Ein Büro mit Fenstern kann helfen, den Blutzuckerspiegel unter Kontrolle zu halten. Tageslicht unterstützt bei Typ-2-Diabetes die Regulierung des Blutzuckers.
Arbeiten Sie in einem Büro ohne Fenster oder mit wenig Tageslicht und sind Sie Typ-2-Diabetiker? Dann ist es vielleicht an der Zeit, Ihren Chef um einen anderen Arbeitsplatz zu bitten. Eine Studie der Universität Maastricht hat nämlich gezeigt, dass natürliches Tageslicht während der Bürozeiten die Blutzuckerregulation bei Menschen mit Typ-2-Diabetes verbessern kann.
Der Grund für diese Studie ist recht einfach: Wir verbringen etwa 80 bis 90 Prozent unserer Zeit in Innenräumen. Dadurch bekommen wir tagsüber viel weniger und anderes Licht, als unser Körper eigentlich benötigt. Denn Tageslicht ist der wichtigste Signalgeber für unsere innere Uhr. Vor diesem Hintergrund fragten sich die Wissenschaftler: Würde es helfen, wenn Menschen mit Typ-2-Diabetes wieder mehr natürliches Tageslicht bekämen?
Fast eine Woche im Labor
13 Freiwillige mit Typ-2-Diabetes im Durchschnittsalter von 70 Jahren mussten für diese Studie zweimal 4,5 Tage in einer Forschungseinrichtung verbringen. Einmal saßen sie während der Bürozeiten (8 bis 17 Uhr) in einem Raum mit großen Fenstern, durch die Tageslicht hereinfiel. Das andere Mal saßen sie im selben Raum, jedoch ohne Tageslicht und mit einer künstlichen Beleuchtung von etwa 300 Lux. Das entspricht in etwa einem durchschnittlichen Büro. Außerhalb der Bürozeiten war alles gleich: gleiche Mahlzeiten, gleiche Bewegung und gleiche Abendbeleuchtung.
Häufiger im gesunden Bereich
Obwohl sich der durchschnittliche Blutzuckerspiegel zwischen den beiden Situationen nicht signifikant unterschied, zeigte sich, dass der Blutzuckerspiegel der Teilnehmer während der Tageslichtperiode länger im gesunden Bereich lag. Konkret: Bei Tageslicht befanden sich die Patienten 51 Prozent der Zeit im normalen Blutzuckerbereich. Bei Kunstlicht waren es 43 Prozent. Das mag nach einem bescheidenen Unterschied klingen, und das ist es auch, aber für Menschen mit Diabetes kann jede Verbesserung langfristig einen großen Unterschied für ihre Gesundheit bedeuten.
Mehr Vorteile
Darüber hinaus stellten die Wissenschaftler fest, dass der Körper bei Tageslicht mehr Fett statt Kohlenhydrate verbrannt hat. Auch das ist eine gute Nachricht, denn eine bessere Fettverbrennung wird oft mit einem gesünderen Stoffwechsel in Verbindung gebracht. Auch die Produktion des Schlafhormons Melatonin war am Abend nach einem Tag mit natürlichem Licht höher. Das bedeutet, dass Tageslicht die innere Uhr und den Schlaf-wach-Rhythmus besser synchronisiert.
Was noch auffallender war: Selbst die „Uhrgene“ in den Muskelzellen schienen auf die Art des Lichts zu reagieren. Die Forschenden entdeckten dies, indem sie Muskelbiopsien entnahmen und daraus Zellen züchteten. Die Zellen der Teilnehmer, die Tageslicht ausgesetzt waren, hatten einen etwas anderen Rhythmus als die der Gruppe, die künstlichem Licht ausgesetzt war. Dies deutet daraufhin, dass Tageslicht nicht nur die zentrale biologische Uhr im Gehirn beeinflusst, sondern auch die peripheren Uhren in anderen Geweben.
Wichtige Anmerkungen
Bevor Sie Ihren Arbeitgeber mit Anfragen nach einem Fensterplatz bombardieren: Diese Studie unterliegt einigen Einschränkungen. Erstens war die Gruppe klein (nur 13 Teilnehmer) und relativ alt (durchschnittlich 70 Jahre). Ob jüngere Menschen denselben Effekt erleben würden, ist noch unklar.
Außerdem dauerte das Experiment nur 4,5 Tage. Was bei längerer Tageslichteinstrahlung passiert, wurde noch nicht untersucht. Außerdem wurde die Studie nur in den Sommermonaten durchgeführt, als das Tageslicht relativ hell war. In den dunklen Wintermonaten könnte der Unterschied zu künstlichem Licht größer sein - oder auch nicht. Genauere Forschungen sind notwendig. Auf jeden Fall kann es nicht schaden, während der Mittagspause kurz nach draußen zu gehen. Denn neben Tageslicht hilft jede körperliche Aktivität auf jeden Fall auch bei der Regulierung des Blutzuckers.
Lesen Sie auch:
Lichtverschmutzung: Wie Kunstlicht Gehirn, Schlaf und Stoffwechsel durcheinanderbringt,
Schlafprobleme? Rotes Licht macht müde!,
Biologische Uhr reagiert bei Senioren weniger flexibel,
Biologische Uhr: So kommen Sie morgens leichter aus dem Bett,
Meditation und Yoga senken den Blutzucker,
PFAS erhöhen das Risiko für Typ-2-Diabetes,
Täglich zwei Tassen schwarzer Tee halbieren das Diabetes-Risiko,

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.