Freitag, 24. Oktober 2014


Vorsicht bei der Kombination von Medikamenten
(Foto: Bonoz - pixabay.com)

Bestimmte Medikamente zu kombinieren, ist gefährlicher als bisher angenommen. Das Risiko für Magenblutungen kann sich dadurch drastisch erhöhen.


Kombinationen gängiger Medikamente erhöhen das Risiko für Magenblutungen viel stärker als bislang angenommen. Wer zum Beispiel frei verkäufliche Schmerzmittel wie Ibuprofen zusammen mit anderen Medikamenten wie Prednisolon schluckt, hat ein zehnfach höheres Risiko für Magenblutungen.

Viele Medikamente können Magenbluten verursachen
Es ist von vielen Arzneimitteln bekannt, dass sie das Risiko für Magenblutungen besonders erhöhen. Nun wurde zum ersten Mal dokumentiert, dass eine Kombination verschiedener Arzneien das Risiko um ein Vielfaches ansteigen lässt. Forscher vom Universitätsklinikum Erasmus MC Rotterdam errechneten das Risiko für elf Medikamentengruppen und stellten für manche Kombinationen erhebliche Risikosteigerungen fest, wie sie im wissenschaftlichen Journal »Gastroenterology« berichten.

Die Forscher analysierten die Daten von 114.835 Patienten aus Dänemark, Italien und den Niederlanden in den vergangenen vier bis zehn Jahren, die eine Magenblutung erlitten. Sie stellten von elf verschiedenen Medikamentengruppen fest, wie hoch das Risiko für eine Magenblutung ist und ob das Risiko sich erhöht, wenn zusätzlich Arzneimittel wie Aspirin eingenommen werden.

Gefährliche Kombination: Cortison plus Schmerzmittel
Das auffallendste Ergebnis betrifft die nicht-steroidalen Entzündungshemmer NSAID. Diese schmerzstillenden, fiebersenkenden und entzündungshemmenden Arzneimittel wie Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen und Acetylsalicylsäure (Aspirin) werden bei Schmerzen, Fieber, Entzündungen und zur Blutverdünnung verordnet. Solche Arzneimittel sind ohne Rezept zu bekommen, doch das kann gefährlich werden: Jemand der zusätzlich Cortison gegen Rheuma oder COPD schluckt, hat ein zwölfmal höheres Risiko für eine Magenblutung. Auch die Kombination von NSAID’s mit Blutdruck senkenden Mitteln wie Spironolacton oder mit niedrig dosiertem Aspirin kann erhöhte Gefahr bedeuten.

Mehr Information über Schmerzmittel für Patienten nötig
»Die Gefahr ist, dass Menschen mit chronischem Arzneimittelgebrauch oft nicht wissen, was sie zusätzlich noch einnehmen dürfen«, sagt Gwen Masclee, Hauptautorin und Leiterin der Studie am Erasmus MC. »Andere Arten von Entzündungshemmern haben ein deutlich geringeres Risiko als NSAID’s, aber darüber muss der Patient natürlich wohl informiert sein. Ärzte können diese Informationen dazu verwenden, um zielgerichteter Medikamente zu verordnen. Bis jetzt ist noch wenig bekannt über die Risiken einer Kombination von Schmerzmitteln mit anderen Medikamenten. Wir haben uns gefragt, ob sich die Risiken dieser Medikamente summieren oder sie vielleicht die jeweilige Wirkung besonders verstärken. Unsere Forschungen ergaben, dass das Kombinieren von Medikamenten doch mehr Risiken birgt, als bislang vermutet.«

Risikofaktoren insgesamt betrachten
Rob Heerdink, klinischer Pharmakologe und Epidemiologe an der Universität Utrecht, meint dazu: »Ein zehnfaches oder zweifaches Risiko sagt nicht so viel aus; man muss das im Verhältnis betrachten. Wenn weiter keine Risikofaktoren für eine Magenblutung vorliegen, ist das Risiko tatsächlich nicht so hoch.«
Relevant ist die Studie aber trotzdem, sagt Heerdink. »Magenblutungen sind die am weitesten verbreiteten Komplikationen bei Medikamenten.« Die Studie untersuchte die zehn am meisten angewendeten Medikamente. Es ist nützlich eine Übersicht über die Risiken zu haben, die bestimmte Kombinationen von Arzneimitteln mit sich bringen, meint Heerdink.

Gute Beratung vor dem Kauf von Schmerzmitteln wichtig
»Am sichersten ist es natürlich, keine Medikamente zu kombinieren«, sagt Masclee. »Leider ist das nicht für jeden möglich und muss man manchmal das kleinste Übel wählen und versuchen Arzneimittel zu finden, die die geringsten Nebenwirkungen haben. Patienten mit chronischen Erkrankungen und Anwender von Schmerzmitteln können selbst das Risiko so klein wie möglich halten, in dem sie sich vom Hausarzt oder Apotheker vor dem Kauf von Schmerzmedikamenten ausführlich beraten lassen.«

Quelle: Masclee, Gwen M.C. et al.: Risk of Upper Gastrointestinal Bleeding From Different Drug Combinations. Gastroenterology, Volume 147, Issue 4, 784-792.e9, DOI: 10.1053/j.gastro.2014.06.007

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