blut leichter zum Herzen zurückfließen kann.

Einige einfache Tipps, die helfen, einer Venenthrombose vorzubeugen, sind:

  • Bewegen Sie sich viel, vor allem Gehen und Schwimmen sind gut.
  • Duschen Sie Arme und Beine kalt ab. Das trainiert das Gefäßsystem.
  • Trinken Sie genug, damit das Blut nicht zu dickflüssig wird.
  • Fußgymnastik verbessert den Blutfluss in den Beinen.
  • Tragen Sie Kompressionsstrümpfe bei Krampfadern, nach Operationen und Entbindungen.

Reduzieren oder vermeiden Sie nach Möglichkeit:

  • langes Stehen oder Sitzen,
  • Übergewicht,
  • Einnahme der Antibabypille, vor allem in Kombination mit Rauchen.

Pflanzliche Mittel bei Venenleiden

Venenmittel aus pflanzlichen Wirkstoffen von Rosskastanie, Mäusedorn, rotem Weinlaub sowie Buchweizen, Steinklee und Schachtelhalmkraut stärken und schützen die Venen, verbessern die Durchblutung bis in die Haargefäße (Kapillare), wirken entwässernd, entzündungshemmend und stabilisierend auf die Gefäßwände. Lassen Sie sich am besten von einem Arzt oder Heilpraktiker beraten, der mit Ihnen einen individuellen Behandlungsplan festlegt.

Quelle: Thrombose (Blutgerinnsel),  Dr. med. Martin Schäfer, Facharzt für Chirurgie, www.netdoktor.de, Stand 15.04.2013

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