Sonntag, 18. April 2021

Tuberkulose tödlichste Infektionskrankheit nach COVID-19



Tuberkulose war im vergangenen Jahr die tödlichste Infektionskrankheit nach COVID-19 in Europa und Zentralasien.

 

Das stellten das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) in Stockholm und die europäische Abteilung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Kopenhagen fest.

Corona-Pandemie erschwert Diagnose

Nach Angaben der WHO wurden im Jahr 2019 schätzungsweise 20.000 Todesfälle durch Tuberkulose in Europa und Zentralasien verursacht. Die Corona-Pandemie bremst den Kampf gegen Tuberkulose, unter anderem weil weniger Tests durchgeführt und weniger Patienten behandelt werden. Dadurch besteht die Gefahr, dass nicht diagnostizierte Tuberkulose-Patienten andere anstecken.

Die neuesten Daten zu Tuberkulose-Fällen stammen aus dem Jahr 2019, in dem etwa 246.000 Fälle diagnostiziert wurden, 13.000 weniger als im Jahr zuvor. Auf Europa und Zentralasien entfielen 2,5 Prozent aller Infektionen weltweit, heißt es.

Bakterien zunehmend resistent

Große Sorgen bereiten die multiresistenten Varianten der Tuberkulose, was bedeutet, dass die Bakterien gegen die beiden stärksten Antibiotika resistent sind. Das Risiko einer arzneimittelresistenten Tuberkulose wird immer realer, und das ist kein Risiko, das man eingehen will, warnt die WHO-Abteilung Europa.

Das europäische Arbeitsgebiet der WHO umfasst 53 Länder, von Island bis Usbekistan. Russland und die Türkei sind ebenfalls enthalten. 18 Länder, hauptsächlich in Mitteleuropa, Osteuropa und Zentralasien, sind für 80 Prozent der Fälle in der Region verantwortlich.

Die meisten Fälle wurden in Russland identifiziert (73.000), gefolgt von der Ukraine (34.000), Usbekistan (22.000) und Rumänien, der Türkei und Kasachstan (alle rund 13.000 Fälle). Die Zahlen wurden anlässlich des Welttuberkulosetages am 24.03.2021 veröffentlicht.

Wie wird Tuberkulose übertragen?

Tuberkulose wird durch Tröpfen übertragen. Wenn jemand mit ansteckender Lungentuberkulose hustet, niest, lacht oder spricht, werden Bakterien in die Luft abgegeben. Eine Infektion findet statt, wenn diese Luft von anderen eingeatmet wird. Die Bakterien können in kleinen, dunklen, abgeschlossenen Räumen einige Tage überleben. Eine gute Belüftung und viel Sonnenlicht (UV-Strahlen) lassen die Bakterien schnell verschwinden. Darum ist eine Ansteckung draußen sehr unwahrscheinlich. Die Bakterien werden nicht übertragen durch Berührung, sexuellen Kontakt, Blut, Händeschütteln, Küssen, die Benutzung desselben Geschirrs oder der Toilette.

Wann ist ein Tuberkulose-Patient ansteckend?

Tuberkulose kann nur übertragen werden von Patienten, die eine aktive Tuberkulose haben. In mehr als 90 Prozent der Fälle ruft eine Infektion keine Krankheitssymptome hervor. Die Bakterien bleiben latent oder schlafend in der Lunge und es entsteht eine Art Gleichgewicht zwischen den Bakterien und dem eigenen Immunsystem. Der Körper hält die Bakterien unter Kontrolle. Der Betroffene selbst merkt davon nichts und hat dann auch keine Beschwerden oder Symptome. Der Tuberkulin-Hauttest wird dann positiv sein, aber die Röntgenbilder der Lunge sehen normal aus. Ab diesem Zeitpunkt spricht man von einer latenten Tuberkulose-Infektion.

Jemand, der infiziert, aber ohne Krankheitssymptome ist, kann nie andere Personen anstecken. Jemand mit ansteckender Lungentuberkulose ist nach einigen Wochen Behandlung nicht länger ansteckend. Der Patient ist zwar noch krank und hat noch eine ganze Weile Medikamente und Überwachung nötig, aber solange die Arzneimittel richtig eingenommen werden, wird er niemanden mehr anstecken.

Symptome bei Tuberkulose

Die häufigsten Symptome bei Tuberkulose sind:

 

· ein hartnäckiger Husten, oft mit blutigem Auswurf

· verringerter Appetit

· Gewichtsabnahme

· Brustschmerzen

· (hohes) Fieber

· nächtliches Schwitzen

· Erschöpfung

 

Bitte beachten Sie, dass diese Symptome wenig typisch sind und nicht alle zur gleichen Zeit auftreten müssen. Es ist sogar möglich, dass jemand keines dieser Symptome hat und trotzdem an Tuberkulose erkrankt ist.

Tuberkulose lässt sich gut behandeln

Tuberkulose kann vollständig geheilt werden mit Antibiotika. Die Behandlung muss mindestens sechs Monate durchgeführt werden und besteht meist aus drei bis vier Medikamenten. Wichtig ist, alle verordneten Medikamente regelmäßig und immer zur selben Zeit einzunehmen und die Behandlung nicht vorzeitig abzubrechen. Sonst kann die Krankheit wieder aufflammen und besteht das Risiko, dass die Therapie schwieriger wird, weil die Bakterien dann resistent geworden sind.

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