Samstag, 3. August 2013


Erkrankungen der Herzkranzgefäße werden
bei Frauen schneller übersehen
(Foto: geralt/pixabay.com)

Herzbeschwerden werden bei Frauen häufiger vernachlässigt. Sie bekommen weniger Informationen über vorbeugende Maßnahmen und Medikamente.


Die koronare Herzkrankheit (KHK) tötet jährlich ebenso viele Frauen wie Männer und dennoch werden Beschwerden bei Frauen häufiger übersehen, schreiben amerikanische Forscher im Journal »Global Heart«, ein Fachmagazin des Weltherzverbandes. Und auch die Frauen selbst neigen dazu, ihre Herzgesundheit zu vernachlässigen. Vielfacher Grund: der Mythos, dass KHK vor allem Männer im fortgeschrittenen Alter betrifft.

Bei der koronaren Herzkrankheit geht es vor allem um Herzbeschwerden, die durch Gefäßverschlüsse der Herzkranzgefäße entstehen. Die Herzkranzgefäße versorgen den Herzmuskel mit Blut und somit mit Sauerstoff. Kommt es zu Beeinträchtigungen in der Versorgung, verursacht das Beschwerden wie Schmerzen, Atemnot und Leistungseinschränkungen und letztlich besteht die Gefahr eines Herzinfarktes.

Lange wurde angenommen, dass solche Herzerkrankungen überwiegend bei Männern auftreten. Aber diese Ansicht wurde korrigiert durch die Tatsache, dass die koronare Herzkrankheit inzwischen weltweit auch bei Frauen Todesursache Nummer eins ist. Und das, obwohl der Erkrankung gut vorzubeugen ist. Doch Frauen erhalten oft weniger Beratung zur Anpassung ihrer Lebensweise und auch seltener vorbeugende Medikamente wie Cholesterinsenker oder Aspirin.

Allgemeine und geschlechtsspezifische Risikofaktoren

Aus den Forschungen geht hervor, dass die Beschwerden sich bei Männern und Frauen unterscheiden. So ist das Risiko bei Frauen mit Adipositas 64 Prozent, wohin gegen es bei adipösen Männern nur 46 Prozent beträgt.
Bildgebende Verfahren wie CT-Scans zeigen, dass die Herzkranzarterien bei Frauen schmaler sind als bei Männern und so schneller verstopfen können. Andere wichtige Risikofaktoren, die bei Frauen höher sind: Auto-Immunerkrankungen, Herzerkrankungen bei Verwandten ersten Grades, Rauchen, Bluthochdruck, schlechte Blutfettwerte und schlechte körperliche Kondition. Frauen, die sich wenig bewegen und körperlich nicht fit sind, erkranken dreimal häufiger an einer koronaren Herzkrankheit.

Während und nach den Wechseljahren steigt das Risiko für Frauen noch einmal an, denn das herzschützende Östrogen nimmt stetig ab. Ab 60 Jahren erkranken Frauen deutlich schneller an KHK als Männer. Weitere geschlechtsspezifische Risiken: Schwangerschaft und Brustkrebs. Die Brustkrebstherapie hat zwar das Überleben dieser Krebsart verbessert, aber die Vorteile werden durch ein erhöhtes Risiko für die Herzkranzgefäße gedämpft. Wobei nicht völlig klar ist, ob der Brustkrebs selbst oder die Therapie das Risiko erhöht. Brustkrebs wird teilweise mit ähnlichen Risikofaktoren in Verbindung gebracht wie die koronare Herzkrankheit.

Mehr Forschung und individuelle Therapie für Frauen

Darüber hinaus zeigte sich, dass Frauen, die vor dem 50. Lebensjahr einen Herzinfarkt erleiden, doppelt so häufig sterben als Männer unter denselben Umständen. Weiterhin sterben 42 Prozent der Frauen über 65, die einen Herzinfarkt bekommen, innerhalb eines Jahres; bei Männern passiert das nur in 24 Prozent der Fälle.
Auch Diabetes erhöht das Risiko für eine Erkrankung der Herzkranzgefäße bei Frauen um drei bis siebenmal, bei männlichen Diabetikern ist das nur zwei bis dreimal höher.
In Bezug auf eine koronare Bypass-Operation ist das weibliche Geschlecht ein unabhängiger Risikofaktor für die Erkrankungshäufigkeit und die Sterberate. Frauen sterben öfter nach solchen Operationen und erfahren auch weniger Verbesserung der Symptome wie Angina Pectoris.

Auch Rehabilitation nach Herzinfarkten wird von Frauen immer noch viel weniger in Anspruch genommen als von Männern. Einige Behandlungsstrategien haben eine geschlechtsspezifische Wirkung, aber weitergehende Forschungen, wie die koronare Herzkrankheit bei Frauen entsteht und sich entwickelt sind dringend notwendig. Das Gleiche gilt für Diagnose- und Therapiemöglichkeiten speziell für Frauen. KHK ist nicht nur eine Männerkrankheit und weitere Studien, die die Besonderheit dieser Erkrankung bei Frauen untersuchen, werden mit Spannung erwartet.

Quelle: Sharma K, et al »Coronary artery disease in women: A 2013 update« Global Heart 2013; DOI: 10.1016/j.gheart.2013.02.001

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