Mittwoch, 24. Juni 2026

Gedruckte Informationen lassen sich im Gehirn besser kombinieren

Gedruckte Informationen lassen sich im Gehirn besser kombinieren (Foto: pixabay.com)


Das Lesen auf Papier bereitet das Gehirn besser darauf vor, später Informationen zu kombinieren, als das Lesen auf einem Tablet. Das geht aus einer japanischen Studie hervor, die diese Woche in der Fachzeitschrift „PLOS One“ veröffentlicht wurde.

 

Forschende der Universität Tokio ließen 25 Studenten eine Mangageschichte mit einer besonderen Struktur lesen, eine sogenannte „Zapping Story“. Jede Geschichte besteht aus zwei Hälften, die dieselben Ereignisse erzählen, jedoch jeweils aus der Perspektive einer anderen Figur, in diesem Fall eines Paares, das zusammenlebt. Möchte man die ganze Geschichte verstehen, muss man beide Hälften im Kopf zusammenfügen.

 

Die Studierenden lasen die erste Hälfte jeder Geschichte abwechselnd auf Papier oder auf einem Tablet. Die Beleuchtung und die Lesegeschwindigkeit wurden sorgfältig aufeinander abgestimmt. Anschließend lasen die Teilnehmer die zweite Hälfte auf einem kleinen Bildschirm in einem MRT-Scanner. Zum Schluss wurden ihnen Fragen gestellt: einige bezogen sich nur auf eine Hälfte der Geschichte, andere erforderten die Zusammenführung beider Hälften.

Kein Unterschied in der Korrektheit, wohl aber im Aufwand

Die erste Überraschung war, dass die Leser von Papierausgaben und die Tablet-Nutzer in puncto Richtigkeit nahezu gleichauf lagen. Beide Gruppen beantworteten etwa 70 Prozent der Fragen richtig. Wer nur auf das Verständnis achtet, würde daraus schließen, dass das Medium keine Rolle spielt.

Bei Fragen, die die Kombination beider Hälften erforderten, brauchten die Tablet-Nutzer jedoch deutlich länger. Ihre Antworten waren zwar genauso oft richtig, aber sie benötigten mehr Zeit, um zu diesem Ergebnis zu gelangen. Bei Fragen, bei denen eine Hälfte ausreichte, gab es keinen Unterschied.

 

Die Gehirnscans machten deutlich, was vor sich ging. Bei den Papierlesern waren bestimmte Sprachareale im linken frontalen Kortex (die Bereiche im vorderen Teil der linken Gehirnhälfte, die an der Sprachverarbeitung beteiligt sind) während des Lesens der zweiten Hälfte weniger aktiv. Das lag nicht daran, dass sie weniger verstanden, sondern daran, dass es ihnen offenbar weniger Mühe bereitete. Tablet-Leser mussten dagegen zusätzliche Gehirnregionen aktivieren, darunter das rechte Gegenstück derselben Region – ein Bereich, der normalerweise zur Unterstützung einspringt, wenn die Hauptsprachareale überlastet sind. Je höher die Punktzahl der Tablet-Leser war, desto stärker wurde diese Unterstützung aktiviert.

Anker auf Papier

Die Forschenden glauben, dass sich dieser Unterschied durch etwas erklären lässt, das sie „räumlich-zeitliche Anker“ nennen. Auf Papier weiß man intuitiv, wo im Buch etwas stand. Dieser räumliche Anhaltspunkt hilft dem Gehirn, Informationen zu ordnen und später abzurufen. Ein Tablet löscht diese Anker. Jede Seite sieht fast identisch aus.

Zudem könnte es eine Rolle spielen, dass Papier reflektiertes Licht nutzt, während ein Bildschirm Licht ausstrahlt. Das kann sich auf das Leseerlebnis auswirken. Und das physische Umblättern einer Seite dauert etwas weniger als eine Sekunde. Das reicht gerade aus, vermuten die Autoren, damit das Gehirn den Übergang verarbeiten kann.

Die Studie war nicht perfekt

Es handelt sich hier allerdings nur um eine kleine Studie. 25 Teilnehmer sind für eine Gehirnscan-Studie zwar üblich, aber dennoch eine bescheidene Zahl. Außerdem bezog sich die Studie speziell auf japanische Studenten, auf Manga und auf ein Tablet. Ob dies auch für E-Reader gilt, ist unklar. Das Leseerlebnis auf einem E-Reader kommt dem eines Buches näher. Außerdem wurde die Studie unter anderem vom Manga-Verlag COAMIX mitfinanziert.

 

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