Forscher haben herausgefunden, dass der Körper spezielle Fettzellen einsetzen kann, um Entzündungsreaktionen zu hemmen.
Entzündungen sind notwendig, um Eindringlinge zu vertreiben und weitere Schäden zu verhindern. Manchmal haben Entzündungen jedoch einen gegenteiligen Effekt: Wenn sie zu lange andauern, können sie ernsthafte Schäden verursachen. Forscher des University College London (UCL) haben nun den Mechanismus entdeckt, mit dem der Körper eine Entzündungsreaktion wieder hemmt. Die Forschungsergebnisse sind in „Nature Communications“ veröffentlicht.
Chronische Entzündungen
Wir mögen Entzündungen vielleicht nicht, aber für den Körper können sie sehr nützlich sein. Normalerweise klingen sie nach einer Weile wieder ab, so dass die „echte” Genesung beginnen kann. Aber nicht immer: Wenn der „Aus-Schalter” nicht richtig funktioniert, können Entzündungen chronisch werden und eine wichtige Rolle bei verschiedenen Erkrankungen spielen. Denken Sie beispielsweise an Gelenkentzündungen und Diabetes.
Bisher wussten Wissenschaftler nicht genau, wie dieser „Aus-Schalter” beim Menschen funktioniert. Obwohl bereits Versuche an Tieren durchgeführt worden waren, fehlten noch zusätzliche Erkenntnisse darüber, wie der menschliche Körper während und nach einer Entzündungsreaktion genau reagiert. Ein Team der UCL hielt es daher für höchste Zeit, diese Wissenslücke zu schließen.
In ihrer Studie zeigen sie, dass bestimmte Fettmoleküle, sogenannte Epoxy-Oxylipine, als natürliche Bremse wirken können. Sie sorgen vor allem dafür, dass eine bestimmte Gruppe weißer Blutkörperchen nicht zu groß wird: die Monozyten. Das sind Abwehrzellen, die eine Entzündung auslösen und so dabei helfen, Eindringlinge zu beseitigen. Wenn die Reaktion nicht zu lange dauert, ist diese Strategie durchaus wirksam. Leider sind einige Arten von Monozyten manchmal etwas zu „eifrig” im Kampf gegen Eindringlinge, so dass sie stärker gebremst werden müssen.
Verschiedene Situationen
Die Forscher wollten herausfinden, wie Epoxy-Oxylipine im menschlichen Körper während einer Entzündungsreaktion wirken. Und vor allem: Wie sie „überaktive“ Monozyten beruhigen. Dazu führten sie ein Experiment mit 48 gesunden Freiwilligen durch. Den Teilnehmern wurde eine kleine Menge E.coli-Bakterien, die zuvor mit UV-Licht abgetötet worden waren, in den Unterarm injiziert. Die Bakterien waren also nicht lebendig, lösten aber durch ihre Anwesenheit eine vorübergehende Abwehrreaktion aus. So entstand eine kurzzeitige Entzündung mit typischen Beschwerden wie Schmerzen und Schwellungen, vergleichbar mit denen, die man bei einer Infektion erleben kann.
Die Teilnehmer wurden für das Experiment in zwei gleich große Gruppen aufgeteilt, um zwei verschiedene Situationen testen zu können. In der ersten Gruppe erhielt die Hälfte der Freiwilligen zwei Stunden vor Beginn der Entzündung ein Medikament. Damit wollte das Team testen, ob man die natürliche „Bremsreaktion” bereits im Voraus verstärken kann. In der zweiten Gruppe erhielt die Hälfte der Freiwilligen das Medikament erst vier Stunden nach Beginn der Entzündung, zu einem Zeitpunkt, als die ersten Symptome einer Entzündung bereits sichtbar waren. Dies entspricht eher der üblichen Vorgehensweise im alltäglichen Leben.
Enzymhemmendes Medikament
Das verwendete Medikament heißt GSK2256294. Es hemmt ein Enzym namens lösliche Epoxid-Hydrolase, abgekürzt sEH. Dieses Enzym baut normalerweise Epoxy-Oxylipine ab. Durch die Blockierung von sEH verbleiben also mehr Epoxy-Oxylipine im Körper.
Das hatte deutliche Auswirkungen. In beiden Gruppen stiegen die Epoxy-Oxylipin-Werte schnell an. Dadurch verschwanden die Schmerzen schneller und auch die Anzahl der Monozyten, die im Blut und im entzündeten Gewebe nachgewiesen werden konnten, ging zurück. Bemerkenswerterweise veränderten sich die sichtbaren Symptome einer Entzündung, wie Rötung und Schwellung, nicht wesentlich. Das Medikament schien also vor allem Einfluss auf die Prozesse zu haben, die unter der Oberfläche ablaufen.
Neue Behandlungsmethoden
Laut Teammitglied Olivia Bracken zeigt die Studie damit, dass der Körper selbst die Möglichkeit hat, schädliche Abwehrreaktionen zu hemmen. Sie sagt: „Unsere Ergebnisse zeigen einen Mechanismus, der das Wachstum schädlicher Abwehrzellen begrenzen und so Entzündungen schneller abklingen lassen kann. Auf diese Weise kann sich das Immunsystem schneller erholen, ohne dabei das Abwehrsystem als Ganzes zu unterdrücken.“
Forschungsleiter Derek Gilroy betont, dass dies die erste Studie ist, die sich ausschließlich mit der Wirkung von Epoxy-Oxylipinen im menschlichen Körper befasst. Er sagt: „Dies ist die erste Studie, die die Aktivität von Epoxy-Oxylipinen während einer menschlichen Entzündungsreaktion untersucht. Indem wir diese schützenden Fettmoleküle stärker unterstützen, können wir möglicherweise sicherere Behandlungen für Krankheiten entwickeln, die durch chronische Entzündungen verursacht werden.“

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