Mittwoch, 17. September 2014


Fettgewebe produziert krankmachende Hormone
(Foto: whitestorm - fotolia.com)

Ein Übermaß an »Fettpölsterchen« fördert nicht nur Diabetes, Bluthochdruck und Gelenkprobleme, sondern auch die Entstehung von Alzheimer.


Wer im mittleren Lebensalter übergewichtig ist, hat ein dreimal höheres Risiko an Alzheimer zu erkranken als ein normalgewichtiger Altersgenosse. Wieso Adipositas zu Alzheimer führt, war bislang noch nicht bekannt. Forschungen von Amanda Kiliaan vom »Radboudumc« und Deborah Gustafson vom »State University of New York Downstate Medical Centre« weisen darauf hin, dass Hormone, die durch Fettgewebe ausgeschüttet werden, eventuell die Übeltäter sind.
Übergewicht wird meist gemessen anhand des Verhältnisses von Körpergröße zum Quadrat und Körpergewicht, der sogenannte Body-Mass-Index (BMI). Bei einem BMI von 30 oder mehr spricht man von Fettleibigkeit oder Adipositas. Adipositas führt zu einem breiten Spektrum von Problemen im Gehirn, worunter Verlust und Veränderung des Hirngewebes, Verschlechterung der Blut-Hirn-Schranke und ein höheres Demenz-Risiko.

Erst zu schwer, dann zu leicht

60-jährige mit einem Body-Mass-Index (BMI) von über 30 haben durchschnittlich ein dreimal höheres Risiko eine Alzheimer-Erkrankung zu entwickeln. Auffallend ist, dass ein starkes Absinken des BMI - also der Verlust von Körpergewicht - nach dem 60. Lebensjahr auch die Entstehung von Alzheimer fördert. Wahrscheinlich wird der starke Gewichtsverlust verursacht durch Veränderungen von Hirnregionen, die das Hungergefühl steuern und durch das vorherige starke Übergewicht geschädigt wurden.

Bauchfett ist schuld

Das Risiko von Übergewicht für Alzheimer ist bereits seit 2003 bekannt und ausgiebig untersucht worden. Aber wie Adipositas zu Alzheimer führt, war bisher unbekannt.
Amanda Kiliaan: »Wer Übergewicht hat, hat auch mehr Bauchfett. Vor allem dieses Fettgewebe ist verantwortlich für die Ausschüttung einer Vielzahl von Hormonen, die Energiestoffwechsel, Blutdruck, Entzündungen und Wachstum beeinflussen. Die Ausschüttung von Fetthormonen wird bei Übergewicht gestört, weil das Fettgewebe »krank« wird. Es liegt auf der Hand, den Zusammenhang zwischen Übergewicht und Alzheimer bei diesen Fetthormonen zu suchen.«

Hormone und Alzheimer

Um die Verbindung zwischen den Fetthormonen und Alzheimer zu überprüfen, untersuchten Amanda Kiliaan und Deborah Gustafson die Forschungsliteratur nach einem Zusammenhang zwischen Alzheimer und acht verschiedenen Fetthormonen. Für viele dieser Hormone fanden sie eine Verbindung mit Übergewicht und Alzheimer.
Vor allem das Eiweiß Leptin, das viel untersucht wurde im Zusammenhang mit Alzheimer, zeigt eine starke Verbindung mit dem Body-Mass-Index. Dennoch scheint Leptin eher einen schützenden als einen krankmachenden Effekt auf das Gehirn zu haben. Beim Hormon PAI-1 (Plasminogen-Aktivator-Inhibitor-1), das verantwortlich ist für Gefäßprobleme und ein erhöhtes Thromboserisiko, stellten die Forscher allerdings wohl einen deutlichen Zusammenhang mit einem erhöhten Alzheimer-Risiko fest.

Möglichkeiten der Vorbeugung

Der Übersichtsartikel zeigt, dass Fetthormone, die durch das Körperfettgewebe ausgeschüttet werden, Prozesse im Gehirn beeinflussen. Kiliaan: »Wenn man weiß, wie Fetthormone bei der Entstehung von Alzheimer eingreifen, kann man gezielte Empfehlungen für präventive Maßnahmen aussprechen. Gesunde Ernährung ist in jedem Fall wichtig. Bei früheren Studien haben wir schon gezeigt, dass eine spezielle Ernährungsweise mit unter anderem vielen Vitaminen und ungesättigten Fettsäuren aus Fischöl und Olivenöl das Risiko für Alzheimer senken kann.« Diese Erkenntnisse ermöglichen neue Methoden zur Vorbeugung gegen die Alzheimer-Erkrankung. Die Studienergebnisse wurden im Fachjournal »The Lancet Neurology« veröffentlicht.

Quelle: Amanda J Kiliaan, Ilse A C Arnoldussen, Deborah R Gustafson: Adipokines: a link between obesity and dementia? The Lancet Neurology 1 September 2014 (Volume 13 Issue 9 Pages 913-923 DOI: 10.1016/S1474-4422(14)70085-7)

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