Sie kennen sicherlich Menschen, die jünger oder älter aussehen, als sie tatsächlich sind. Neue Forschungsergebnisse zeigen nun, dass dies auch mit Ihrem Gehirn passieren kann. Der Zuckergehalt in deinem Blut spielt dabei eine entscheidende Rolle.
Im Rahmen dieser Studie haben Forschende die riesige UK Biobank untersucht, eine Datenbank mit medizinischen Daten von Hunderttausenden Menschen. Sie wollten eine drängende Frage beantworten: Lässt sich anhand unseres Blutes erkennen, wie schnell unser Gehirn altert?
Zunächst mussten sie einem Computerprogramm beibringen, anhand von mehr als tausend Merkmalen eines Gehirnscans – wie beispielsweise der Größe bestimmter Bereiche und der Form verschiedener Strukturen – das Alter des Gehirns einer Person vorherzusagen. Das Modell wurde anhand der Daten von mehr als viertausend gesunden Teilnehmern trainiert. Schließlich wurde es sehr treffsicher. Es lag im Durchschnitt nur etwas mehr als drei Jahre daneben.
Anschließend wurde das Modell auf die Daten von fast 37.500 Personen aus der UK Biobank angewendet. Durch den Vergleich des geschätzten „Gehirnalters“ mit dem tatsächlichen Alter ergab sich eine aussagekräftige Zahl. Ist Ihr Gehirn älter als Sie tatsächlich sind, altert es schneller als im Durchschnitt. Die Forschenden setzten diesen Unterschied anschließend mit den im Blut nachgewiesenen Werten in Verbindung.
Glukose spielt eine Schlüsselrolle
Die Forschenden suchten im Blut von fast 22.000 Teilnehmern nach Substanzen, die mit einem gealterten Gehirn in Verbindung stehen. Neun Kandidaten wiesen einen starken Zusammenhang auf, doch einer stach dabei deutlich hervor: Glukose. Je höher der Glukosespiegel im Blut war, desto älter schien das Gehirn zu sein.
Ein Zusammenhang bedeutet natürlich noch nicht, dass das eine das andere verursacht. Deshalb hat sich das Team auch mit der DNA befasst. Manche Menschen sind nun einmal genetisch dazu veranlagt, einen höheren Blutzuckerspiegel zu haben, und diese Veranlagung steht bereits bei der Geburt fest, lange bevor das Gehirn altern kann. So konnten die Forschenden plausibel darlegen, dass es tatsächlich der Zucker ist, der die Alterung des Gehirns beschleunigt, und nicht umgekehrt.
Mehr Zucker, mehr Schäden
Menschen mit einem höheren Blutzuckerspiegel litten häufiger unter nicht weniger als sieben Hirnerkrankungen: Demenz in verschiedenen Formen (darunter Alzheimer und die vaskuläre Variante, die durch Probleme mit den Blutgefäßen entsteht), Parkinson, Schlaganfälle, Depressionen und Angststörungen. Außerdem schnitten sie bei Gedächtnistests im Durchschnitt schlechter ab, bewegten sich weniger flexibel und waren geistig weniger fit.
Auch auf den Gehirnscans waren die Schäden sichtbar. In nicht weniger als 80 verschiedenen Hirnregionen wiesen Menschen mit hohem Blutzucker im Durchschnitt weniger Hirngewebe auf. Das Gehirn schrumpfte sozusagen ein wenig.
Die gute Nachricht: Eigener Einfluss möglich
Die gute Nachricht ist, dass der Blutzucker – im Gegensatz zum Geburtsjahr – keine feststehende Größe ist. Es ist etwas, worauf man selbst Einfluss nehmen kann, zum Beispiel durch gesündere Ernährung und mehr Bewegung. Den Forschenden zufolge ist es am besten, so früh wie möglich damit anzufangen: Je jünger man ist, desto länger kann man sein Gehirn jung halten.
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